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19.08.2019

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Baumhaus für Erwachsene

Co-Living in Seoul von Bo-DAA


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Wer träumte als Kind nicht einmal vom eigenen Baumhaus als behaglichem Rückzugsort? Diesen Gedanken griff offensichtlich das junge, in Seoul ansässige Architekturbüro Bo-DAA auf, das im Herzen des Start Up-Viertels Gangnam in der südkoreanischen Hauptstadt das Projekt Treehouse realisierte. Die äußere Gestalt der Schmalseite des Baus mit der nach oben spitz zulaufenden, zwischen den Geschossen leicht abgestuften Form lässt unweigerlich an einen abstrahierten Tannenbaum denken. Das Haus bietet mit seinen insgesamt 72 Mikrostudios und Mikrolofts für Einpersonenhaushalte und deren tierische Lebensgefährten aber nicht nur echte Rückzugsorte, sondern legt durch vielfältige, gemeinschaftlich nutzbare Räume auch besonderen Wert auf das zwischenmenschliche Zusammenleben.

Das Zentrum des auf einem 1.200 Quadratmeter großen Grundstück liegenden Wohngebäudes bildet ein im Erdgeschoss befindliches, begrüntes Atrium. Es ist umgeben von vollverglasten gemeinschaftlichen Arbeitsbereichen, entspannenden Aufenthaltsräumen, Gemeinschaftsküche, Waschküche und – ganz wichtig – eigenen Badestellen für die pelzigen Vierbeiner. Darüber befinden sich auf sechs Etagen die kleinen Wohnungen mit je eigenem Bad und einer Kochnische.

Jedes Stockwerk hat unterschiedlich gestaltete Grundrisse und Raumkonfigurationen – mal hohe Schlafräume über einer offenen Badewanne, mal eine Leiter mit Vorsprüngen als Sitzgelegenheit für die in Südkorea so beliebten Hauskatzen, mal ein geräumiges Penthouse, das auch für Paare geeignet ist. Durch die äußere Form bedingt ergeben sich in allen Wohnungen über die volle Breite schräge Fenster, deren Jalousien übrigens von unten nach oben steigen, um die Privatsphäre zu wahren und gleichzeitig ein Stück vom Himmel zu erhalten. Platzsparende Details sind Schiebetüren, hinter denen Regale verschwinden, und modulare Aufbewahrungsmöbel. Bei den Dachgeschosswohnungen haben die Architekt*innen zusätzliche Lüftungsfenster zum Atrium eingeplant, um an heißen Tagen eine Querbelüftung zu gewährleisten.

Während also genug Platz für Rückzugsmöglichkeiten in den privaten Bereichen vorgesehen ist, legt das Projekt den Fokus vor allem auf eine zeitgenössische Version des nachbarschaftlichen Miteinanders. Das durch die schmalseitige Fensterfront natürlich beleuchtete Atrium bildet das räumliche Herzstück der Residenz. Man trifft sich hier nicht nur beim Betreten des Hauses, sondern kann auch schon direkt vor den Wohnungen, die über Galerien erreichbar sind, hinunterblicken. Vielleicht sitzt ja die nette Nachbarin gerade unten? Die Aufenthaltsbereiche, darunter auch eine Dachterrasse, und die geräumige Gemeinschaftsküche fördern den Kontakt zwischen den Bewohnern zusätzlich. „Die Gemeinschaft soll nicht erzwungen, sondern überzeugt werden,“ so die Architekt*innen. „Die Bewohner teilen sich nur die Annehmlichkeiten, die bei einem geselligen Beisammensein einfach mehr Spaß machen.“ (stu)

Fotos: Rohspace, Lee Jieung


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Kommentare

15

STPH | 23.08.2019 11:11 Uhr

....

was mich interessieren würde, ob die Baumform dem Abstandsrecht geschuldet ist, weil im teuren Gangnam die Senkrechte wohl näher gelegen hätte.

Grundrisshybride zwischen WG und Wellnesszone in Hochhäusern sind mir schon vor 30 Jahren in Macao untergekommen.

asiatische Großstädte sind Jobagglomerationen und relativ kinderfeindlich.

14

maestrowec | 22.08.2019 16:49 Uhr

Wohnklo und Legebatterie

die Übertragbarkeit von Ideen aus vermeintlich fernen Kulturen in unsere wenig erbauliche deutsche Baukultur beschäftigt hier die Gemüter zu recht. Ich kann aus eigener Anschauung aus Seoul bestätigen, dass dieses Projekt nicht eine typische, sondern eine besondere Wohnform darstellt. Dennoch lohnt sich der Vergleich im Sinne eines Verstehens der Produktionsbedingungen solcher Bauten überhaupt. Auch in Korea gibt es Baunormen, Spekulation, einen überhitzten Wohnungsmarkt, die Tendenz zum Kleinsthaushalt. Nur vielleicht auch gelegentlich tatsächlich eine gewisse Unverkrampftheit, die hierzulande ganz abhanden zu kommen scheint. Übrigens geht der Blick in Korea auch in unsere Richtung. Die immerhin gut organisierte Stadtplanung, Partizipation, Nachhaltigkeit im Bauen usw. alles exotische Themen aus östlicher Perspektive...

