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13.01.2011

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Drachenfels reloaded

Abriss und Neubau am Rhein


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Der Drachenfels, ein 321 Meter hoher Berg am Rhein zwischen Königswinter und Bad Honnef gelegen, ist ein Ort mit urdeutscher mythologischer Bedeutung. Hier hat Siegfried nach der Nibelungensage den Drachen Fafnir getötet und konnte so durch ein Bad in dessen Blut seine Unverwundbarkeit erlangen. Die Historie des Ortes hielt jedoch in den 1970ern die Stadtväter des nahegelegenen Königswinter nicht davon ab, auf dem Berg unterhalb der Ruine des dreistöckigen Bergfrieds der Burganlage ein dem Brutalismus verpflichtetes Ausflugsrestaurant zu errichten.

Vor wenigen Tagen wurde nun damit begonnen, die Anlage, die 1965 aus einem Wettbewerb als Sieger-Entwurf des Kölner Architekten Ernst Sapia hervorgegangen war, abzureißen. Das Restaurant, dass im Jahr 1976 fertiggestellt wurde, ist nach Aussage der Pächter aus betriebswirtschaftlicher Sicht kaum zu betreiben. Bei 70.000 Litern Heizöl liegt der Verbrauch des Restaurants im Jahr, mit dem Effekt, dass es im Inneren bei Minustemperaturen wegen der vielen Kältebrücken und der Windanfälligkeit nie wärmer als 16 Grad wird.

Nach dem Ende der Abrissarbeiten im März wird dann mit dem Restaurantneubau begonnen werden, dessen Entwurf 2008 aus einem Wettbewerb als dritter Sieger hervorgegangen war und aus der Feder des Büros Pool 2 Architekten (Kassel) stammt. Die zwei gleichrangigen Siegerentwürfe konnten nicht realisiert werden, da sie nicht die Wettbewerbsvorgaben erfüllten, zu teuer waren und den benachbarten Hotelbau aus den 30er Jahren gleich mit zum Abriss freigaben.

Der Neubau von Pool 2 verknüpft in Zukunft den Bestandsbau des Hotels durch einen neuen Verbindungsbau mit dem gleichfalls neuen Glaskubus des Restaurants. Das Hotel selbst, in dem seit Jahrzehnten kein Gast gewohnt hat, wird saniert, im ersten Obergeschoss werden Tagungsräume geschaffen. Auf dem Dach des neuen und mit einer Nutzfläche von 300 Quadratmetern zu seinem Vorgängerbau deutlich verkleinerten Restaurant wird eine Aussichtsterrasse entstehen mit einem direkten Zugang zur Ruine der Burg Drachenfels. Mit dem Neubau sollen die Betriebs- und Energiekosten um 70 Prozent gesenkt werden.

Was die Kollegen von tagesschau.de über das „Ungeheuer“ aus Waschbeton, bronzierte Metall-Fensterrahmen, Fertigbetonteilen und Flachdächern denken, lässt sich gut in diesem Filmbeitrag verfolgen.


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Kommentare

8

Jörg Wessendorf | 14.01.2011 19:07 Uhr

Drachenfels

Ich bin mit meinem Partner Atelier Loidl Verfasser eines der beiden Siegerentwürfe dieses Wettbewerbs.

Unser ambitionierter Entwurf sah keinen Abriss, sondern eine Integration des 30iger-Jahre-Baus vor, indem sich der Neubau nahtlos aus dem Altbau ableitet. Ausserdem wurden wir zu einer Überarbeitung des Entwurfs aufgefordert, bei der wir nachweisen konnten, dass wir den Kostenrahmen einhalten. Nach kontroverser Diskussion konnte auch nach Überarbeitung der beiden Siegerentwürfe in der Jury keine Entscheidung erzielt werden. Dann hat man den dritten Preis genommen.

7

Andrea Palladio | 14.01.2011 13:37 Uhr

Beton vs Glas

Auch hier bleibt einmal mehr zu konstatieren, dass ein Neubau keine Verbesserung der Situation bedeuten muss. Die wenigen Bilder, die man zu sehen bekommt, geben den Eindruck einer völlig banalen Glaskiste, ersetzbar und ohne jedwede Ecke oder Kante.

Die Frage ist doch vielmehr: wie kann sich eine Jury zu einem solchen Beitrag durchringen? Im Zweifel für den Erhalt des Alten und Neuausschreibung!

6

Sebastian Becker | 14.01.2011 12:34 Uhr

Schade...

Der Bau von Ernst Sapia aus den 70ern ist mir ,,in echt" nicht bekannt, sprich, ich stand nie vor dem Gebäude; den Fotos nach jedoch empfinde ich es wirklich als sehr, sehr schönes Bauwerk, das durchaus (!) an Fallingwater erinnert. Gerade der Kontrast zur Umgebung ist spannend, und insofern sehr schade, dass es abgerissen wird / wurde.

Im Vergleich dazu ist der Neubau äußerst mau / langweilig.

5

dieter | 13.01.2011 19:01 Uhr

drachenfels

die gleiche abneigung wird sich in 20 jahren zu diesen banalen neubau einschleichen.

4

gira | 13.01.2011 17:00 Uhr

glatt

traurig, aber wahr, aalglatt gegen charme...

3

pluto | 13.01.2011 16:21 Uhr

findet

danke! weg mit dem ungeheuer.
dass sich die baunetz-redaktion nicht mal durchringen kann dieses offensichtlich deplazierte bauwerk als hässlich zu bezeichnen, sondern lieber andere medien dafür bespöttelt, spricht bände.
dieses haus ist hässlich, ist falsch, und gottseidank kommt es weg. (und ja, liebe baunetz-redaktion, auch ich mag unseren brutalismus sehr gerne- wenn er an der richtigen stelle steht)

schade um den schultes-wettbewerbsbeitrag. der wäre doch irgendwie angemessener als diese neue glaskiste. was soll´s, unauffälliger als der bisherige brocken wirds auf jeden fall.

2

Rainer Schützeichel | 13.01.2011 16:20 Uhr

Drachenfels reloaded

Eine Schönheit war der Bau von Ernst Sapia vielleicht nicht, und sicher auch kein Beispiel für eine gelungene brutalistische Architektur. Sein Abriss gibt aber in einem Punkt doch zu denken. Denn indem sich die Verfechter eines Neubaus über den darin gespiegelten Zeitgeist der 70er Jahre brüskieren, machen sie auf ein generelles Problem aufmerksam: Jedes Werk ist seiner Zeit verpflichtet, und es bleibt abzuwarten, ob nicht auch der (den Renderings nach zu urteilen wenig inspirierte) Neubau in einigen Jahren als "zu zeitgeistig" einer dann aktuellen Mode wird weichen müssen.

1

peter | 13.01.2011 16:02 Uhr

reloaded

wenigstens ist es ein halbwegs würdiger nachfolger. ob eine glaskiste allerdings eine echte energetische verbesserung darstellt, bleibt abzuwarten...

 
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Der Restaurant-Bestandsbau aus dem Jahr 1976.

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Der geplante Neubau von Pool 2 Architekten.

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