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13.01.2021

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Drei Sieger auf der Überseeinsel

Hochbaulicher Wettbewerb in Bremen entschieden


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Auf dem direkt an der Weser liegenden, ehemaligen Kellogg-Areal in Bremen soll entsprechend einem städtebaulichen Entwurf von SMAQ Architektur & Stadt und Man Made Land das gemischt genutzte Stadtviertel Überseeinsel mit verschiedenen Quartieren entstehen. Wo noch bis 2017 Frühstücksflocken produziert wurden, läuft nun die Umstrukturierung zum neuen Wohn-, Arbeits- und Erholungsbezirk an. Die Überseeinsel ist Teil des Transformationsvorhabens Überseestadt in den alten Hafengebieten Bremens, eines der derzeit größten Stadtentwicklungsprojekte Europas.

Für das erste der geplanten Quartiere Neu Stephani mit den beiden nebeneinander liegenden Planungsgebieten Stephani-Ost und Stephanibogen führte der Projektträger Überseeinsel GmbH  Mitte 2020 zwei geschlossene hochbauliche und freiraumplanerische Realisierungswettbewerbe durch. Das Bremer Büro BPW Stadtplanung betreute das Verfahren. Ende 2020 entschied sich das Preisgericht unter Vorsitz von Stadtplaner Jörn Walter einstimmig für drei Gewinner – „Vielfalt“ lautete dabei das Motto.

Planungsgebiet Stephani-Ost

Die Wettbewerbsausschreibung für Neu Stephani orientierte sich am Rahmenplan der Überseeinsel, der nach einem mehrstufigen Werkstattverfahren 2018 und einer Bürgerbeteiligung im Oktober 2019 beschlossen wurde. Für das Plangebiet Stephani-Ost, das die Überseeinsel mit der Innenstadt verbinden soll und fünf Geschosswohnungsbauten innerhalb definierter Baufelder umfasst, war dabei die Möglichkeit vorgesehen, unterschiedliche Entwürfe miteinander zu kombinieren. Da die Jury zwei erste Preise verlieh, kommt genau das nun zum Tragen: Drei der fünf Gebäude sollen von Allmann Sattler Wappner (München) kommen. Zwei weitere Gebäude von den anderen Erstplatzierten, Felgendreher Olfs Köchling (Berlin). Die Freiraumplanung übernimmt das Büro rabe landschaften (Hamburg).

Die Preisvergabe im Überblick:

  • Ein 1. Preis: Allmann Sattler Wappner (München) mit rabe landschaften (Hamburg)
  • Ein 1. Preis: Felgendreher Olfs Köchling (Berlin) mit Bischoff Landschaftsarchitektur (Baden Schweiz)
  • 2. Preis: Hild und K Architekten mit Studio Vulkan Landschaftsarchitektur (beide München)
  • 3. Preis: eins:eins architekten mit Hahn Hertling von Hantelmann Landschaftsarchitekten (beide Hamburg)


Allmann Sattler Wappner überzeugten mit einem an den Typus des „Bremer Hauses“ und die industrielle Vorgeschichte des Ortes angelehnten Entwurf. Auch die vielfältigen Bezüge zur Weser, unter anderem bei Material- und Farbauswahl, gefielen. Felgendreher Olfs Köchling punkteten mit flexiblen Wohnungsgrundrissen bei geringer Tiefe, die einen optimalen Lichteinfall und viele Sichtachsen ermöglichen. Architektonisch an den angrenzenden Bürogebäuden orientiert, fungieren die Häuser zudem als verbindendes Element und Überleitung in das Quartier.

Stephanibogen


Beim zweiten, nach Westen hin spitz zulaufenden Planungsgebiet Stephanibogen steckt die Vielfalt im Detail: Der großräumige Komplex gliedert sich in fünf Gebäude und drei gemeinschaftlich genutzte Innenhöfe. Die Baukörper werden durch unterschiedlich gestaltete Treppenhäuser, Loggien, Wintergärten, Balkone und Fassaden charakterisiert. Vorgesehen sind hier unter anderem ein Schwimmbad, ein Gesundheitszentrum mit Praxen, Fitnesseinrichtung und Apotheke, Labore und Büros sowie kleinteilige Gewerbeeinheiten für Handwerk und Kreative. Hier gingen das Team der beiden Berliner Büros Robertneun und Lohrengel Landschaft als Gewinner aus dem Wettbewerb hervor, der wie folgt entschieden wurde:


