RSS NEWSLETTER

https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Bibliothek_neben_Dessauer_Bauhaus_eingeweiht_2507679.html

29.03.2012

Weiterbauen im Welterbe

Bibliothek neben Dessauer Bauhaus eingeweiht


Als im März 1990 eine Gruppe Braunschweiger Architekturstudenten das Bauhaus in Dessau besuchte, war die direkt benachbarte Kaufhalle noch in Betrieb: Unten im Konsum fanden die ersten Dosen West-Bier ihren Weg in die Regale, und im Café im Obergeschoss gab es abends Disco: strenge Einlasskontrolle, und Ober, die in schwarzer Weste Kohlrouladen am Platz servierten. Beide Institutionen sind eingegangen, was blieb, ist ein Bau der Ostmoderne, der sich mit dem Bauhausgebäude von Gropius auseinandergesetzt hat.

Errichtet wurde das „Café am Bauhaus“ 1961/62 durch den Architekten Hermann Rey – wie es heißt, mit Zustimmung durch Gropius –, und bereits 1969 wurde es um einen eingeschossigen Anbau zur heutigen Gropiusallee hin erweitert, was den Blick auf den berühmten Bauhaus-Schriftzug am Südgiebel des Bauhaus-Gebäudes einschränkte.

Nach längerem Leerstand wurde beschlossen, das Gebäude als Bibliothek für die Hochschule Anhalt Dessau herzurichten. Die Pläne dafür stammen von dem Berliner Architekten Reiner Becker (siehe auch BauNetz-Meldung zum Baubeginn vom 28. 2. 2009). Die Eröffnung der Bibliothek wird morgen gefeiert.

Das Gebäude selbst steht nicht unter Denkmalschutz, befindet sich aber aufgrund der Wechselwirkung zu dem Weltkulturerbe im Fokus der Öffentlichkeit sowie der Stadtplanung und Denkmalpflege. Grundlage des Entwurfs ist der Rückbau späterer Erweiterungen und eine Hinführung auf den ursprünglichen Zustand sowie eine eingeschossige Erweiterung an der straßenabgewandten Seite. Neben der Hochschulbibliothek ist – im Obergeschoss – auch die  die Bibliothek der Stiftung Bauhaus Dessau untergebracht, die sich als Präsenzbibliothek durch einen großen Regalbedarf auszeichnet.

Der Architekt erläutert: „Die Erscheinung der Baukörper wird geprägt durch die typische Formensprache des Cafégebäudes und der sehr zurückhaltenden Gestaltung des nördlichen, eingeschossigen Volumens des Freihandmagazines. Die Gestaltung ist bewusst reduziert, um nicht mit den umliegenden Baukörpern zu konkurrieren.

Das Bauhaus ist eine Ikone der Moderne, das Café am Bauhaus entspricht mit Pultdach, geneigtem vertikalem Abschluss der Giebelwände und seiner expressiven Farbgestaltung der Architektursprache der 60er Jahre. In diesem Umfeld wird das Bauen im Bestand derart interpretiert, dass die aktuellen Eingriffe neben einer Einordnung in das Umfeld auch eine zeitgenössische Formensprache aufweisen, um die Verwendung unterschiedlicher Architekturstile weiterzuführen. In diesem Sinne wird Bauen im Bestand als ein Weiterbauen im Zusammenspiel mit der vorhandenen Substanz aufgefasst.

Gemeinsam mit dem glatt geputzten Sockel in heller Tönung und dem opaken, grünlich erscheinenden Glas des oberen Abschlusses ohne Rhythmisierung unterstreicht die gerundete Ecke die nüchterne, elegante Erscheinung des Baukörpers. Es ist eines der wenigen Details in der Gestaltung des Baukörpers und entspricht mit seiner Kantenausbildung dem städtebaulichen Ansatz, den Blick auf den Südgiebel des Bauhauses freizugeben.“


Auf Karte zeigen:
Google Maps


Kommentare:
Kommentare (3) lesen / Meldung kommentieren


Alle Meldungen

<

30.03.2012

Ein Haus von...

Vorträge in Basel

29.03.2012

Treibholz auf Texel

Museum von Mecanoo eingeweiht

>
BauNetzwoche
Kunsthalle Bielefeld
BauNetz Wissen
Urbaner Guckkasten
Baunetz Architekten
FLOSUNDK
BauNetz Wissen
Gestapelter Glaspalast
Campus Masters
Jetzt bewerben