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08.12.2017

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Graue Wettbewerbsverfahren

Heiner Farwick über den Boykottaufruf des BDA


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Im Sommer hatte der BDA seine Mitglieder zum Boykott grauer Wettbewerbs- und Vergabeverfahren aufgerufen. „Die Zahl der Vergabeverfahren, die elementare Wettbewerbsgrundsätze ganz oder in Teilen nicht erfüllen, nimmt immer weiter zu“, heißt es darin. Am Rande des Berliner Gesprächs am 2. Dezember sprach Friederike Meyer mit dem BDA-Präsidenten Heiner Farwick über Hintergründe und Details.

Herr Farwick, wozu genau rufen Sie auf?
Der Aufruf ist an die 5000 BDA-Mitglieder gerichtet. Es geht um die Wertschätzung der eigenen Arbeit. Immer wieder gibt es Gutachterverfahren, Workshops und kooperative Verfahren, die nach Wettbewerben klingen, aber keine sind. Es werden Leistungen von Architekten erfragt, die keinem geregelten Verfahren unterliegen. Es fehlt beispielsweise eine qualifizierte Jury, ein Auftragsversprechen oder die Anonymität ist nicht gewahrt. Wir appellieren an unsere Kollegen, sich an diesen Verfahren nicht zu beteiligen. Außerdem wollen wir die Auslober dieser grauen Verfahren in Richtung eines regelkonformen Verfahrens beraten.

Das wäre doch aber Aufgabe der Architektenkammern, die qualifizierte Wettbewerbe registrieren.
Die von den Kammern registrierten Verfahren sind in Ordnung. Wir sprechen über die nicht registrierten Verfahren.

Es sollte doch selbstverständlich zur Berufsehre gehören, daran nicht teilzunehmen. Warum muss der BDA seine Mitglieder dazu überhaupt aufrufen?
Weil es oftmals übersehen wird. Die Teilnahme an grauen Verfahren ist ein Verstoß gegen die Berufsordnung und kann gerügt werden. Viele gehen jedoch unbedarft in solche Verfahren. Da kommt ein Anruf, „wir würden Sie gern als Architekt einladen oder als Preisrichter gewinnen“, ich sage zu, bekomme drei Tage vorher die Unterlagen und sehe viel zu spät, dass das Verfahren gar nicht registriert ist. Wir rufen dazu auf, genau hinzuschauen, wir wollen das Bewusstsein schärfen. Wer Verfahrensfehler bemerkt, soll sich mit Kollegen kurzschließen. Und wenn ein Auslober sagt, wir wollen das aber so, dann rufen wir dazu auf, nicht mitzumachen.

Hat es einen Boykottaufruf in der Geschichte des BDA schon einmal gegeben?
Ich bin seit zehn Jahren im Präsidium, in der Zeit hat es das nicht gegeben. Die Rolle der Architekten hat sich stark geändert. Früher hatten wir aufgrund unserer Fähigkeiten und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Verantwortung ein hohes Ansehen. Heute müssen wir uns in alle Richtungen entblößen, um einen Auftrag zu bekommen. Auch die grauen Verfahren tragen dazu bei,  Architekten auf eine Rolle als Dienstleister zu verkürzen. Wir wollen als Hauptverantwortliche im Planungs- und Bauprozess in einem Vertrauensverhältnis zum Bauherren stehen. Und dazu gehört Fairness.

Was ist seit dem Aufruf im Sommer passiert?
Wir nehmen eine positive Rückmeldung wahr: „Endlich, gut, richtig.“ Die Vertreterversammlung der Architektenkammer Niedersachsen zum Beispiel unterstützt das Papier ausdrücklich. Es passiert viel hinter den Kulissen.


Zum Thema:

Der vollständige Text des Aufrufs auf der Seite des BDA: https://bda-bund.de/boykottaufruf/


Kommentare

7

Eurospider | 12.12.2017 14:55 Uhr

@solong

Kann es sein, dass hier Ursache und Wirkung vertauscht wird? Umgekehrt wird ein Schuh draus: Die Leute werden nicht in die Jurys, Beiräte und Wettbewerbe berufen, weil sie im BDA sind, sondern sie sind im BDA, weil sie gut sind...

