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13.08.2019

Gläserner Schrein

Bata-Denkmal in Zlín durch Transat architekti saniert


Ab dem Ersten Weltkrieg wuchs im tschechischen Mähren eine mittelalterliche Siedlung zur industriellen Musterstadt und architektonischen Pilgerstätte heran. Triebmotor der Entwicklung: die rasante Expansion der 1894 dort gegründeten Schuhmanufaktur Bata. Das Ziel: das nach amerikanischem Vorbild auf Fließbandarbeit umgestellte Familienunternehmen zum Imperium aufzubauen. Wohnen, Freizeit, Bildung, Gesundheit und Fabrikarbeit, funktional klar getrennt und aus einer Hand – Zlín gilt als europäisches Musterbeispiel einer Planstadt im Sinne der Charta von Athen, Funktionalismus-Altvater Le Corbusier schwärmte von der Bat’a-Stadt als strahlendem Phänomen.

Mastermind hinter der fordistisch motivierten Siedlungsplanung war Fimengründer Tomáš Bata, der Zlín ab 1923 auch als Bürgermeister vorstand. Ein Gedenkgebäude, im Jahr nach seinem Unfalltod 1932 eröffnet, markierte die Spitze des Kultes um den zum Wohltäter stilisierten Werks-Stadtvater. Von einem Hügel am Fluchtpunkt der zentralen städtebaulichen Achse aus überblickt der reduzierte Glasbau das Stadtzentrum mit den Fabrikriegeln und die anschließenden Wohnsiedlungen mit den sich scheinbar endlos reproduzierenden Würfelhäusern.

Die Umnutzung des Gedenkortes zum Kunsthaus und Konzertgebäude überformte in den 1950er Jahren die geradlinige bauliche Handschrift von Bata-Hausarchitekt František Lýdie Gahura – ebenso verblasste auch der Name Tomáš Bata langsam im kollektiven Gedächtnis. Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems erinnert sich die Stadt Zlín jedoch wieder an die Qualität ihres Moderne-Erbes und investiert in internationale Wanderausstellungen, Publikationen und umfassende Renovierungsmaßnahmen. Die Sanierung des Ehrenmals dauerte inklusive Vorbereitungszeit 18 Jahre, ihre Durchführung ab 2012 übernahmen Transat architekti aus Brünn.

Petr Všetečka
und Team ging es dabei um die möglichst detailgetreue Wiederherstellung des Originalzustandes. Alle nachträglichen Einbauten wurden aus dem Gebäude entfernt und Technik- und Sanitäranlagen in – besser gedämmte – Zusatzgebäude verlegt. So bleibt am Ende übrig, was schon Gahura für den Gedenkort beabsichtigte: Ein Schreingebäude, das die für Zlín typische Stahlskelettbauweise in eine sakral anmutende Glasarchitektur verwandelt. Durch neues Kathedralglas strahlt Tageslicht diffus in den Innenraum, in dem das in den Industriebauten der Stadt vorherrschende Modulraster von 6,15 auf 6,15 Metern aufgegriffen wurde, um den fließendenen, offenen Raum als dreischiffige Säulenhalle mit verschiedener Deckenhöhe zu definieren.

Für temporäre Events ist das Haus nur bedingt nutzbar, dafür sorgt die Architektur – und die Leere in ihr. Licht, Farbe und Raum sollen langfristig unverstellt erfahrbar bleiben, heute ebenso wie damals. Als einziges Exponat berherrscht ein Flugzeugmodell den Raum: Die Junker F 13, in der Bata 1932 tödlich verunglückte, wurde parallel zur Sanierung des Gedenkortes bereits zum zweiten Mal nachgebildet. (kms)

Fotos: BoysPlayNice


Zum Thema:

Mehr über Zlín in der Baunetzwoche#158 – (Alb)Traum der Moderne


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