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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Generalsanierung_von_hg_merz_in_Berlin_abgeschlossen_7045583.html

04.11.2019

Staatsbibliothek Unter den Linden

Generalsanierung von hg merz in Berlin abgeschlossen


Knapp 20 Jahre nach dem Wettbewerb sind Sanierung und Erweiterung der monumentalen Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden endlich abgeschlossen. Mit ihrem Sanierungsprojekt zielten hg merz architekten und museumsgestalter nicht zuletzt auf die Wiederherstellung der Raumerfahrung des 1914 eröffneten Hauses.

Von Alexander Stumm

Mit der feierlichen Schlüsselübergabe am heutigen 4. November 2019 ist die Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek Unter den Linden durch hg merz architekten und museumsgestalter (Berlin) abgeschlossen. Nach dem Realisierungswettbewerb im Jahr 2000 begannen die Bauarbeiten 2005. Der neue allgemeine Lesesaal ist schon seit der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes im Jahr 2012 eröffnet. Mit dem bei laufendem Betrieb durchgeführten zweiten und letzten Bauabschnitt, der sich auf den südlichen Bereich des Gebäudes konzentrierte, wird nun das ursprüngliche Raumkonzept Ernst von Ihnes wieder erlebbar, da die zentrale Erschließungsachse des riesigen Gebäudekomplexes wiederhergestellt wurde. Die Gesamtkosten der Sanierung betrugen rund 470 Millionen Euro bei 107.000 Quadratmeter BGF. Als Bauherr fungierte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Die denkmalgerechte Sanierung hatte in erster Linie die Rekonstruktion der Raumerfahrung des 1903–14 geplanten Prachtbaus im Sinne. Veränderungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden vielfach zurückgebaut. Die Erschließung führt nun wieder über die zentrale Achse, die sich von der offenen Lindenhalle und dem Brunnenhof über die monumentale Haupttreppenhalle und das Vestibül direkt in den großen Lesesaal erstreckt. Die Haupttreppenhalle war bis zum Zweiten Weltkrieg mit einem Tonnengewölbe überspannt, das im Krieg zerstört wurde. Zu DDR-Zeiten wurde eine deutlich niedrigere Flachdecke im Gestus der 1950er-Jahre eingebaut. Die Architekt*innen rekonstruierten die Tonne in einer zeitgenössischen Variante mit kreuzenden Rippen. Damit bleibt der Eingriff klar erkennbar, die Kubatur des Raumes wird jedoch im Sinne Ihnes wiederhergestellt.

Die Haupttreppenhalle führt in das 19 Meter hohe Foyer, das von einer Kuppel mit Oberlicht bekrönt wird. Die ursprüngliche Form der bauzeitlich als Rabitzkonstruktion ausgeführten Kuppel konnte nicht wiederhergestellt werden. Dies lag daran, dass die historischen kreuzenden Betonbögen inzwischen denkmalgeschützt sind und aufgrund einer geringen Absenkung nicht integrierbar waren. Deshalb entschieden sich die Architekt*innen für ein schlichtes, weiß verputztes Kreuzgratgewölbe, das von der Dachkonstruktion abgehängt ist. Lediglich ein Ring aus glasierten Majolikakeramiken ist erhalten und steht exemplarisch für die vormals pompös dekorierte Kuppel.

Neben der klimatechnischen Neuausstattung wurde ein Buchtransportsystem mit einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern und 17 Aufzügen installiert, das einen reibungslosen Buchverkehr innerhalb des weitläufigen Hauses gewährleistet. Außerdem schmücken vier Kunst am Bau-Projekte von Tobias Rehberger verschiedene Säle. An der Wand angebrachte Leuchtmittel sollen die Uhrzeit anzeigen – wobei das abstrakte Bild für die Betrachter*innen erst nach intensiverem Studium lesbar sein dürfte.

Mit dem Wilhelm-von-Humboldt-Saal ist auch der größte der drei Veranstaltungssäle im Haus wieder nutzbar. Teil der Sanierung waren darüber hinaus der Musiklesesaal, der Handschriftenlesesaal, Verwaltungs- und Büroräume sowie die Räume der Generaldirektion. Etwas fragwürdig darf die Farbgestaltung der Teppichfußböden und des Mobiliars gelten. Wahlweise verwendete man hier Orange, Giftgrün oder Lila, ohne dass ein stimmiges Gesamtkonzept erkennbar wird. Auch könnten sich die vier, als Raum-im-Raum-Einbauten konzipierten Gruppenarbeitsräume für 6 bis 10 Personen schon bald als zu knapp bemessen herausstellen.

Wer sich von der wiedereröffneten Staatsbibliothek selbst ein Bild machen will, kann dies entweder zum Tag der offenen Tür am Samstag, 16. November 2019 von 10 bis 18 Uhr tun oder muss sich bis zur offiziellen Eröffnung im Mai 2020 gedulden. Denn direkt nach der Schlüsselübergabe schließt die Bibliothek für ein halbes Jahr, um den Umzug der Mitarbeiter*innen zu organisieren und notwendige technische Innenausbauten vorzunehmen. Außerdem wird der zwischenzeitlich eingerichtete Zugang über die rückseitige Dorotheenstraße wieder geschlossen.

Fotos: Jens Andreae, Florian Profitlich


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Die Frontfassade der Staatsbibliothek, erbaut von Ernst von Ihne von 1903–14.

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Mit der Fertigstellung der Grundinstandsetzung und Erweiterung durch hg merz ist nun die Haupttreppenhalle wieder nutzbar.

Mit der Fertigstellung der Grundinstandsetzung und Erweiterung durch hg merz ist nun die Haupttreppenhalle wieder nutzbar.

Das Tonnengewölbe wurde in einer zeitgenössischen Variante rekonstruiert.

Das Tonnengewölbe wurde in einer zeitgenössischen Variante rekonstruiert.

Wilhelm-von-Humboldt-Saal

Wilhelm-von-Humboldt-Saal

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