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14.06.2013

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Gottes neuer Spielplatz

Bolles Wilson in Münster: Kirche zu Kita


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Die Außenaufnahmen führen auf eine falsche Fährte. Was von weitem wie ein neues Meisterwerk der analogen Architektur oder ein vergessener Bau von Peter Zumthor wirkt, das entpuppt sich beim näheren Hinsehen als brutalistischer Kirchenbau von 1962, der damals von dem lokalen Architekten Heinz Esser für die Münsteraner Gemeinde St. Sebastian entworfen wurde. Vollkommen neu ist dagegen das Innenleben, konnte doch das Gebäude, das nicht unter Denkmalschutz steht, von Bolles + Wilson durch den Umbau zur Kita vor dem Abriss gerettet werden.

Mit dem nun schon seit langem andauernden Gemeindesterben hat sich inzwischen eine fast schon typische Herangehensweise an die Bauaufgabe Kirchenkonversion entwickelt. Schon 1968 wurden in der Berliner Marthakirche von den Architekten Werner Harting und Gerhard Strauchmann neue Gemeinderäume dadurch geschaffen, dass sie diese einfach ins Kirchenschiff stellten, indem sie dessen Nullebene um ein Stockwerk anhoben. Und Arno Brandlhuber und June 14  versuchen sich beim geplanten Umbau der Kreuzberger St. Agnes-Kirche in eine Galerie an einer ähnlichen Strategie.

Bolles und Wilson folgen diesem Ansatz, sie packen aber das Raumprogramm der Kita in anderthalb Stockwerke, so dass eine Topografie entsteht, die sehr gut zur neuen Nutzung des Kirchenschiffs als Spielplatz passt. Gleichzeitig haben die Architekten aber auch die Grundidee so einfach wie genial weiter entwickelt. Anstatt der Kita enorme Heizkosten aufzubürden, wurde das Kirchenschiff in einen geschützten Außenraum verwandelt, der durch die bestehenden quadratischen Öffnungen natürlich belüftet und durch neue Dachkuppeln belichtet wird. So ist die Kita ein Prototyp dafür, wie sich angesichts der heutigen ökologischen Herausforderungen auch ohne aufwändige Technik nur mittels verschiedener Klimazonen Architektur effizienter gestalten lässt.

Demnächst kann die Kita im Rahmen des bundesweit stattfindenden Tags der Architektur besichtigt werden.

Termin: Sonntag 30. Juni 2013, 13-17 Uhr
Ort: Scheibenstraße 36, 48153 Münster


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Kommentare

11

Andrea Palladio | 18.06.2013 14:50 Uhr

Kindsgerechtes Bauen

Mich wundert es immer wieder, wie Geschmacksverfehlungen mit angeblicher Kindsgerechtigkeit begründet werden. Die erste Frage müsste doch stets lauten: was ist kindgerecht? Wer definiert dies? In diesem Falle wohl einige gestandene Planer, studiert, und schon längst dem Kindesalter entwachsen. Meist findet man in der angeblichen Kindsgerechtigkeit "fröhliche" Farben und "lustige" Entwurfseinfälle. Beides sind keine Kriterien für Architektur. Das Material ist unschuldig. Krischanitz hat bewiesen, dass auch ein "schwarzer" Kindergarten durchaus von den Kleinsten geliebt werden kann. Und Spässe sollte man besser beim Karneval machen. Im gebauten Raum nutzen sie sich leider gar zu schnell ab. (Man hüte sich an dieser Stelle, den italienischen Manierismus mit Bolles/Wilson zu vergleichen!) Akustikplatten in Elefantenform gehören daher in den privaten Keller, keinesfalls aber in eine professionelle Auseinandersetzung.

10

Ortskundiger Beobachter | 17.06.2013 19:34 Uhr

Mal genau hinsehen...

Zugegeben, die Architektur der Anbauten scheint irgendwie ein wenig aus der Mode zu sein - und insofern leistet der Umbau sehr viel, was Fotos auf dem Monitor nicht zeigen können. Das ist ein Haus, welches auf den Fotos leider sehr viel schlechter wegkommt, als es ist.

Ich hatte das Vergnügen, das Ganze im Betrieb zu beschauen und kann nur sagen: Chapeau - Wer etwas baut, in dem Kinder bei jedem Wetter so lange rutschen, bis Sie schlichtweg nicht mehr können, der hat wohl eine KiTa entworfen, die ganz passabel funktioniert.

Dem "jungen Menschen" sei noch einmal die eingehende Betrachtung der Bilder ans Herz gelegt - nicht nur der dreieckige Einschnitt war bereits Bestand (siehe das vielgelobte "Bild 11").

Und auch die "seltsamen" Akustikplatten sind ein wenig mehr: Schlange, Krokodil und Elefant, wenn man hinschaut.

