Von Bausünden und Bürgerprotest
Dokumentation von Radio Bremen im NDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen viele deutsche Städte weitgehend in Trümmern. Stadtplaner und Architekten sahen in der Verwüstung auch die Chance, ihre Zukunftsvorstellungen in die Tat umzusetzen. Nicht selten mussten dabei die vom Krieg verschonten Bauten weichen, um eine komplett leere Leinwand als Basis für die Planung von Neubaugebieten zu schaffen.
So auch im Norden des Landes. Zu den dort tätigen Visionären zählten unter anderem der Architekt Ernst May, der für den Hamburger Stadtteil „Neu Altona“ die übrig gebliebenen Gebäude des alten Arbeiterviertels abreißen ließ, und Rudolf Hillebrecht, damaliger Stadtbaurat Hannovers, dessen Verkehrskonzept viele historische Bauten niederwälzte. Auch vor alten Klöstern und prächtigen Architekturen der Gründerzeit wurde nicht Halt gemacht: In Bremen fielen einige solcher Bauten dem Innenstadtring zum Opfer. Viele Bürgerinnen und Bürger wehrten sich gegen den Erneuerungswahn der Planer und setzten sich für den Erhalt zahlreicher Kulturstätten ein.
Die 45-minütige Dokumentation „Von Bausünden und Bürgerprotest“ von Radio Bremen arbeitet die damaligen Ereignisse mit Fokus auf norddeutsche Städte wie Hamburg, Bremen, Kiel, Hannover und Hildesheim auf. Sie wird am Mittwochabend im NDR ausgestrahlt.
Termin: Mittwoch, 27. Mai 2020 um 21 Uhr
Ort: NDR Fernsehen
Eine ganz schreckliche und hoffnungslose Sicht der Dinge. Kein Blick in die Zukunft, kein Beispiel für gelungene, zeitgenössische Lösungsansätze. Nur geschichtsrevisionistische Rekonstruktionswut á la Potsdam. Man sollte wirklich eine Gegendarstellung drehen.
Ich war ein wenig enttäuscht, ehrlich gesagt auch erschrocken, wie sehr dort die Architektur der Nachkriegsmoderne als das Böse schlechthin dargestellt wurde, so wie das vielleicht 1980 als Gegenbewegung hin zur historischen Stadt einen gewissen Sinn hatte. Dass man heute vielleicht auch etwas schützen möchte (und muss, wenn man die ganze Geschichte sichtbar lassen möchte), was man früher bekämpft hat, das kam einem bei diesen Filmen nie in den Sinn.