Der Entwurf von Robertneun weise „singuläre Markanz und Eigenständigkeit“ auf, so die Jury in ihrer Erklärung. „Die Verfasser beschreiten einen mutigen Weg, die unterschiedlichen Nutzungsbausteine von Wohnen, Gemeinbedarf und Gewerbe in einer einheitlichen und für den Ort identitätsstiftenden Gebäudestruktur zu vereinen.“ Auch die landschaftsarchitektonischen Vorschläge zur Charakterisierung der Innenhöfe seien plausibel und hervorragend durchgearbeitet. (da)


Zum Thema:

www.ueberseeinsel.de


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Kommentare

14

ein architekt | 15.01.2021 11:48 Uhr

Verfahren

Der Stephanibogen ist nur ein kleiner Teil der Überseestadt. Das hier Gezeigte könnte besser werden als das, was in der Überseestadt neu gebaut wurde.

Ein Investor verfolgt unweigerlich andere Ziele als die, die ein Senat städtebaulich vorgeben sollte.
Am Ende einer Investition steht ein finanzieller Gewinn gerechnet auf die Verwertung/Lebensdauer eines Gebäudes.

Gut, dass wenigstens ein beschränkter Wettbewerb stattgefunden hat.

KlausMeier beruft sich in seinem Kommentar auf scheinbar technische Raffinessen, die das Gebot der Stunde in Materialwahl, Energieeinsparung etc. sind.

Das hat mit der Kubatur der hier gezeigten Architekturentwürfe nur bedingt etwas zu tun.

Sicherlich kann man hier abwarten, wie die Enwürfe umgesetzt werden. Ob sie sich einreihen in die schon gebaute Überseestadt mit ihren Reihungen, die so in Düsseldorf, Dortmund, Münster, Berlin, Basel stehen könnten und nichts ortsspezifisches haben.

KlausMeier begrüßt es, endlich mal keinen Rotklinker als Fassade zu haben. Klinker ist keine spezifisch Bremer Erscheinung, genauso wenig roter Backstein. In vielen Hansestädten ist eher das schmale Giebel-Langhaus vorherrschend und hist. begründbar. Bremen bestand seit dem Mittelater überwiegend aus Sandstein und Fachwerk, mal verputzt, mal mit sichtbarem Gefach, im 19. Jahrhundert bestanden Gebäude normalerweise als hell verputztes Massivmauerwerk. Vieles, was heute als roter Klinker sichtbar ist, wurde von Nazis seit den 1930ern Jahren (Böttcherstraße) und nach 1949 flächendeckend etabliert.

Welche Versäumnisse finden trotz eines Wettbewerbsverfahren statt? Das Desinteresse der Grundstücksvergabe, die nur Investoren wie Zech u.ä. eine Übernahme ermöglicht. Ein nicht offfener Wettbewerb mit beschränkter Zulassung, mit gesetzten Büros.

Und wie viele en-vogue-Büros mit Sitz in Berlin wurden seit Iris Reuthers Einzug 2014 als gesetzte oder eingeladene Büros zu nicht-offenen Wettbewerbsverfahren geholt? Gegen die Berliner Büros ist an sich nichts einzuwenden, es ist bloß auffällig und bringt bisher offensichtlich auch nicht den gewünschten Effekt. Die Europacity in Berlin wird auch kein architektonisches Highlight der Stadt. Im Vergleich dazu die Architekturvorschläge des Werkbunds eines Berliner Baublocks aus 2014.

Die Überseestadt und ehemalige Werftanlagen in Bremen Nord sind flächenmäßig das größte Konversionsgebiet der BRD. Größer als die Hamburger Hafencity. Was wurde bisher vom Senat unternommen? Eine intransparente Grundstücks"verwertungsgesellschaft" eingerichtet, viele Investoren, gelegentlich ein vorgeschalteter Semi-Wettbewerb. Eine Idee, was aus einer Industrie-Umschlagsfläche als Ziel geschehen soll? Städtebauliche Präferenzen?

Momentan pfeift der Wind durch die schnurgeraden Straßen neben den Bauklötzchen - ohne Rotklinker und ohne Aufenthaltswert. Funktionsmischung ist ein neuer Ansatz.

Selbst die stadtplanerischen Mittel sind eher dürftig angewandt für das Plangebiet. Der große Wurf fehlt.

13

STPH | 15.01.2021 10:51 Uhr

...