Hier geht es eben nicht nur um "kraftvolle Räume" und schöne Fotos. Hier geht es um Kinder. :-)





9

toeffer | 17.06.2013 15:31 Uhr

ignoranz

die kommentare sind doch immer wieder erschreckend. von keinerlei sachkenntnis oder praktischer erfahrung getrübt, aber hauptsache auch was gesagt.
ich wünsche mir hier einen ort für sachliche auseinandersetzung und nicht nur für ideologische rundumschläge.

einen stadtbildprägenden baukörper zu erhalten kann durchaus eine motivation sein. wenn er als kirche nicht mehr genutzt wird, muss eine andere nutzung gefunden werden, und veränderungen sind unvermeidbar. von den großen und kleinen leuten, die das gebäude gesehen haben, habe ich jedenfalls fast nur begeisterung gehört, und meine eigenen kinder wollten sofort die kita wechseln...

8

Bernd das Brot | 17.06.2013 11:38 Uhr

schade...

... um die notwendig gewordene Nutzungsänderung. Bild 11 ist doch sehr schön.
Das ungelenke Baumarktdach passt irgendwie gar nicht zu dem Raum. Die geraden Unterkannten, die Auskreuzungen - auf den Schwung der Mauerkrone wird kein Bezug genommen.

Als Student würde einem so ein unsensibler Entwurf um die Ohren gehauen. Der introvertierte Raum zum Toben wirkt sehr japanisch künstlich, turnhallenartig. Das beliebte Wellnessgrün versuchts lieblich zu machen. Wenigstens gibt es in den Gruppenräumen mehr Außenbezug.

7

Andrea Palladio | 17.06.2013 11:37 Uhr

Umbau …

Vergleicht man die Photographien vom Zustand vor dem Umbau und dem Zustand heute macht sich Entsetzen breit. Fast schön könnte man meinen, die Architekten wollten mutwillig jede Qualität des Bestandes aufs Maximale zerstören. Die stille Ruhe, welche die Kirche ausstrahlte ist einem marktschreierischem Mix unterschiedlichster Materialien gewichen, die allesamt wenig hochwertig erscheinen. Da muss man schon gar nicht vom Grün des Bodens angewidert sein, es genügt schon die Dauerhaftigkeit von bakelisierten Platten im Aussenbereich anzuzweifeln. Der Abschuss ist sicherlich der Innenraum. Warum versucht man den grossartigen Rhythmus der quadratischen Fenster mit seltsamen Mustern aus Akustikplatten zu konkurrenzieren? Bild 12 zeigt die Kraft, welche in diesem Raum liegen könnte.

Hier wäre eindeutig ein Abriss und kompletter Neubau die bessere Option gewesen.

6

ellen kaida | 17.06.2013 10:16 Uhr

umständliche zwangsumnutzung

... also ich finde den umbau hilflos

die gegeben eliptische form kollidierte mächtig mit dem neu eingebauten grundriss - wenn schon der begriff "topographie" verwendet wird dann dieses doch bitte etwas konsequenter im konzept durcharbeiten...

und die zkizze ist ein wimmelbild - von kunst weit entfernt.

es ist insgesammt natürlich gut gebäude um/weiter zu nutzen ...
aber manchmal ist ein abriss auch eine gute lösung...

5

ein junger Mensch | 15.06.2013 14:51 Uhr

Vergewaltigung eines Gotteshauses ?...

... hätte die Überschrift ebenso heißen können. Der vorher würdevolle, besondere Raum wird speziell im EG (siehe Fotos und Grundriss) komplett ignoriert - ebenso der hohe dreieckige Einschnitt des Bestandes, die unsensible Annäherung des Neubaus an die bestehende Wand und die angesetzte Erschließung des OG.
Der Raum und die Kraft des Bestandes sind nicht nur ungenutzt geblieben, sondern auch zerstört. Dieser Entwurf hätte in jede Halle besser gepasst, als in den ungewöhnlichen Kirchenbau - ganz und gar nicht "bravourös". Aber es war ja kein Denkmal, da ist das baukulturelle Erbe ja egal ...

4

freund der sechsziger | 14.06.2013 22:18 Uhr

die schöne kirche

vielleicht besser als abriss, aber es tut einem trotzdem in der seele weh...

3

Daoud Breshna | 14.06.2013 19:19 Uhr

Kunst

Allein die Skizze (Bildgalerie) ist ja schon Kunst!

2

Martin | 14.06.2013 19:06 Uhr

Aua, aua

...das tut weh. Die An- und Ergänzungsbauten sind von einer architektonischen Hilflosigkeit, das es einem die Schuhe auszieht. Da macht die NOT-Treppe ihrem Namen alle Ehre...

1

Oli | 14.06.2013 15:56 Uhr

zeitreise

hier wurde die zeit bravourös vorwärts gedreht: von kirche zu kita.
ich möchte die zeit jetzt temporär zurückdrehen, nur für mich: von architekt zu kitakind.

 
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