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12.12.2018

Buchtipp: Am Rand der Welt

Die Mauerbrache in West-Berlin in Bildern von Margret Nissen und Hans W. Mende


Die Berliner Mauer ist Geschichte. Und nach ihr verschwanden seit 1989 auch die riesigen verwüsteten Flächen entlang des endlos langen Betonbandes auf West-Berliner Seite. Ihnen widmet sich nun ein von Gerhard Sälter und Manfred Wichmann für die Stiftung Berliner Mauer herausgegebener Bildband. Mit knapp 70 Schwarz-Weiß-Fotografien von Berliner Mauerbrachen von Margret Nissen und Hans W. Mende ermöglicht „Am Rand der Welt. Die Mauerbrache in West-Berlin“ den fotografischen Einblick in das letzte Jahrzehnt vor dem Fall der Mauer. Kaum jemand rechnete in diesen Jahren noch mit einer Wiedervereinigung der beiden Stadthälften. Das Augenmerk der Stadtplaner richtete sich nicht mehr auf große Stadterweiterungen wie noch in den 60er-Jahren, sondern auf den Erhalt der historischen Substanz der Stadt.

Beobachter der US-Armee beschrieben die gesellschaftliche Stimmung auf der „Insel“ West-Berlin damals als „abnormale Normalität“. Für viele West-Berliner wurde das Leben im Schatten der Mauer aber irgendwie zur Normalität – musste es ja... Unterschiedliche Milieus vom Laubenpieper bis zur alternativen Subkultur fanden hier ihre Nischen. Die Menschen nutzten die Freiräume ihres Inseldaseins, die Ränder ihrer Welt blendeten sie aus. Dort entstanden die Brachflächen, für die sich bald nur noch Künstler und Fotografen wie Nissen und Mende interessierten, deren Bilder man heute mit neuer Faszination bewundert. Unendlich lang scheint das alles zurückzuliegen.

Dass die Mauer fallen könnte, erwarteten die Fotografen nicht. Mit dem Rücken zur Stadt richteten sie ihre Kameras auf das Ödland an Potsdamer Platz, Gleisdreieck oder Anhalter Bahnhof. Die menschenleeren Aufnahmen von kargen Mauerstreifen, verwilderten Brachen und imposanten Ruinen transportieren die melancholische Stimmung einer Stadt im Stillstand. Margret Nissen (geb. 1938) kam 1971 in die Stadt, in der ihr Vater Albert Speer bis 1966 wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit inhaftiert war. Das Brachland entlang der Mauer zog die fotografische Autodidaktin mit dem spezifischen Interesse an „trostlosen Motiven“ magisch an. In ihren Bildern zeigt sich das neue Interesse an der alten Stadt. Nissen erhielt Aufträge der Berliner Festspiele und fotografierte im Auftrag der Internationalen Bauaustellung IBA 1987. So wie Nissen nimmt auch Hans Mende (geb. 1948) die aus heutiger Sicht zentral gelegenen Brachen in den Blick, außerdem interessierte er sich für das Niemandsland der Mauer in Spandau und Tegel, in Teltow oder Britz.

Die Fotos von Nissen und Mende und die Textbeiträge im Buch spiegeln nur den Blick der West-Berliner auf die Ränder ihrer Stadt wider. Allen, die sich auch für den Blick von der anderen Seite der gespaltenen Stadt interessieren, sei der ebenfalls im Ch. Links Verlag erschienene Band „Fotografieren verboten! Die Berliner Mauer von Osten gesehen“ mit Fotografien von Gerd Rücker aus den Jahren 1978 bis 1986 empfohlen.

Text: Philipp Bürger

Am Rand der Welt. Die Mauerbrache in West-Berlin in Bildern von Margret Nissen und Hans W. Mende
Gerhard Sälter / Manfred Wichmann (Hg.)
Ch. Links Verlag, Berlin 2018
128 Seiten
ISBN 978-3-96289-002-5
20 Euro


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Das Buch ist in der Reihe „Veröffentlichungen der Stiftung Berliner Mauer“ erschienen.

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Hans W. Mende, Bellevuestraße, August 1985

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Hans W. Mende, Zimmerstraße, 1978/79

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Margret Nissen, Hinter dem Esplanade nahe dem Potsdamer Platz, Juni 1984

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