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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Bruno_F._Kellner_ueber_die_geplante_Rekonstruktion_des_Bauhaus-Standorts_in_Berlin-Lankwitz_6448820.html

01.04.2019

Mutiger Mies

Bruno F. Kellner über die geplante Rekonstruktion des Bauhaus-Standorts in Berlin-Lankwitz


Mitten im Bauhaus-Jubiläumsjahr klingt es völlig logisch, und doch gelang der Initiative „Bauhaus Lankwitz 33/22“ auf der Pressekonferenz heute Vormittag in Berlin eine veritable Überraschung: Der letzte Standort des Bauhauses in Berlin-Lankwitz soll rekonstruiert werden. Von Oktober 1932 bis Juni 1933 befand sich hier, in einer ehemaligen Telefonfabrik, die Wirkstätte der Kunstschule, kurz bevor die Nationalsozialisten das Bauhaus endgültig zum Aufgeben zwangen. BauNetz sprach mit dem Vorsitzenden der Initiative, dem Berliner Architekten Bruno F. Kellner, über das Projekt.

Herr Kellner, die Birkbuschstraße 49 verkörpert einen historischen Ort. Aber warum ist es aus Ihrer Sicht notwendig, das Haus zu rekonstruieren, in dem Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus letztlich erfolglos als private Kunstschule zu retten versucht hat?
Sie stellen meines Erachtens die Frage schon nicht ganz richtig, indem Sie darauf abheben, dass Mies „erfolglos“ und es nur eine „private“ Schule gewesen sei. Für uns steht der mutige und geradezu heldenhafte Einsatz der Lehrenden und der Studierenden im Vordergrund, die trotz aller Repressalien in Dessau versucht haben, die Ideen des Bauhauses weiter zu leben. Der abseitige Standort in einer unscheinbaren Halle spielt dabei eine entscheidende Rolle. Er war keine rein pragmatische Lösung, sondern muss als Strategie des Abtauchens begriffen werden. Rekonstruktion ist für uns der logische Schritt, das historische Phänomen nachvollziehbar zu machen.

Kommendes Wochenende eröffnet das neue Bauhaus-Museum Weimar, in sechs Monaten wird der Neubau in Dessau fertig sein. Sie haben heute angekündigt, ein Crowdfunding für die Rekonstruktion starten zu wollen. Sind Sie nicht etwas spät dran?
Ende 2019 ist ja nicht Schluss mit dem Bauhaus. Der Name unserer Initiative ist für uns Programm: 1933 wurde die Schule geschlossen, 2022 wollen wir das rekonstruierte Haus eröffnen – parallel zum Neubau des Bauhaus-Archivs von Volker Staab. Wir sind zuversichtlich, dass uns das gelingt. Immerhin geht es „nur“ um die Rekonstruktion einer zweigeschossigen Industriehalle. Außerdem wollen wir das jetzige Interesse am Bauhaus nutzen, um als Bürgerinitiative einem völlig unterbelichteten Kapitel der Bauhaus-Geschichte die notwendige Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Inwiefern soll es eine detailgetreue Rekonstruktion werden, oder können Sie sich auch eine Interpretation des Ortes im Sinne der kritischen Rekonstruktion vorstellen?
Wir sehen die detailgetreue Rekonstruktion als Werkzeug intellektueller Wiederaneignung des verlorenen Ortes. Über die Auseinandersetzung mit der baulichen Form wollen wir diesen entscheidenden weißen Fleck der Bauhaus-Historiographie neu vermessen, um einen Raum abzustecken, dessen Bespielung dann ergebnisoffen ausgehandelt werden kann. Wir richten gerade einen wissenschaftlichen Beirat ein. Der ehemalige Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau Philipp Oswalt hat bereits zugesagt, uns zu unterstützen. In seiner Stellungnahme zu unserem Konzept schreibt er: „Der Wiederaufbau eines architektonisch nicht weiter spektakulären Hauses zeigt, dass wir langsam in der Lage sind, Rekonstruktion anders denken zu können, weniger vom baulichen Ergebnis her, sondern als Prozess, der auf eine kritische Annäherung an historische Phänomene zielt.“

Was soll die Rekonstruktion kosten?
Wir rechnen momentan mit 600.000 Euro. Das Bauhaus und die Moderne wecken gerade vor allem auch international unglaubliches Interesse. Wir sind sehr zuversichtlich, dass die Finanzierung zu schaffen ist.
 
Und was soll in dem Haus passieren?
Wir sind mit verschiedenen interessierten Kulturinstitutionen im Gespräch und planen, einen offenen Programmwettbewerb auszuloben, ähnlich wie bei der Bauakademie. Wir halten das für einen demokratischen und offenen Ansatz, die besten Ideen zu finden.

Die Fragen stellte Gregor Harbusch.

[Anmerkung der Redaktion: April April!]


Zum Thema:

Aktuelle Informationen zum Projekt und Infos zum Crowdfunding finden sich auf der Webseite von Bauhaus Lankwitz 33/22.


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Bruno F. Kellner und die Initiative Bauhaus Berlin 33/22 möchten den letzten Standort der weltberühmten Kunstschule in Berlin-Lankwitz rekonstruieren.

Bruno F. Kellner und die Initiative Bauhaus Berlin 33/22 möchten den letzten Standort der weltberühmten Kunstschule in Berlin-Lankwitz rekonstruieren.

Momentan erinnert nur eine Gedenktafel an den historischen Ort im Süden Berlins.

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