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01.11.2016

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Schwarmtheorie in Chemnitz

Bahnhofsumbau von Grüntuch Ernst


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Die meisten Städte streben nach einem ICE-Anschluss und mit ihm nach einem Anschluss an die weite Welt. Die Stadt Chemnitz will lieber die Verbindungen mit den Kleinstädten und Dörfern darum herum verbessern. Das ist so außergewöhnlich selbstgenügsam, dass ein neues Verkehrsmodell für die Stadt nach ihr selbst benannt wird: Das „Chemnitzer Modell“ setzt auf regionale Vernetzung. Das städtische Straßenbahnnetz wird hierfür mit dem Regionalbahnnetz verknüpft. Schnelle und gut abgestimmte Verbindungen vor Ort, anstatt überregionale Hybris.

Für ein so solch bürgernahes Verkehrskonzept war der alte Chemnitzer Bahnhof aus DDR-Zeiten nicht mehr geeignet. Als geschlossener Kasten riegelte seine Architektur den Bahnhof zu sehr von der Stadt ab. Grüntuch Ernst (Berlin) haben den Bestandsbau aus den Siebzigerjahren jetzt kräftig umstrukturiert. Gemeinsam Topotek 1 (Berlin), die die Freiraumplanung übernommen haben. Wichtigster Eingriff ist die Öffnung des Gebäudes auf der Straßenebene, womit der öffentliche Tram-Verkehr nun direkt in die Bahnhofshalle einfahren kann. Vier Gleise wurden abgesenkt, was einen nahtlosen Wechsel von der Straßenbahn auf das DB-Netz ermöglicht.

Neues Verkehrskonzept, neue Erscheinung: Neben der Umorganisation haben Grüntuch Ernst dem ursprünglichen Bahnhofsgebäude eine komplett neue Hülle gegeben. Die bis auf das Tragwerk reduzierte, alte Architektur ummantelte das Büro mit pneumatischen Membran-Kissenelementen in unterschiedlicher Größe. Innen wurden die Metallrahmen des Tragwerks mit Stoff bespannt, was für ein weiches Licht sorgt. Einen Kontrast zu dieser sanften Gestaltung bildet die Fassadenunterseite mit rautenförmigen schwarz polierten Edelstahlblechen.

Fest in die Fassade integriert ist eine Lichtinstallation, die technisch durch ein in die Fassade integriertes LED-Netz realisiert wird. Mit Einbruch der Dämmerung wird die subtile Bewegung der Elemente sichtbar. Das Künstlerkollektiv Random International hat für das Licht-Netz eine Inszenierung entwickelt: Die Künstler übersetzen die Bewegungen von Vogelschwärmen auf minimalistische Weise in ein monochromes Lichtspiel – und sie ironisieren damit charmant die erdenschweren Bewegungen der Menschen unter dem Dach. (sj)

Fotos: Jan Bitter


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Kommentare

3

0815 Architekt | 02.11.2016 13:45 Uhr

irgendwie witzig...

.... die Blasen. Aber vielleicht findet nun der ein oder andere den Bahnhof nicht, da er dahinter vielleicht eher ein Parkhaus vermutet?
Die Fotos von innen hingegen wirken auf mich irgendwie provisorisch und die Materialien sehr banal-effizient...

2

Andrea Palladio | 02.11.2016 12:11 Uhr

@Jenatsch

Leider kann ich von ohne Ortskenntnis den funktionalen Gewinn nicht abschätzen. Die Öffnung des Erdgeschosses ist hingegeben prinzipiell zu begrüssen. Hingegen hält sich der architektronische Gewinn m.E. sehr in Grenzen. Die sehr grossmasstäbliche Fassade wirkt noch weniger subtil als beim Vorgängerbau und die fehlenden Ladengeschäfte im Sockel verschärfen dieses Problem weiter. Das sich dieser Bahnhof mit Stuttgart nicht vergleichen lässt, liegt indes auf der Hand.

1

Jenatsch | 01.11.2016 17:46 Uhr

Glückwunsch

Das sieht nach einer sehr gelungenen Aufwertung des Bestands aus, sowohl in gestalterischer Hinsicht wie auch für die Nutzer des ÖPNV. Zwar erfahren wir nichts über die Kosten, aber auch in dieser Hinsicht wirkt das Projekt sehr angemessen. Glückwunsch an die Stadt, ihre Bürger und die DB - in Stuttgart werden sie vor Neid in die Abbruchkante ihres einst herausragenden Bahnhofs beißen!

 
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