13

g.k. | 22.08.2019 12:48 Uhr

Noch Wohnen ?


Bis wann darf man von "Wohnen für das Existenzminimum" sprechen und wann
beginnt "artgerechte Haltung" ?

Es bedarf keiner Miniwohnungen, sondern
einer Änderung der Veräusserbarkeit von
Grund und Boden.

Pachten könnte das Zauberwort sein.

12

joscic | 21.08.2019 11:09 Uhr

Mehr davon!

Architektur, die sich kreativ mit den Herausforderungen der heutigen Zeit auseinandersetzt.

11

Frank | 20.08.2019 22:09 Uhr

Kontroverse Diskussion

Allein die zahlreichen kontroversen Beiträge zu dieser Meldung zeigt, dass dieser Beitrag ein wichtiges Thema unserer Zeit anspricht.

Ich bin der Meinung, dass wir als Europäer die Platzverhältnisse in keine Relation setzen können da wir eine andere Lebensweise kennen und mit dieser sozialisiert sind. Ich weiß aus Erzählungen, dass in Tokio viele Single's über die hier genannten 15 qm glücklich wären und dies ohne die Gemeinschaftsflächen. Es entzieht sich meiner Kenntnis ob die Verhältnisse in Seoul ähnlich sind.

Wir sollten uns zuerst die Qualitäten dieses Beitrages vor Auge führen:

- die "Wohnungen" verfügen über das notwendigste um eine Privatheit zu gewährleisten (kleinere Speisen lassen sich zubereiten, die Körperhygiene kann in Intimität durchgeführt werden und es gibt Staumöglichkeiten)
- insbesondere die Wohneinheiten über mehrere Ebenen weisen verschiedene Aufenthaltsbereiche auf und bieten für die Größe erstaunliche räumliche Qualitäten
- die gemeinsam nutzbaren Bereiche weisen durch die räumlichen Zusammenhänge Aufenthaltsqualitäten auf, sind generell von hohem Niveau und laden daher dazu ein sie zu nutzen

Interessant wäre die Umsetzung eines solchen Vorhabens in unserem Kontext. Auch in unseren Großstädten kosten Mikroapartements schon Unsummen. Der stetig steigende Flächenverbrauch durch immer steigende qm pro Kopf sowie die soziale Diskussion über die Höhe des Mietzinses erfordern Lösungen die über die Reduzierung der Qualität der Bauweise oder die Mietpreisbremse bzw. staatlich geförderten Wohnungsbau hinaus gehen. Das hier gezeigte Beispiel zeigt Ansätze die bei Anwendung auf unseren Kontext ein Teil einer Lösung aktueller Probleme sein kann.

Hierzu erfordert es jedoch die entsprechenden Investoren die über den Tellerrand hinaus schauen und Architekten die diese Herausforderung mit Herzblut und Gefühl angehen. Ich wünsche mir mehr innovative Lösungen im Wohnungsbau in Europa und insbesondere in Deutschland.

10

a_C | 20.08.2019 19:13 Uhr

Leute...

Ich weiß es sind viele Bilder. Aber wenn man dann mal zu den Grundrissen vorgedrungen ist, dann erkennt man dank der ebenfalls abgebildeten Maßkette, dass die von mir angesprochenen Grundrisse keine 15 qm haben, inkl. Küchenbereich, Stauraum und Nasszelle! Dass hier teilweise über dem Bett gegessen wird oder im Fenster geschlafen wird.

Bei aller berechtigten Forderung nach neuen Wohnformen und reduziertem Platzbedarf in den Großstädten: Geht's noch!?

Eine Wohnung, in der ich keine Gäste einladen kann oder die mir das Eingehen einer Partnerschaft nahezu unmöglich macht, ist unbrauchbar. Das kann man Studenten oder eben Gefängnisinsaßen für eine begrenzte Zeit antun (wenn es denn sein muss), aber nicht ernsthaft als Radikallösung für die Wohnungsnot anbieten.

Ach ja, in Deutschland hat eine Gefängniszelle etwa 10 qm. Ohne Tisch über dem Bett oder Bett im Fenster...

9

Andrea | 20.08.2019 16:44 Uhr

gemeinsam?

Ein interresantes Projekt, jedoch scheinen Gemeinschaftsbereiche ein Architektentraum zu sein der nicht viel mit den Wünschen von tatsächlichen Bewohnern zu tun hat - mal abgesehen von Studentenwohnheimen. Ich habe in verschiedenen Kulturen gelebt (Ozeanien, Afrika und Europa), aber in keiner waren bisher "Gemeinschaftsräume " besonders beliebt - ausser es handelte sich um Kneipen usw wo ein Besitzer oder Personal verantwortlich ist. Aber allen voran mögen speziell die Deutschen und Österreicher meiner Erfahrung nach wenig Gemeinschaft und versuchen besonders ihren Nachbarn aus dem Weg zu gehen.

