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16.05.2018

Der, der sich einmischte

Erinnerungen an Roland Ostertag (1931-2018)


Er war Architekt, Hochschullehrer, Funktionär und einer, der sich gerne einmischte, vor allem, wenn es um das Bewahren von guter Architektur ging. Am 11. Mai ist Roland Ostertag im Alter von 87 Jahren gestorben. Geboren wurde er am 19. Februar 1931 in Ludwigsburg. Er studierte Architektur in Stuttgart, gründete schnell ein eigenes Büro und wirkte 28 Jahre als Professor an der TU Braunschweig, deren Institut für Gebäudelehre und Entwerfen er leitete.

Bei seiner Berufung 1970 löste er als einer der ersten die prägende Generation der Braunschweiger Schule um Walter Henn, Friedrich Wilhelm Kraemer und Dieter Oesterlen ab. „Ostertag war ein sehr guter und präsenter Hochschullehrer“, sagt der ehemalige BauNetz-Chefredakteur Benedikt Hotze, der bei Ostertag studiert hat. „Er sah einen Entwurf und erkannte sofort die Schwachstellen.“ Der Fotograf Klemens Ortmeyer, der an Ostertags Lehrstuhl als Foto-HiWi arbeitete, erinnert sich an einen Mann, der seine Schüler für alles Neue wach machte mit einem Eifer, der alle aus der Puste brachte. „Alle nannten ihn den O. Kritisch sein, neugierig sein, Position beziehen, das lebte er vor“, sagt Ortmeyer, der für BauNetz Fotos der legendären Lehrstuhl-Exkursion nach Moskau und Leningrad 1990 aus seinem Archiv geholt hat.

Rund 90 Bauwerke hat Ostertag als planender Architekt entworfen, vor allem Verwaltungsgebäude, von denen inzwischen neun unter Denkmalschutz stehen. Als architektonisches Hauptwerk gilt das Rathaus in Kaiserslautern, das 1968 eingeweiht wurde. Und so wird er wohl auch als Rathaus-Architekt in die Geschichte eingehen. Von ihm geplante Rathäuser entstanden in Bad Friedrichshall, Laupheim, Frickenhausen, Schönaich und Darmstadt.

Der Bundesarchitektenkammer stand Roland Ostertag von 1993 bis 1996 als Präsident vor. Deren heutige Präsidentin Barbara Ettinger-Brinckmann erinnert sich mit den Worten: „In seine Amtszeit fielen viele richtungsweisende Entscheidungen, zum Teil in schwierigem Umfeld. Die 6. Novelle der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure und die Grundsätze und Richtlinien für Wettbewerbe auf den Gebieten der Raumplanung, des Städtebaues und des Bauwesens (GRW 1995) waren wichtige berufspolitische Meilensteine. Aber auch der erstmalige Tag der Architektur fallen in die Zeit seiner Präsidentschaft.“

In den späteren Jahren war der in Stuttgart ansässige Ostertag vor allem als streit­barer Diskutant und Gegner von Stuttgart 21 hervorgetreten. „Man kann sogar ohne Übertreibung sagen“, heißt es in Amber Sayahs Nachruf in der Stuttgarter Zeitung und bei marlowes, „dass Stuttgart ohne Roland Ostertag heute anders aussähe.“ Ostertag hatte sich unter anderem für den Erhalt der früheren Stuttgarter Gestapozentrale Hotel Silber als Erinnerungsort stark gemacht, wo 2017 das viel diskutierte Dorotheen-Quartier nach Plänen von Behnisch Architekten fertiggestellt worden ist. Auch hatte er für den 1909 bis 1913 erbauten Gebäudekomplex des Bosch-Areals gekämpft, den er bis 2001 gemeinsam mit dem Architekten Johannes Vornholt umbaute und ergänzte. (fm)




Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es: ...stand Roland Ostertag von 1993 bis 1997 als Präsident vor. ... und die Entscheidung, mit der BAK von Bonn nach Berlin zu ziehen, fallen in die Zeit seiner Präsidentschaft. Beide Aussagen wurden korrigiert.


Zum Thema:

Über die Braunschweiger Schule erschien eine Ausgabe der Baunetzwoche.


Auch interessant ist der Baunetz-Bericht von einer Tagung im Jahr 2010 an der TU Braunschweig zur Rettung der Bauten der Braunschweiger Schule.


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Roland Ostertag mit einer Kapitänsmütze vor dem Panzerkreuzer Aurora im Jahr 1990 bei der legendären Exkursion nach Moskau und dem damaligen Leningrad

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Die Teilnehmer setzten sich auf der Reise mit dem russischen Konstruktivismus auseinander.

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Mitreisender Klemens Ortmeyer: „Für viele der Teilnehmer war es ein Höhepunkt im Architekturstudium, auch für mich.“

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„Unser Tragflächenboot aus der Sowjetära war sehr laut und sehr sehr schnell und sah dazu noch ultramodern aus. Wir waren begeistert.“

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