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11.04.2017

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Fassade mit Fingerabdruck

Forschungsgebäude am Vienna Biocenter von ATP Architekten Ingenieure


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Es ist und bleibt ein leidiges Thema: Wie soll man die Fassade eines Hauses gestalten, dessen Inneres weitgehend unabhängig von der Außenhülle ist? Gerade bei Bürobauten stellt sich diese Frage, denn die simple, monotone Abbildung struktureller Systeme ist für viele schon lange nicht mehr en vogue. Ganz beliebig soll es aber auch nicht werden, und natürlich keinesfalls rein dekorativ. Eine gewisse Symbolik kann da helfen, sofern sie sich in die Logik des funktionalen Bauens einfügt. Also eine Bildhaftigkeit, die trotzdem abstrakt bleibt. Im chinesischen Lianyungang wurde beispielsweise vor kurzem eine Messehalle eröffnet, deren Fassade einen Barcode zitiert, wodurch auf Handel und Globalisierung verwiesen werden soll.

Einer ähnlichen Strategie bedienten sich auch die Architekten der Wiener Zweigstelle des international tätigen Büros ATP Architekten Ingenieure beim Entwurf des neuen IMP Forschungsinstituts für Molekulare Pathologie am Vienna Biocenter, das im März eröffnet wurde. Sie griffen auf das Bild des genetischen Fingerabdrucks zurück, der gemeinhin als lange Reihe kleiner, vertikaler Striche dargestellt wird. Man kann das als ein gelungenes Spiel zwischen Abstraktion und Symbolik begreifen – oder als eine beliebige ästhetische Korrespondenz von Bild- und Architekturlogiken kritisieren.

Wie auch immer man das Ergebnis aus glänzenden weißen und schwarzen Platten sehen mag – wirklich interessant wird es sowieso erst im Inneren des Hauses und beim Blick auf die Bauprozesse. Betreiber des Instituts ist das deutsche Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, das im Jahr 2013 einen Wettbewerb auslobte, den ATP für sich entscheiden konnten. Auf 15.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche entstanden Labor- und Büroarbeitsplätze für 200 Mitarbeiter.

Die Ansprüche der Nutzer an den Entwurf sind wenig überraschend: Die Förderung der Kommunikation und die räumlichen Möglichkeiten für informellen Austausch zwischen den Mitarbeitern waren wichtig, ebenso die Flexibilität der Labore und die energetische Optimierung des Hauses. Um Ersteres zu erreichen, wurde ein zentrales, fünfgeschossiges Atrium geschaffen, das sich mit seiner vollverglasten Front an der Fassade deutlich abzeichnet. An dieses Atrium schließen Bereiche mit offenen Büroarbeitsplätzen, informelle Aufenthaltszonen und die Labore an.

Um ein überzeugendes Energiekonzept realisieren zu können, griffen die Architekten auf BIM zurück, das heutzutage in aller Munde ist. ATP begreifen sich in diesem Feld als Pioniere, da sie seit Mitte der Siebzigerjahre integrale Planung betreiben und seit 2014 durchgehend mit BIM arbeiten. Trotz der hochgradig differenzierten Anforderungen, die ein solcher hochtechnisierter Laborbau stellt, gelang es den Architekten, mit Hilfe von Wärme- und Kälterückgewinnung, biologischer Abwasserbehandlung, elektrochromen Gläser, die automatisch abdunkeln, und intelligenter LED-Beleuchtung, ein maximal ressourcenschonendes Haus zu realisieren – was dem Bild des Fingerabdrucks, hier: dem energetischen, wiederum zuträgt.  (gh)

Fotos: ATP/Kurt Kuball


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