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22.07.2016

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Betonrelief im Paradies

Entertainment-Komplex von MVRDV in Seoul


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Wie entwirft man eine Fassade, die aufgrund der programmatischen Anforderungen einer Shoppingmall und eines Nachtclubs fensterlos und komplett opak sein soll? Für die Fassadengestaltung ihres Entertainment-Komplexes im neuen Touristenviertel Paradise City in Seoul bedienen sich MVRDV eines Kunstgriffs: Sie konzipieren die äußere Hülle der beiden Baukörper als Betonreliefs, die die umliegenden Gebäude spiegeln.

Diese skulpturale Herangehensweise, die zumindest in ihrem ästhetischen Resultat an die künstlerischen Arbeiten von Rachel Whiteread erinnert, folgt der Idee eines radikalen Kontextualismus. Winy Maas erklärt: Die Gebäude passen sich „den Gegebenheiten des Kontextes an und akzeptieren diese Bedingungen als conditio sine qua non.“ Der bauliche Kontext drückt sich in seiner Struktur quasi auf der Gebäudehülle ab. Ganz so passiv und formbar sind die neuen Baukörper dann aber doch nicht: Die Fassaden werden nicht nur als Abbild auf die Baukörper projiziert, sondern grotesk verformt.

Anders als bei Whitereads Arbeiten, von denen wir wissen, dass sie massiv sind, gibt es bei der Shoppingmall  und bei dem Nachtclub, der auch einen „Water Club“ und einen „Sky-Garden“ beherbergt, Hinweise auf ein Inneres. Ein goldener Punkt, der wie die Projektion eines Sonnenstrahls auf dem Volumen des Nachtclubs liegt, markiert etwas theatralisch dessen Eingang.

Die Architekten machen keinen Hehl daraus, dass ihre Architektur auf bestimmte Konsumsehnsüchte reagiert: „Paradise City bietet das Spektakel, das die Unterhaltungsarchitektur verlangt“, resümieren die Architekten offen. Die Leute wollen hier, im Paradies des postmodernen Kapitalismus, im Casino zocken, im „Boutique Hotel“ übernachten, zwischendurch shoppen und im „Food-Court“ essen, sich dann im „Water Club“ entspannen und abends – tanzen! Der neue Stadtteil mit den Gebäuden von MVRDV soll bis zu den Olympischen Winterspielen in Seoul 2018 fertiggestellt sein. (df)


Zum Thema:

In Seoul wurde schon mal wild getanzt bei einer Olympiade, und zwar 1988 unter deutscher Beteiligung: Die Kunstdisco Seoul war der Kulturbeitrag des Goethe Instituts, ein wunderbar leichter Bau der damals jungen Münchner Architekten Peter Bohn und Julia Mang-Bohn – mit WestBam an den Decks. Mehr dazu in der Baunetzwoche#332: Seoul 1988 – Disco Dancing


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