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10.08.2022

Buchtipp: Ausgehen von dem, was ist

Band 1 der Trilogie non nobis von Werner Sobek


Streifen, Punkte, laute Farben: Die auffällige grafische Gestaltung des ersten Bandes der Trilogie non nobis - über das Bauen in der Zukunft. Band 1: Ausgehen muss man von dem, was ist verrät auf den ersten Blick nicht, dass es sich hier um eine zahlenlastige Zusammenstellung und „weltweite Bestandsaufnahme“ rund um das Bauwesen handelt. Grafisch haben die Gestalter*innen um Autor Werner Sobek das Buch an amerikanische Comics der 1950er Jahre angelehnt. Ziel war es, schwer verständliche Diagramme neu zu zeichnen und die „Fakten des Klimawandels so schön wie möglich darzustellen – damit sie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen“, so Grafikdesigner Andreas Uebele.

Hier kommt die Baubranche ins Spiel, denn diese ist für den größten Teil des weltweiten Ressourcenverbrauchs – ca. 60 bis 65 Prozent –, der Emissionen und des Abfallaufkommens verantwortlich. Das Buch gibt diesbezüglich eine Übersicht verschiedener Baustoffe und thematisiert unter anderem Energieverbrauch, Bauabfälle und Emissionen.

In Sobeks eigenem Podcast Zukunft bauen spricht er von „sogenannter Nachhaltigkeit“ und verrät, wie bei ihm „Zweifel an landläufig immer wieder zitierten Zahlen [...] im Kontext Erderwärmung und Emissionen insbesondere im Bauwesen“ aufkamen und er schließlich recherchierend feststellte, dass ein Teil dieser nicht korrekt sein könne. Die resultierenden 150 Seiten Notizen waren die Grundlage für die Bände seiner Trilogie. Und so skizziert Sobek im ersten Band für seine „Schülerinnen und Schüler“ den Zustand der gebauten Welt, wie er ihn „verstanden zu haben glaubt“.

Als „erste umfassende Gegenwartsanalyse seiner Branche“ und „neues Standardwerk, das die Grundlage für ein Bauen in der Zukunft bildet“, ordnet der Buchrücken non nobis ein. Tatsächlich wird darin eine ganze Bandbreite an Themen abgedeckt, die von Materialkonsum über die Gewinnung und Herstellung von Baustoffen bis hin zu Transportvorgängen reicht. Allerdings weist das Buch durch Kommentare des Autors, sparsam gesetzte Quellenangaben, ein Springen zwischen Daten mit Deutschlandbezug und weltweiter Analyse an vielen Stellen einen subjektiven Charakter auf. In seinem Vorwort verweist Sobek denn auch darauf, dass es sich bei non nobis nicht um ein Fachbuch, sondern ein Sachbuch handelt, da es „auf die Darstellung von Gesamtzusammenhängen fokussiert ist und nicht auf eine häufig gar nicht mögliche wissenschaftliche Präzision im Detail“.

Deutlich wird dies beispielsweise anhand des einleitenden Kapitels zur Weltbevölkerung, das thematisch im Vergleich zum übrigen Inhalt von unmittelbaren Bezügen zur Baubranche abweicht. Sobek greift hier auf vermeintlich biologische Fakten zurück und belegt Fertilitätsraten verschiedener Länder und Zahlen zum Bevölkerungswachstum teils mit Wikipedia-Quellen, definiert den Begriff „Soziale Reproduktionsrate“ ohne Nachweise und zeichnet durch Formulierungen wie „am wenigsten entwickelte“ oder „unterentwickelte Länder“ ein zu hinterfragendes Bild. Auch spielt er auf „drastischere Szenarien“ im Falle eines potenziell ressourcenbezogenen „‚Nachholbedarfs‘ weiter Teile der Erdbevölkerung“ an und greift diesbezüglich das alarmistische Schlagwort „Bevölkerungsexplosion“ auf. Dass der Einfluss von Bevölkerungszahlen auf den Klimawandel sowie demographische Modelle unter Fachleuten mit Blick auf andere, weitaus einflussreichere Faktoren zumindest kritisch zu sehen sind, wurde kürzlich unter anderem in einem Beitrag des Deutschlandfunk thematisiert.

Die subjektive Schwerpunktsetzung zeigt sich auch anhand des Umfangs der Beiträge zu einzelnen Baustoffen. Während beispielsweise das Material Holz auf rund 30 Seiten mit Grafiken penibel bis zu den einzelnen Lebensphasen von Bäumen analysiert wird, erhält etwa Aluminium und dessen umweltschädliche Gewinnung im Vergleich nicht einmal eine ganze Seite Text.

Non nobis bietet mit seiner grafischen Zusammenschau rund um das Bauwesen einen ausführlichen Überblick, der durchaus als Diskussionsgrundlage für zukünftige Handlungsansätze dienen kann. Allerdings sollte man sich immer bewusst sein, dass es sich hier um gesammelte Informationen mit einer individuellen Sichtweise handelt, die um andere Perspektiven ergänzt werden kann und muss. Man darf also gespannt sein auf den nächsten Band, der möglichen Lösungsansätzen gewidmet sein wird.

Text: Ariann Schwarz

non nobis - über das Bauen in der Zukunft
Band 1: Ausgehen muss man von dem, was ist

Werner Sobek
Gestaltung: Andreas Uebele
292 Seiten
avedition, Stuttgart 2022
ISBN: 978-3-89986-369-7
49 Euro


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