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24.05.2018

Chipperfields Feinsinn

Erweiterung der Royal Academy in London


„Zeit ist gut und schlecht, sie ist zugleich Freund und Feind”, sagte David Chipperfield vor zwei Jahren im BauNetz-Interview anlässlich des Richtfests für die James-Simon-Galerie in Berlin. Denn der zentrale und noch immer nicht fertig gestellte Eingangsbereich der Berliner Museumsinsel ist mittlerweile ein wahres Langzeitprojekt geworden. Auch für die Erweiterung und Renovierung der Royal Academy of Arts in London mussten zehn Jahre vergehen. Doch letztlich trumpfen die Architekten auch bei diesem Projekt mit einer ihnen eigenen Präzision und Bedachtheit, die schon beim preisgekrönten Neuen Museum in Berlin gelang: Mit behutsamen Brüchen, dezenten Setzungen und einer auf 25.000 Quadratmeter erweiterten Fläche für die Ausstellungen, Sammlungen und das Bildungsprogramm der Royal Academy konnten David Chipperfield Architects (London/Berlin) den Bau pünktlich zum 250. Jubiläum der Akademie jetzt wiedereröffnen.

Der wichtigste Part des Projekts ist die Integration eines benachbarten Gebäudes, dem ehemaligen Senatssitz der University of London, in den Organismus der Royal Academy. Der vor einigen Jahren erworbene Bau in der Formensprache eines italienisierenden Klassizismus stammt, wie das Gebäude der Akademie, aus den 1860er-Jahren, ist jedoch städtebaulich anders ausgerichtet. Mit einem minimalistischen Brückenbau aus Beton verbanden die Architekten die Royal Academy am Piccadilly Circus mit dem neu erworbenen Gebäude an den Burlington Gardens und handelten so räumlich die Niveau- und Orientierungsunterschiede der beiden denkmalgeschützten Bauten aus. Die großen Fenster der Brücke lenken den Blick auf den neuen gemeinsamen Garten, gestaltet von Wirtz International (Schoten, Belgien), in dem fortan Skulpturen aus dem Akademienprogramm ausgestellt werden sollen.

In Zusammenarbeit mit den Denkmalpflegern von Julian Harrap Architects (London) wurde eine neue Besucherroute durch das renovierte Akademiegebäude gezogen. Unter anderem wurde ein Archivraum zu einer Ausstellungshalle für die historische Kunstsammlung umgewandelt. Mit seinem freigelegten Backsteinmauerwerk ähnelt dieser neue Raum auch einigen Details im Neuen Museum in Berlin.

In den alten Senatsbau an den Burlington Gardens griffen die Architekten stärker ein. Für die Einrichtung eines großen Vorlesungssaals mit halbkreisförmigen Sitzreihen für 250 Personen ließen sie eine Raumdecke entfernen, den ehemaligen Sitzungssaal des Senats wandelten sie in eine Cafeteria um, Laborräume wurden zu einer durchgehenden Ausstellungshalle zusammengefügt und einen kleineren Konferenzraum bauten sie zu einer Galerie für die Akademie-Sammlung von Architekturzeichnungen um. In dieser Sammlung befinden sich übrigens auch Zeichnungen von Chipperfield, der als Mitglied der Royal Academy mit diesem Projekt somit auch seinem eigenen Werk schöne Räume verpasst hat. (sj)

Fotos: Simon Menges


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David Chipperfield Architects verbinden mit einem minimalistischen Brückengebäude aus Beton die Royal Academy mit einem ehemaligen Senatshaus  und schaffen aus beiden Bauten ein zusammenhängendes Ganzes.

David Chipperfield Architects verbinden mit einem minimalistischen Brückengebäude aus Beton die Royal Academy mit einem ehemaligen Senatshaus und schaffen aus beiden Bauten ein zusammenhängendes Ganzes.

Die Weston Bridge von innen mit Blick auf den neuen, vom belgischen Büro Wirtz International gestalteten Garten.

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Eine neue Route führt durch die vergrößerte Royal Academy. Unter den Ziegelsteinbögen eines ehemaligen Lagerraums wird nun die Sammlung der Akademie ausgestellt.

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Der renovierte, prunkvolle Eingangsbereich der Royal Academy.

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