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29.01.2003

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Petit Quartier

Französische Botschaft in Berlin vorgestellt


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Am 29. Januar 2003 wurde der Neubau der französischen Botschaft am Pariser Platz in Berlin der Architekturpresse vorgestellt. Das Haus war schon in der Woche zuvor, am 23. Januar 2003, in Anwesenheit von Staatspräsident Chirac und Bundespräsident Rau offiziell eröffnet worden.

Architekt Christian de Portzamparc, Innenarchitektin Elisabeth de Portzamparc (beide Paris) und Landschaftsarchitekt Régis Guignard vom Büro Méristème (Caulnes/Bretagne) führten die Vertreter der Fachpresse in einem ausführlichem Rundgang durch das vielgestaltige Gebäudeensemble.

De Portzamparc, der 1997 den entsprechenden Wettbewerb gewonnen hatte, füllt das ungünstig geschnittene, L-förmige Grundstück mit sieben verschiedenen Baukörpern, die miteinander verbunden sind. Im Interesse einer optimalen Belichtung und großzügiger Freiräume verzichtet er darauf, den Großteil des Volumens an die rückwärtige, 140 Meter lange und 28 Meter hohe Brandwand der Dorotheenblöcke anzubauen, wie dies die meisten anderen Teilnehmer des Wettbewerbs vorgeschlagen hatten. Eine solche Lösung hätte einen engen Atriumhof erzwungen. Portzamparc lässt vielmehr die Brandwand weitgehend unbebaut, lässt sie lediglich mit Hopfen beranken. Dies führt zu einer räumlich angenehmen Abfolge von gut belichteten Innenhöfen.

Die Funktionen der Botschaft wurden in verschiedenen, gestalterisch demonstrativ unterschiedlich ausgebildeten Baukörper untergebracht, so die Kanzlei in dem repräsentativen Trakt mit der Fassade zum Pariser Platz. In der Lesart des Architekten ist „ein kleines Quartier mit zwei Gärten“ entstanden.
Eine überdachte Straße im Inneren, die vom Pariser Platz zum „Arbeitseingang“ an der Wilhelmstraße führt und die ursprünglich öffentlich zugänglich sein sollte, bildet das Rückgrat der inneren Erschließung. Das eigentliche „Referenzniveau“ (de Portzamparc) ist dagegen die „Bel Etage“ im ersten Obergeschoss, fünf Meter oberhalb des Straßenniveaus. Dies ist auch die Ebene des mit Gras und Laubbäumen bepflanzten „Ehrenhofs“. Ein weiterer betretbarer Freiraum findet sich als „Hochpromenade“ in Form einer Birkenallee mit „vertikalem Garten“ (eben jener Berankung der Brandwand) in Höhe des dritten Obergeschosses.

Die Materialien der Botschaft sind nach Willen des Architekten „einfach“, allerdings werden sie jeweils durch Behandlung veredelt. Das gilt insbesondere für den allgegenwärtigen Sichtbeton (in einer Qualität wie bei einer Tiefgarage, so der Architekt), der als „béton éclaté" mechanisch bossiert wurde und so den Eindruck eines rustizierenden Mauerwerks erweckt.

Auch in der Schaufassade am Pariser Platz kam diese Betonbehandlungstechnik zum Einsatz, nämlich um das von der Gestaltungssatzung geforderte Sockelgeschoss darzustellen. Die Bel Etage wartet mit zweigeschossigen, hochformatigen Fensteröffnungen auf, deren Gewände teilweise stark angeschrägt wurden.
Die Fassade lässt deutlich erkennen, dass sich hier ein Architekt an den Vorgaben gerieben hat und durch deren demonstrative Übererfüllung (Stichwort: „Schießscharten“ im Sockelgeschoss) dennoch zu einem völlig anderen als dem intendierten Fassadenbild kommen kann. Dieser Entwurfsauffassung fehlt es allerdings sowohl an der Großzügigkeit, die Frank Gehry mit seiner DG-Bank-Fassade gelungen ist, als auch an der frechen Überschreitung der Vorgabe, die Behnisch mit der Akademie der Künste vis à vis gelingen wird - um nur die beiden anderen „Ausbrecher“ am Pariser Platz zu zitieren.

Das Botschaftsgebäude weist viele schöne räumliche Lösungen auf, vor allem im Innenhof. Doch leider ist es dem Architekten nicht gelungen, seine überschäumende Produktion von Formen, Details, Oberflächenbehandlungen, Innenarchitekuren und Kunst zu einem harmonischen Ganzen zusammen zu bringen. Hier wäre eine Reduktion der formalen Vielfalt nötig gewesen. Es ist nicht erforderlich, dass in jedem Treppenhaus andere Oberflächen zu Einsatz kommen, dass 54 verschiedene Sorten Hopfen gepflanzt werden, dass jeder noch so kleine Abschnitt wieder eine andere Fassadenschema, wieder ein anderes Fensterformat aufweist.

Hier wird eben nicht die augenzwinkernde Ironie erreicht, wie sie die besten Werke der Postmoderne zeigten, wo ein Stirling Corbusier und Mesopotamien miteinander verschmilzt. Portzamparc meint das ernst, bei ihm wird einfach nur kombiniert, ohne zusammen zu fügen.
Nach dem ausführlichen Rundgang entsteht jedenfalls vor allem das Gefühl, dass es nun wirklich genug sei.

Benedikt Hotze


Zum Thema:

www.botschaft-frankreich.de


 
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