Sehr gelungen ist der Beitrag Allmann Sattler.
Die schwappenden Dächer könnten auch als der klimakatastrophale Meeresspiegel über Bremen gelesen werden. Entwurf, Jury und der Zeitgeist finden sich oft unterbewusst.
Wie bleiern dagegen eine Gerade, wie etwa auch eine Mole. So bleiern wie stehendes Wasser.

12

°_° | 14.01.2021 18:41 Uhr

Kritiker

Was hier gezeigt und geplant wird ist ganz sicher weit überdurchnittlich in Deutschland. Ein progressives Konzept (Energie, Baustoffe, Verkehrs-Infrastruktur) und interessante, eben nicht gewöhnliche Entwürfe von allen drei Siegerentwürfen. Ich verstehe die Kritik insofern nicht. Persönlicher Geschmack ist eine andere Sache.

11

KlausMeier | 14.01.2021 17:55 Uhr

Spannende Kommentare

Mit großem Interesse lese ich die Kommentare, die ja zu einem Teil geringschätzig ausfallen. Als erstes: Die Bewertung wird in einer Jury gefällt und nicht von Frau Reuther oder sonst jemanden. Am Ende ist das Votum des Bauherrn (in diesem Falle unter anderem durch mich vertreten) von großer Bedeutung. Insofern bin ich persönlich pikiert. Unsere Orientierung erfolgt an unseren Vorgaben. Zum Stephanibogen hatten wir zehn Vorschläge, am Ende war der Vorschlag von Robertneun von allen und eindeutig favorisiert. Ich glaube, es wird ein wunderbares und passendes Gebäude - mit Wohnen für Studenten, Auszubildende, Wohngemeinschaften, einem großem (öffentlichen) Schwimmbad und Gesundheitszentrum. - Für Neu Stephani gab es neun Entwürfe - mit sehr weit aufgefächerter Qualität. Die fünf Gebäude entlang der Weser ("Neu Stephani"), die wir dann ja leicht gemischt haben, werden in Holz-Hybrid-Bauweise errichtet, haben technisch wie energetisch einen hohen Standard und auch die Fassaden werden mal nicht Rotklinker und 0-8-15. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir in Bremen eine (auch) architektonisch bemerkenswerte Marke setzen. Zum Dialog sind alle herzlich eingeladen. - Ach ja: Dachformen sind aus dem Energiekonzept vorgegeben, da die Dächer weitestgehend für PV-Nutzung mit bevorzugter OST-West-Ausrichtung und Neigungswinkel 15-20 Grad vorgegeben sind. Bei uns hält das Dach nicht nur den Regen ab.

10

ein architekt | 14.01.2021 12:11 Uhr

das ging trotz großer namen daneben

Am vielversprechendsten sehen die Beiträge für den Stephanibogen aus. Sowohl von Robertneuen als von der "nur" Anerkennung HillmesLamprecht. Hoffentlich fallen die Verschattungssegel nicht dem Wind oder Einsparungsmaßnahmen zum Opfer. Und was macht die Brandenburger Kiefer an der Hafenkante?

Dass hier wieder einmal nur Namen von Büros auftauchen, die Ruf und Standbein besonders in Berlin haben, kann man nicht mehr für Zufall halten. Es hat wohl eher etwas mit dem Konzept von Iris Reuther zu tun. Hauptsache man holt diverse bekannte Büros in die Stadt, dann ergibt sich irgendwie gute Architektur. Freunde von Freunden.

Das ist wohl verfehlt. Ebenso wie die vielen Reihenhäuser, die in Bremen neu gebaut werden und nichts mit dem Altbremer Haus gemein haben, so ist hier auf dem Kellog's Areal, Überseeinsel weder einen Anlehnung an die ehemalige Speicher- und Industrie-Hafenarchitektur zu sehen, noch ergeben sich gute, diverse Formen und urbane Räume. Die hilflosen Versuche, durch Landschaftsarchitektur in Polygonen die Architektur-Klötzchen vergessen zu machen ist allzu banal. Mal Camillo Sitte gelesen? Wie wäre eine Neuinterpretation des öffentlichen Zwischenraums. Spannung?

Müssen zugezogene-Bremen-Hasser sein, die immer in der Jury von oben herab die Architektur Bremens definieren.


Sehr enttäuschend und hinterwäldlerisch, global finde ich die Beiträge von Felgendreher Olfs Köchling.

Die keramische Fassade von Allmann Sattler in anderer Farbe (Meeresbezug ist Humbug) könnte vielversprechend sein.