8

ChrisTina | 20.08.2019 13:20 Uhr

@AndreaP

Ich finde es schwer, dieses Projekt jetzt auf unsere Baukultur zu beziehen, denn es ist ja mehr Boardinghouse denn Wohnhaus. Vor allem bei Preisen ab 106280 für 16,5qm (plus natürlich die community spaces) schränkt sich der Kreis der potentiellen Bewohner doch eher auf internationales Businessnomadentum ein.

Was mal hilfreich wäre ist eine Abrüstung in der Diskussionskultur und irgendwann wieder in einer, zugegebenermassen "langweiligen", Mitte anzukommen.

Wir können nicht ständig zwischen Megaapartment und 20qm Wohnklo oszillieren.

7

mehmet | 20.08.2019 13:00 Uhr

tolles projekt

wer den beitrag von korea auf der architekturbienale noch in erinnerung hat... Städtebau auf basis der bauvorschriften zu 3d-körpern entwickelt und optimiert... tolles projekt, wohnform der zukunft.

natürlich nicht in Deutschland, wie auch, wäre ja viel zu gewagt. wir bauen lieber weiter zweitschliessfächer für internaionale millionarios auf basis von dubiosen Finanzströmen.

6

Andrea Palladio | 20.08.2019 11:05 Uhr

… nach langer Zeit

Hier mal wieder ein richtig starkes Projekt.
Und angesichts der üblichen kleinkarierten Reaktionen in den Kommentaren versteht man auch einmal mehr wieso die deutsche Baukultur so etwas nicht mehr hinbekommt. (Ist nicht billig genug, und sowieso viel zu wenig Holz dabei und Farben hat's auch nicht viele drin und deutsche Baunormen hält das Ding schon gar nicht ein)

5

Mainzer | 20.08.2019 09:58 Uhr

Zukunft Wohnen ...

... wird von den meisten Bauschaffenden in unserem Land leider noch immer nicht wirklich verstanden:

Im Vergleich zu den Metropolen anderer Länder stehen wir noch immer voll auf der (Innovations-)Bremse. Wir verlängern statt dessen z.B. die Laufzeit der Mietpreisbremse ... bitte schön weiter schlafen und nach dem aufwachen gemeinsam wundern!

4

indigo | 20.08.2019 09:52 Uhr

Organisation

Mich hätte noch interessiert, wie das Haus-Miteinander organisiert wird. Wie wird z.B. die Ordnung erhalten? Hat jeder einen eigenen Kühlschrank? Wer leert das Flusensieb in der Haustierdusch? Solche Sachen.

3

mr_architekt | 19.08.2019 22:07 Uhr

@a_C

Bitte mal die Perspektive wechseln! Wir müssen einfach mal erkennen, dass es nicht darum geht, immer größer und immer mehr zu wollen. Egal ob bei Autos oder eben beim Wohnen. Hier wird auf wenig Raum viel Wohnraum geschaffen. Und das durchaus mit Qualitäten, meiner Meinung nach.


Auch in deutschen Städten ist der Platz zum Wohnen und bauen beschränkt. Auch wir sollten ökonomischer im Umgang mit Flächen denken. Nur 90 m² Wohnungen zu bauen mit je einem Schlafzimmer ist auf Dauer keine Lösung.

Vielleicht ist das hier gezeigte Beispiel das gegenteilige Projekt zu unserem denken hier und evtl sogar etwas überzogen, aber solche Projekte braucht es, um uns vielleicht mal die Augen zu öffnen. Und die Gemeinschaft fördert es nebenbei auch noch!

2

ixamotto | 19.08.2019 19:49 Uhr

@a_C

Das ist Seoul und nicht die Uckermark, und die Grundrisse (v.a. nach Ansicht der Fotografien) mit Gefängnisszellen zu vergleichen ist vollkommen absurd.
Wenn etwas an ein Gefängnis erinnert, dann schon eher die Ausformulierung der inneren Halle mit Umgängen. Das finde ich eher misslungen.

1

a_C | 19.08.2019 18:41 Uhr

- - Legebatterie - -

Bis auf das oberste "Penthouse"-Geschoss erinnern die Grundrisse eher an Gefängnisszellen als an Wohnungen. So gelungen ich das Gebäude von seiner äußeren Form, Materialität und Grundidee auch halte, ist das einfach nur furchtbar beengt.

 
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Das junge Architekturbüro Bo-DAA hat ein Co-Living Projekt in Seoul fertiggestellt.

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Die Form eines Tannenbaums gibt dem Treehouse seinen Namen.

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Treffpunkt und Zentrum: das Atrium im Erdgeschoss.

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Die Wohneinheiten bieten je eigene Grundrisse und Raumkonfigurationen.

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