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10.08.2015

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Paul Schneider-Esleben. Architekt

Bücher im BauNetz


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Von Dina Dorothea Dönch

Die Hanielgarage und das Mannesmann-Hochhaus sind keine Neubauten. Margret Hoppe porträtiert eine Architektur, deren Erscheinung durch sichtbare Aneignungsprozesse geprägt ist. Ihre Fotografien zeigen, wie sich die Gebäude im Alltag bewähren ohne ihren Charakter zu verlieren. Paul Schneider-Esleben schuf mit ihnen in den 1950er Jahren innovative Architekturimpulse für den Wiederaufbau. Einen Einblick in seinen umfangreichen Nachlass gibt derzeit das Architekturmuseum der TU München in der Retrospektive zum 100. Geburtstag.

„Paul Schneider-Esleben, der von der Nachkriegszeit bis in die Siebzigerjahre zu den prominentesten Architekten in der Bundesrepublik Deutschland zählte, ist gegenwärtig nahezu vollständig in Vergessenheit geraten“, schreibt Andres Lepik in seiner Einleitung im Buch zur Ausstellung. Es gebe noch wenig Forschung oder überhaupt Reflexion über die Persönlichkeiten dieser Zeitepoche und ihr architektonisches Werk. Deshalb stellt das Buch nicht nur wichtige Projekte des Architekten vor, sondern bietet in zwölf Essays auch Anknüpfungspunkte für weitere Auseinandersetzung mit Schneider-Esleben und seiner Zeit.

Die Texte verschiedener Autoren behandeln Fragen, die sich allgemein in Bezug auf die Nachkriegsmoderne stellen. Unter „Avantgarde oder Schwarmintelligenz?“ erörtert Adrian von Buttlar, warum das „polarisierend-wertende Korsett von Avantgarde und Epigonentum“ durch neue „Akteur-Netzwerk-Theorien“ ersetzt werden sollte, wenn man die Werke der Nachkriegszeit künstlerisch bewerten will. Er sieht Schneider-Esleben als Architekten, der den architektonischen Zeitgeist besonders klar und konsequent umsetzte und somit Neues schuf. Dabei kann man sein Werk keinem einheitlichen „Stil“ zuschreiben.

Die Politik ist eines der wichtigsten Themen in der Beschäftigung mit der Nachkriegsarchitektur. Das Erbe der Nazizeit liegt wie ein Schatten über der Neuordnung – auch da, wo man sich durch eine „Architektur der demokratischen Offenheit“ abgrenzen wollte. Im Aufbauprozess des neuen Staates spielen alte und neue Beziehungen unter Umständen die entscheidende Rolle für Erfolg oder Misserfolg einer Architekturidee oder Architektenpersönlichkeit. Der zeitliche Abstand hilft nun Licht ins Dunkel zu bringen. Paul Andreas erörtert, über welche Kontakte Schneider-Esleben eine große Bandbreite an Aufträgen akquirieren konnte, von der Jagdhütte in Bad Münstereifel (1951–53) bis zum Großprojekt des Flughafens Köln-Bonn (1962–71).

Paul Schneider-Esleben selbst hat nie viel über sein Werk geschrieben. Auch das war üblich unter den Architekten dieser Zeit. In der Kunstszene hingegen war eine „objektivistische Position“ hingegen durchaus üblich, wie Jürgen Wiener erklärt. Die Künstlergruppe ZERO konnte in Zusammenarbeit mit Schneider-Esleben „theatrale Lichtkonzepte“ realisieren und die neue Architektur zu „mehr als purem Funktionalismus“ machen.

Das Buch zur gleichnamigen Ausstellung „Paul Schneider-Esleben. Architekt“ wird abgerundet durch die Porträts der vielseitigen Projekte. Unterschiedliche Planungs-, Bau- und teilweise auch Abrissgeschichten sind mit historischen Aufnahmen und originalen Skizzen und Zeichnungen illustriert. Aktuelle Fotografien begegnen dem Leser als Impressionen im Buch verteilt. So entsteht eine durchaus kurzweilige, inhaltsreiche Lektüre, die gleichzeitig aufzeigt, wie weit das Feld der Nachkriegsmoderne auch jenseits von Paul Schneider-Esleben ist.

Paul Schneider-Esleben. Architekt
Hrsg. von Andres Lepik und Regine Heß
Hatje Cantz, 2015
Halbleinen, 208 Seiten
35 Euro

www.hatjecantz.de


Zum Thema:

Die Ausstellung „Paul Schneider-Esleben. Architekt“ ist noch bis zum 18. Oktober 2015 im Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne zu sehen.

www.architekturmuseum.de


Kommentare

2

Rainer Unsinn | 11.08.2015 14:07 Uhr

Epik

ist doch großartig. Viel mehr kann kein Mensch von seinem Dasein erwarten

Glückwunsch!

1

Andres Lepik | 10.08.2015 17:36 Uhr

PSE

Vielen Dank für die schöne Besprechung, könnten Sie bitte den Rechtschreibfehler am Ende noch korrigieren bei den Herausgebern haben Sie meinen Namen "Epik" geschrieben,

Beste Grüße

Andres Lepik

 
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