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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Erweiterung_der_Wuerttembergischen_Landesbibliothek_in_Stuttgart_von_Lederer_Ragnarsdottir_Oei_7283538.html

15.06.2020

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Rückbesinnung in Ortbeton

Erweiterung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart von Lederer Ragnarsdóttir Oei


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Ein lang erwarteter Neubau harrt derzeit in Stuttgart seiner Eröffnung: Lederer Ragnarsdóttir Oei vermelden die Fertigstellung ihres Erweiterungsbaus für die Württembergische Landesbibliothek. Den zugehörigen Wettbewerb – der unter anderem den Umzug großer Teile des Magazinbestands in Freihandbereiche ermöglichen soll – gewannen LRO nach einer Überarbeitung im Frühjahr 2011. Die Erweiterung ist nach dem benachbarten Umbau des Wilhelmspalais bereits das zweite Projekt der Stuttgarter auf der „Kulturmeile“ Konrad-Adenauer-Straße. Auf den Fotos sind die Regale übrigens noch leer, doch laut diverser Posts in den sozialen Medien sind die Bücher längst auf dem Weg.

Der Standort der Bibliothek an der Konrad-Adenauer-Straße ist durch die städtebaulichen Paradigmen der 1960er Jahre geprägt: autofreundliche Verkehrsführung und freistehende Großkörper im lockeren Spannungsfeld statt eines repräsentativ gerahmten Boulevards. LRO positionieren ihren Baukörper, der nur durch einen Steg im ersten Obergeschoss an den zurückgesetzten Bestandsbau von Horst Linde angebunden ist, direkt an der Verkehrsader, um den Straßenraum zumindest etwas zu fassen. Der Bürgersteig, bislang an der Kreuzung Ulrichstraße zu Ende, wird nun bis zum Staatsarchiv fortgeführt. Durch den konstruktiv notwendigen Abbruch und Wiederaufbau der Tiefgarage entstand außerdem ein Platz mit breiten Treppen, der den Kubus des bestehenden Lesesaals in Bezug zum Mittelrisalit des Neuen Schlosses setzt.

Statt der 2010 vorgeschlagenen Sandsteinfassade zeigt sich der Anbau nun in hellem Sichtbeton – überhaupt hat sich viel getan seit dem ersten Wettbewerbsentwurf: Die stoische Schießschartenfassade ist einem spielerischen etagenweisen Wechsel der Fensterformate gewichen, das zunächst noch wie aufgesetzt wirkende Sheddach entwickelte sich zum prägenden Charakteristikum des Neubaus. Beide Elemente greifen die kupferne Materialisierung des alten Lesesaals auf. Mit der Fertigstellung der Erweiterung, die schon im Mai mit einem Betonpreis ausgezeichnet wurde, soll nun auch die Sanierung des Bestands folgen.

Im Inneren verzichten LRO wurde auf die Aufhellung des Ortbetons. Glatte weiße Einbauten treffen dort auf dunklere Oberflächen, deren sägeraue Schalungsmuster angesichts der Größe und Komplexität der Räume den handwerklichen Aufwand ihrer Herstellung auf atemberaubende Weise spürbar machen. Die augenfälligste gestalterische Entscheidung kann man im Übrigen ganz eindeutig als Verneigung vor einem anderen berühmten Nachbarn lesen: Der maigrüne Teppichboden, der selbstbewusst die Erweiterung der Landesbibliothek prägt, lässt an den leuchtend grünen Noppenbelag von James Stirlings Neuer Staatsgalerie ein paar Hausnummern weiter denken. (kms)

Fotos: Brigida González



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Kommentare

8

Frau B. | 16.06.2020 09:22 Uhr

Rückbesinnung in Ortbeton

Für mich geht schlichtweg das Äußere nicht mit dem Inneren zusammen.

7

auch ein | 16.06.2020 08:10 Uhr

architekt

ein typischer Arno....
Ich mag diese Formensprache nicht mit den runden Fenstern, -zig Giebelchen auf dem Dach , die rundgelutschten Treppenhäuser.
Immer das selbe....
Achtung: Geschmackssache

An dem Ort ein wenig ein Fremdkörper

Und ich gebe @3 recht: Der Begriff "LRO-Raumkleider" triffts genau!

Die selbe Formensprache, diesmal halt statt Klinkerorgie alles in Beton.

Wer`s mag....


6

Hans | 15.06.2020 22:59 Uhr

Meinung

Der Wettbewerb damals ein Desaster, hauptsache der gefeierte Lokalmatador baut...viel mehr "schichtet" ein Potpourri seines jüngeren Detailkataloges lieblos aufeinander um einer für diese Stelle städtebaulich mehr als langweiligen Gebäudekubatur eine scheinbar intellektuelle Fassade mit Tiefgang vorzulagern.Innen wählt man ein Konzept, das ebenso plump wie unattraktiv ist. Zu viel um sich auf einer bestechenden Einfachheit hinsichtlich Konsequenz, räumlicher Ruhe und materialhafter Rohheit auszuruhen und gleichzeitig aber doch zu wenig um Lebendigkeit, Atmosphäre, Kontraste, Licht/Schatten, Vielfalt und Begeisterung und Aufenthaltsqualität auszustrahlen (und ja das wird sich auch mit Regalen und der noch fehlenden Möblierung nicht ändern). Eine Bibliothek ist eben nicht nur Konservatorium für Literatur, sie sollte ein modernes, offenes Gebäude für MENSCHEN sein.Schade, denn die ansonsten so starken Gebäude des Büros werden durch dieses Projekt konterkariert...

5

Axel Spellenberg | 15.06.2020 21:51 Uhr

Rückbesinnung in Ortbeton

Aussen interessant und seltsam ornamentalisierend, trifft einen im Innern die Wucht BETON. Wäre es nicht einer der schlimmsten Klimakiller, könnte ich mich trotz der eisgrauen Kälte erwärmen - sofern noch farbige Bücher hinzukommen. Am besten ist die Lage direkt an der B 14, die historische Bezüge wieder aufnimmt.

4

Albert Freistadt | 15.06.2020 21:03 Uhr

Aussen sicher gut ...

... inner sehr trocken. Da muss ich meinem Vorredner Mies Recht geben. Kann aber an den Fotos liegen und an der fehlenden Möblierung.

3

atm | 15.06.2020 16:06 Uhr

zeitlos!

...und schön!
...sicher eines der besten "LRO-Raumkleider"...

2

Mies | 15.06.2020 15:55 Uhr

Zurück in die Vergangenheit...

Der Innenraum Gebäude erinnert mich an die Zeit meines Studiums. Da hatten wir auch so ein Betonmonster aus den 70ziger Jahren. Wie kann man sowas heute bauen? Was für ein Mief...
Deutschland 2020?

1

peter | 15.06.2020 15:53 Uhr

gut gemacht!

ein schönes haus, das eine angenehme atmosphäre ausstrahlt und gut umgesetzt ist.

allerdings stellt sich mir die frage, wozu es den (raucher-?)balkon im eg gebraucht hat, der etwas verloren angeklebt in richtung stadtautobahn, ääh, kulturmeile schaut und die städtische großform in meinen augen etwas kleingeistig wirken lässt (vielleicht ein vorauseilend gehorsames zugeständnis an stuttgarts kleingeistigkeit?). die fassade wäre ohne ihn klarer gewesen.

 
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