6

solong | 12.12.2017 09:57 Uhr

... unglaubwürdig ...

... angesichts der regelmäßigen besetzung von jurys und beiräten mit BDAlern ... und der regelmäßigen favorisierung der beiträge von BDAlern ....

5

Meinrad | 11.12.2017 18:33 Uhr

@Eurospider

Ganz einfach: ES WIRD NICHT FUNKTIONIEREN!
Ich behaupte, dass es in hundert Fällen noch nicht einmal funktioniert. So einfach ist das- reine unter Applaus stattfindende Moralpredigt und danach die Zusage zum Nichtgewollten.

4

Eurospider | 11.12.2017 11:02 Uhr

@Peter

Da ist es wieder, das Klischee von den "arrivierten BDA-Büros", die den Kuchen untereinander aufteilen. In den BDA werden jedes Jahr ca. 120 junge Architektinnen und Architekten berufen, viele davon mit noch sehr kleinem Portfolio und oft ohne große Auftraggeber. "neu im club" heißt das Wilkommensprogram für den Nachwuchs, und auf der entsprechenden Website kann man sich ein Bild davon machen, wie frisch, unkonventionell und wenig etabliert viele davon sind.

Auch um die Interessen dieser Kollegen zu schützen, ruft der BDA dazu auf, die Berufsordnung einzuhalten. Was soll daran falsch sein?

3

Haussmann | 08.12.2017 20:21 Uhr

Geregeltes Verfahren?

Worin genau liegt nun beim vermeintlich "geregelten Verfahren" die Wertschätzung der eigenen Arbeit, wenn von bis zu 200 teilnehmenden Büros überhaupt nur fünf (ebenfalls ohne Relation zur Aufgabe) für ihre Mühen entschädigt werden? Ist die Auftragschance über ein Gutachter- oder Konkurrenzverfahren für die vielleicht drei Teilnehmer*innen nicht ungleich höher? BDA und auch Kammern hängen den Entwurf als tradierten Architektur-Fetisch in elitärer Manier (Wettbewerbsteilnahmen muss man sich vor allem leisten können!) deutlich zu hoch und schaffen sich damit mittelfristig selbst ab. Was ist verkehrt an einer guten Dienstleistung und warum dürfen Bauherrschaften diejenigen nicht im Vorfeld kennenlernen, mit denen sie über Jahre hinweg vertrauensvoll zusammenarbeiten sollen (bzw. nach einem Wettbewerb dann müssen)? Siehe dazu auch den Beitrag von Frau Edmaier im aktuellen Architektenblatt ... unfassbar.

2

peter | 08.12.2017 18:25 Uhr

@ulf

ulf, ich bin genau ihrer meinung.
und eigentlich geht es noch weiter, denn die "grauen" verfahren sind i.d.r. maßgeschneidert auf "alte bekannte" bzw. zielen darauf ab, den bieterkreis klein und übersichtlich zu halten. als junges büro brauche ich mich da eh nicht zu bewerben. und das wiederum legt nahe, dass es für die arrivierten bda-büros noch leckerer und verführerischer sein dürfte, sich an diesen verfahren gerade zu beteiligen.

1

ulf | 08.12.2017 15:54 Uhr

Boykott???

Das ist doch fadenscheinig! Ob BDA-Architekt oder Normalo-Architekt ohne Eliteneurose. Das macht doch keinen Unterschied. Nach diesem Aufruf wird NICHTS geschehen! Ich kenne keinen BDA-Architekten, der wegen 'gekränkter Ehre' ein solches Verfahren ablehnen wird. Im Gegenteil, meist ist die '.... dann bekomme ich von der Kommune nichts mehr'-Angst größer als der Mut der Ablehnung.
Leute- vergesst es!

 
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