9

STPH | 14.01.2021 11:55 Uhr

Bild 5

Loftige Speicheroptik, noch dazu innen hell
passt doch nach Bremen und ans Wasser. Und wenn s dann nicht zu Ziegeln reicht tuts ein dunklerer fabrikmäßiger Anstrich auch.

Fehlen noch die Krangalgen oben und auf jedem Stock der Austritt darunter.

8

Slate | 14.01.2021 10:23 Uhr

Troll dich

Yikes, deine Kommentare nerven. Du musst dir den Mist nicht ansehen. Die x-tze Wiederholung des gleichen unterkomplexen Gedankens ist halt einfach überflüssig.

7

auch ein | 14.01.2021 09:04 Uhr

architekt

@4:
wände und fenster brauchts halt, über die dachform lässt sich (solange sie ihre funktion erfüllt) streiten.

6

schlawuki | 13.01.2021 23:43 Uhr

pardon

ganz schlimm finde ich ja bild 5, allmann sattler.
was bildest du dir eigentlich ein?
so kann man doch nicht wohnen!
nur weil einer von euch in der olympiastadt in münchen zuhause ist, muss man das doch nicht replizieren.
pardon me...

5

Dr. Yikes | 13.01.2021 22:57 Uhr

Vornehm ausgedrückt

Ein weiterer Tiefpunkt der Bau- und LEBENSkultur dieses Landes.

Bekäme ich mit, wie ein kleines Kind solche Häuser malt, würde ich das Jugendamt einschalten: etwas Furchtbares muss das Kleine im Innersten traumatisiert haben.

Leblos, freudlos, jeder Vorstellung des Glücks ermangelnd.

Gut, zu Bremen passt es wieder.

4

und noch auch ein architekt | 13.01.2021 18:43 Uhr

@ auch ein architekt

Und ich frage mich:
war denn eine der vorgaben "hauptsache paar fenster" und etwa auch "hauptsache paar senkrechte wände" ?!

genau so wars wohl. Besonders schön interpretierte Satteldächer jedenfalls von FOK.


3

auch ein | 13.01.2021 17:28 Uhr

architekt

war denn eine der vorgaben "hauptsache paar satteldächer" ?

2

Gustav | 13.01.2021 17:04 Uhr

Mama sagt: "Immer nur positiv denken"

Robertneun ganz stark! Großer Respekt von auch einem Architekten!

1

Baukultur | 13.01.2021 15:52 Uhr

Jawoll!

-Toller Beitrag von Felgendreher Olfs Köchling, der auch in der Durchmischung mit Allmann Sattler Wappner hoffentlich funktioniert.

-Städtebaulich interessant aber nach meinem persönlichen Empfinden noch recht unklar detaillierter Vorentwurf von robertneun. Da darf man gespannt sein, was sich in der Entwurfsphase nun verbessert.

Es freut mich, das wirklich gute Beiträge gewonnen haben.

-Hild und K irgendwie auch cute. Aber Mailänder Themen die durch die Schweiz nach München und dann an der Weser per Stille Post ankommen, wirken auf mich an dem Standort nicht mehr stimmig.

 
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Modell der beiden Plangebiete Stephanibogen (orange) und Stephani-Ost mit den Blöcken. In blau die Siegerentwürfe von Allmann, Sattler Wappner, in beige die Blöcke, die Felgendreher Olfs Köchling planen sollen.

Modell der beiden Plangebiete Stephanibogen (orange) und Stephani-Ost mit den Blöcken. In blau die Siegerentwürfe von Allmann, Sattler Wappner, in beige die Blöcke, die Felgendreher Olfs Köchling planen sollen.

Ein 1. Preis geht an Allmann Sattler Wappner (München) und rabe landschaften (Hamburg) für drei Gebäude und die Freiräume im Plangebiet Stephani-Ost.

Ein 1. Preis geht an Allmann Sattler Wappner (München) und rabe landschaften (Hamburg) für drei Gebäude und die Freiräume im Plangebiet Stephani-Ost.

Ein weiterer 1. Preis für Felgendreher Olfs Köchling (Berlin), die zwei Gebäude für Stephani-Ost beisteuern.

Ein weiterer 1. Preis für Felgendreher Olfs Köchling (Berlin), die zwei Gebäude für Stephani-Ost beisteuern.

Den dritten 1. Preis für das Plangebiet Stephanibogen erhielt das Berliner Team Robertneun und Lohrengel Landschaft.

Den dritten 1. Preis für das Plangebiet Stephanibogen erhielt das Berliner Team Robertneun und Lohrengel Landschaft.

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