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https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Bruecke_fuer_Radfahrer_und_Fussgaenger_in_Kopenhagen_von_Wilkinson_Eyre_6978574.html

09.09.2019

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Smarte kleine Schwester

Brücke für Radfahrer und Fußgänger in Kopenhagen von Wilkinson Eyre


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Kopenhagen untermauert seinen Ruf als Fahrradhauptstadt mit immer neuen Infrastrukturprojekten. Während man sich als radfahrender Verkehrsteilnehmer in deutschen Städten aktuell noch mit den Konsequenzen einer oft kompromisslosen Verkehrsplanung für das Automobil herumschlagen muss, wurde in der dänischen Hauptstadt kürzlich ein weiteres Leuchtturmprojekt für den Radverkehr eröffnet. Neben der von Dissing + Weitling entworfenen Cykelslangen, die den Stadteil Havneholme mit keckem Schwung durchkurvt, hat sich die Stadt eine weitere Verbindung nach Amager geleistet. Die endet direkt beim von OMA entworfenen BLOX, das unter anderem auch das Dänische Architekturzentrum beinhaltet.

Die elegant geschwungene Stahlbrücke unterteilt sich in einen vier Meter breiten Abschnitt mit zwei Radfahrspuren und einen drei Meter breiten Fußgängerbereich. Die 160 Meter lange Brücke ist als zur Mitte hin ansteigender Bogen ausgeführt, um die geforderten Mindestabstände für die Unterquerung per Schiff einzuhalten. Von ihren fünf Segmenten wurden außerdem zwei drehbar ausgeführt, um auch größeren Schiffen die Passage zu ermöglichen. Der Entwurf von Wilkinson Eyre reflektiert mit seinem weißen Lack die Lichtstimmung über dem Wasser und soll auch die widrigen Wetterbedingungen Skandinaviens gut aushalten können. In Auftrag gegeben wurde der Bau von der unternehmensartigen Stiftung Realdania, die auch hinter dem BLOX steht.

Geradzu nahtlos verbindet die Lille Langebro die beiden Straßen Vester Voldgade und Langebrogade. Im Plan scheint es fast, als sei die Brücke in der Verkehrswegeplanung Kopenhagens schon immer vorgesehen gewesen und man habe nur auf den richtigen Zeitpunkt gewartet, bis die technische Entwicklung eine solche Konstruktion erlaubte. Die Brücke ist in diesem Sinne tatsächlich ein Meilenstein der Ingenieurskunst, so Simon Fryer, technischer Direktor des ausführenden Ingenieurbüros Buro Happold: „Die strukturelle Tiefe der Brückenstruktur wurde durch ein neuartiges Entwurfskonzept aufs absolute Minimum reduziert. Dadurch haben die Nutzer auf dem Rad oder per pedes ungestörte Aussichten auf das Hafengebiet.“

Die Lille Langebro verläuft parallel zu ihrer großen Schwester, der Langebro, die eine Hauptverbindung für den Kraftfahrzeugverkehr auf die Insel Amager darstellt. Auch sie kann in der Mitte geöffnet werden. Wenn die beiden Brücken zur Schiffspassage aufklappen, setzt sich mitten im Stadtzenrum ein Ballet Mécanique von wahrhaft theatralen Ausmaßen in Bewegung. Das sendet die  unmissverständliche Botschaft, dass eine nachhaltige Verkehrsplanung nicht nur Freude stiftet, sondern auch eine ohnehin schon attraktive Umgebung noch populärer machen kann. (tl)

Fotos: Rasmus Hjortshøj / COAST


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Kommentare

6

STPH | 10.09.2019 13:05 Uhr

...

schön die Aktivierung der beiden lebendigen seitlichen Begrenzungsschlangen, gerne auch unterschiedlich und einseitig von der Uferlinie kommend.
Aktivierung des genius loci Grenzlinie als Verbindung zwischen zwei Elementen.
ebenso die Brücke als Verbindung zweier Ufer.
wozu Geländer wenn der Kai doch auch keine hat?

5

städter | 10.09.2019 11:09 Uhr

fußgänger und fahrrad

während berlin teststrecken für den fahrradverkehr baut und überlegt wie man möglich viele verkehrswege kreuzt, zeigen städte wie kopenhagen und stockholm wie man autounabhängigen verkehr plant.

tolles projekt!

4

Nicole | 10.09.2019 10:40 Uhr

sehr schön!

Ich bin begeistert.
Ein wirkliches Ingenieurkunstwerk.
Die nächste Exkursion geht nach Kopenhagen.

3

peter | 10.09.2019 09:59 Uhr

wieso neid?

wilkinson eyre haben eine ähnliche brücke schon vor jahren im hamburger baakenhafen realisiert.

2

ol_wei | 10.09.2019 08:31 Uhr

ein weiteres beispiel...

...wie man eine stadt für die zukunft rüstet.

wir hingegen dümpeln in einer derartigen architektonischen belanglosigkeit herum, dass man sich als architekt echt schämen muss. wir schaffen es sogar, den bauhausgedanken totzureiten. mal was neues wagen? mitnichten! ein kopenhagen-besuch sollte zur pflichtveranstaltung für alle architekten, stadtplaner und politiker werden.

1

peter cachola schmal | 09.09.2019 16:04 Uhr

neid neid neid

sie machen es vor und führen uns vor - die dänen. mit dem architekturbegeisterten fonds von realdania haben sie einen potenten förderer, der quasi alle innovativen architekturprojekte dänemarks in den letzten jahren mitfinanziert hat.
wir sollten diesem vorbild nacheifern.

lob lob lob

 
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Die Lille Langebro mit ihrem großen Bruder im Hintergrund.

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Prominente Lage gleich beim BLOX.

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Spektakel in bester Lage: Das Öffnen der Brückensegmente zur Schiffspassage.

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Die neue Brücke fügt sich nahtlos in das existierende Straßennetz ein.

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