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30.04.2021

Filmtipp: Bänke putzen und Türme stürzen

Architektur bei den Kurzfilmtagen Oberhausen


Vom 1. bis zum 10. Mai finden die 67. Kurzfilmtage in Oberhausen statt, pandemiebedingt als Online-Festival. Wo taucht denn die Architektur in dem umfangreichen Programm des „ältestesten Kurzfilmfestes der Welt“ auf? Sie ist mal Protagonistin, mal wichtige Nebendarstellerin in den hier vorgestellten Beiträgen, die sich alle auch von zu Hause aus streamen lassen. Fünf  kurze Tipps für fünf kurze Filme:

„Cutting Edges“ von Céline Berger
Coworking Spaces mit ihren spontan anmietbaren Arbeitsplätzen sind nicht nur Ausdruck eines liberalisierten Arbeitsmarktes, sie sind in der Architektur von Bürobauten auch zu einem regelrechten Typus geworden. Für ihren Film „Cutting Edges“ taucht Regisseurin Céline Berger ein in diese Architektur und ihr spezifisches Mobiliar, dabei bringt sie Visionen, Prozesse, Glaubenssysteme und Start-Up-Mythen durcheinander.

„Cutting Edges“
Céline Berger
Deutschland 2020
Experimentalfilm in Farbe, 14 Minuten 30
Kein Verleih, zu sehen im Deutschen Wettbewerb 3



„Misty Picture“ von Christoph Girardet und Matthias Müller
Selbst Josef Beuys sah in zwei schmalen Butterpackungen nichts anderes als die Zwillingstürme von Manhattan, was 1975 in seinem bekannten Multiple „Cosmas und Damian“ mündete: Das World Trade Center von Emery Roth & Sons und Minoru Yamasaki Associates war vor 9/11 Landmarke und Marke der Stadt New York, in den Medien vielfach in Szene gesetzt. Christoph Girardet und Matthias Müller verfolgen in „Misty Picture“ die verschiedenen filmischen Inzenierungen der Zwillingstürme und zeigen die schillernde Biografie einer Architektur auf, die zum symbolträchtigen Zeichen einer Weltstadt und gleichsam zum Objekt von Zerstörungsphantasien werden konnte.

„Misty Picture“
Christoph Girardet und Matthias Müller
Deutschland 2021

Experimentalfilm in Schwarz-Weiß, 16 Minuten 32
Kein Verleih, zu sehen im Deutschen Wettbewerb 4, Internationalen Wettbewerb 6



„Walking on the Chairs“ von Jeamin Cha

„Architektur in Gebrauch“ ist der Titel eines tollen Architekturmagazins des Büro für Konstruktivismus – und er lässt sich auch als inneres Motto heranziehen, das den Blick für das schärft, was alltäglich in Gebäuden passiert. Filmproduzentin Jeamin Cha scheint sich diesem angenommen zu haben bei ihrem filmischen Essay über die Reinigungskräfte in einem Stadion. In „Walking on the Chairs“ können wir diejenigen sehen, die ein Stadion nach einer Veranstaltung reinigen. Sie räumen den Müll weg, zwängen sich zwischen alle Sitzränge, und während sie dies mit unterschiedlicher Geschwindigkeit tun, scheint sich zwischen ihnen ein Wettbewerb auszutragen.

„Walking on the Chairs“
Jeamin Cha
Südkorea 2020,
Experimentalfilm in Farbe, 10 Minuten 58
Kein Verleih, zu sehen im Internationalen Wettbewerb 2



„(Steve) Tempel“ von Tanita Olbrich
Das heutige Ruhrgebiet gilt eher als Ort für den Realismus von Strukturwandel und Postindustrie. Tanita Olbrich aber interpretiert es in ihrem Film „(Steve) Tempel“ als romantische, ideale Landschaft. Darin macht sie das Ruhrgebiet zur Kulisse für eine anarchische Gesellschaftsfiktion, in der Menschen in Spontaneität und Kooperation frei von Hierarchien leben.

„(Steve) Tempel“
Tanita Olbrich

Deutschland/USA 2020
Spielfilm in Farbe, 6 Minuten 33
Kein Verleih, zu sehen im Deutschen Online-Wettbewerb 2



„Second“ von André Martin
Mit dem geschickten Rendering lassen sich Bauherr*innen überzeugen. Die digitale Zeichnung ist aber auch eine Möglichkeit, Architektur überhaupt greifbar zu machen, zumeist bevor sie gebaut wird, jedoch auch, wenn sie schon besteht. In „Second“ zeichnet Regisseur André Martin nach vier Wochen Lockdown im letzten Jahr seine eigene Straße digital nach. Dabei wird er sich einem alltäglichen Ort wieder bewusst, von dem er sich aufgrund der Pandemie zurückziehen musste. Doch die digitale Kopie der Straße wird zum Austragungsort einer virtuellen Online-Welt, in der sich Gesellschaftsutopien und Biografie des Regisseurs vermengen.

„Second“
André Martin
Deutschland 2020
Experimentalfilm / Dokumentarfilm in Farbe, 30 Minuten 49
Kein Verleih, zu sehen im Deutschen Wettbewerb 3


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Auswahl und Text: Sophie Jung




Zum Thema:

Das ganze Programm der internationalen Kurzfilmtage auf www.kurzfilmtage.de


Kommentare:
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Filmstill: „Cutting Edges“ von Céline Berger, Deutschland 2020.

Filmstill: „Cutting Edges“ von Céline Berger, Deutschland 2020.

Filmstill: „Misty Picture“ von Christoph Girardet und Matthias Müller, Deutschland 2020.

Filmstill: „Misty Picture“ von Christoph Girardet und Matthias Müller, Deutschland 2020.

Filmstill: „Walking on the Chairs“ von Jeamin Cha, Südkorea 2020.

Filmstill: „Walking on the Chairs“ von Jeamin Cha, Südkorea 2020.

Filmstill: „(Steve) Tempel“ von Tanita Olbrich, Deutschland/USA 2020.

Filmstill: „(Steve) Tempel“ von Tanita Olbrich, Deutschland/USA 2020.

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