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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Chinesisches_Nationalmuseum_in_Peking_von_gmp_eroeffnet_1561963.html

31.03.2011

Kunst und Kritik

Chinesisches Nationalmuseum in Peking von gmp eröffnet


Morgen ist es so weit: Nach knapp vier Jahren Bauzeit wird das neue chinesische Nationalmuseum am Platz des Himmlischen Friedens feierlich eröffnet. Hier, wo seit 1959 in den drei Flügeln einer bemerkenswert lang gestreckten, sowjetisch-klassizistischen Anlage das „Chinesisch-historische Museum“ und das „Museum der Chinesischen Revolution“ residieren, ist nun durch Umbau und Erweiterung das „größte Museum der Welt“ entstanden. Sicherlich kein alltäglicher Auftrag, wie uns auch Meinhard von Gerkan im BauNetz-Interview zur Eröffnung bestätigt.

Dieses neue Museum einen Erweiterungsbau zu nennen ist insofern richtig, als von dem Altbau die drei Flügel und ihre prägende Fassade erhalten wurden; der kolossale Neubau verbirgt sich im Innenhof, nur seine gestufte Dachlandschaft schaut knapp hervor. Angesichts der gewaltigen Größenordnung erscheint der Begriff „Erweiterung“ dennoch unangebracht: Die Ausstellungsfläche wächst von 35.000 auf satte 191.900 Quadratmeter. Zum Vergleich: Der Louvre in Paris hat 60.000, die Tate Modern in London gerade einmal 34.500 und das Metropolitan Museum New York soll 130.000 Quadratmeter haben. Man fragt sich schon, wie viele Tage man wohl benötigen würde, wollte man alle 49 Ausstellungshallen mit den über eine Million Exponaten zur chinesischen Geschichte besichtigen. Wäre ein Menschenleben genug?

Alt- und Neubau halten einen fast respektvollen Abstand zueinander, dazwischen liegen traditionell anmutende chinesische Gärten. Mit den hohen Pfeilern und den betonten Vertikalen scheint der Neubau nach einer modernen Antwort auf den Klassizismus des Altbaus zu suchen. Dessen schwere Geschlossenheit wird allerdings mit vielen Öffnungen aufgelöst. In den Ausstellungen sind so immer wieder Blickverbindungen zum Altbau und hinaus zur Stadt gegeben, fast so, als wolle man beides zum Ausstellungsobjekt machen. Die riesigen Raumdimensionen gleichen gmp durch eine relativ feinteilige Gliederung aus, etwa durch Wandsockel aus Kirschholz oder die dicken Kassettendecken. Als Material dominiert ansonsten der helle chinesische Granitstein.

Wie Meinhard von Gerkan in unserem Interview betont, war es den Bauherren wichtig, in dem Gebäude deutliche Bezüge zu traditionellen chinesischen Bauten vorkommen zu lassen: So greifen das sichtbare Gebälk unter dem Dach, die gestaffelte Dachtypologie, die großen, perforierten Bronzetüren und -tafeln in der Fassade oder die Gestaltung der Geländer im Inneren historische Vorbilder auf, insbesondere analog zur Verbotenen Stadt und zur gegenüber liegenden Goßen Halle des Volkes.

Wichtigster Raum ist das sogenannte „Forum“, eine zentrale Eingangshalle von 260 Metern Länge, 34 Metern Breite und 27 Metern Höhe. Sie soll einen halböffentlichen Bereich bieten und einen direkten Bezug zum Platz des Himmlischen Friedens herstellen. Immerhin soll ein Drittel der Ausstellungsflächen kostenlos zugänglich sein – das Museum könnte also wirklich ein lebendiges, öffentliches Zentrum am Platz werden.

Die Frage nach der moralischen Verantwortung eines solchen Gebäudes wird eventuell morgen beantwortet, wenn zur Eröffnungszeremonie auch Bundespräsident Christian Wulff und Bundesaußenminister Guido Westerwelle anreisen – nicht so sehr, weil der Entwurf von einem deutschen Büro stammt, sondern weil zur Eröffnung die Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ gezeigt wird, für welche die Staatlichen Museen in Berlin, Dresden und München über 500 Exponate zur Verfügung gestellt haben. Werke von Goya, Piranesi, Friedrich, Gainsborough und Füssli sollen „die Epoche der Aufklärung in Europa in ihrer ganzen Breite zeigen“, die Kosten von etwa zehn Millionen Euro zahlt der deutsche Staat. Auf die Frage nach Zensur und Menschenrechten in China antwortete übrigens Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, es sei nicht die Aufgabe der Kunstmuseen, auf politische Situationen einzugehen.


Zum Thema:

„Bei keinem anderen Projekt sind uns die Grenzen so deutlich gemacht worden.“ BauNetz-Interview mit Meinhard von Gerkan zum Chinesischen Nationalmuseum.


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Zu den Baunetz Architekten:

gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner


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