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Zitat Patrick Wiest, B. A. (FH) Innenarchitekt Geplan Design Planungsgesellschaft und Projektleiter des Jaz Hotels, Stuttgart

Geplan Design hat das allererste Jaz in Amsterdam entwickelt und geplant. Jetzt kommt die neue Marke der Deutschen Hospitality nach Stuttgart, ebenfalls von Geplan Design entwickelt und geplant. Was den Gast im ersten deutschen Jaz erwartet und welches Storytelling dahintersteht, darüber sprachen wir mit Geplan Design Geschäftsführer Cord Glantz und dem verantwortlichen Projektleiter bei Geplan Design, Innenarchitekt Patrick Wiest. Weit über 150 Hotelprojekte hat die 1977 gegründete Stuttgarter Planungsgesellschaft im In- und Ausland realisiert. Heute zählt das who is who der Hotellerie zum Kundenstamm. Neben Hotels, Restaurants und Wellness-Bereichen gehören auch anspruchsvolle Bürolösungen und Privathäuser zum Betätigungsfeld des Büros.

Was für ein Hoteltypus fokussiert die Deutsche Hospitality mit der Marke Jaz und was erwartet den Gast im ersten deutschen Ableger?
 
Cord Glantz: Die Deutsche Hospitality, vormals Steigenberger Hotel Group, hat bereits zwei etablierte Marken am Start – Steigenberger und InterCity. Das Jaz soll in der Positionierung mit der Kernmarke Steigenberger gleichziehen, also auf ähnlich hohem Niveau daherkommen. Gleichzeitig soll Jaz urbaner sein und auch eine jüngere Klientel ansprechen. Der Standort direkt am Stuttgarter Hauptbahnhof, wo derzeit das neue Europaviertel aus dem Boden schießt, ist dafür ideal. Fancy Hotelkultur in Stuttgarts bester Lage! Das Hotelkonzept und die Innenarchitektur wurde von uns entwickelt. Folgerichtig haben wir den ersten Ableger des Jaz in Amsterdam umgesetzt, und auch das zweite Haus der jungen Marke trägt die Handschrift von Geplan Design. Das Jaz in the City Stuttgart ist das erste Jaz in Deutschland.
 
Wie lässt sich das CI bzw. der USP von JAZ in the City beschreiben?
 
Patrick Wiest: Go local! Lokale DNA steht an allen Standorten im Fokus und ist Herzstück des Jaz. Im Stuttgarter Hotel ist Musik drin. Die lokale Musikszene bekommt hier eine Bühne und profitiert von einer ausgezeichneten Musikanlage und von einem internationalen Publikum. Daneben soll das Jaz auch Wohnzimmer sein für die angesagte Szene in Stuttgart. Um die Verbundenheit zum Standort zu verdeutlichen, hat Geplan Design beispielsweise die Jazz Open Box entwickelt, in der Fotos der legendären Jazz Open in Stuttgart gezeigt werden. By the way: mit einem Boxensystem haben wir in Stuttgart wie auch schon in Amsterdam eine geniale Form der Raumgliederung geschaffen. Darüber hinaus erwarten den Gast überall Überraschungen und innenarchitektonische Highlights. Wenn man es so will: Das Interior Design von Jaz ist die architektonische Interpretation von Musik.
 
Internationalität gepaart mit Lokalkolorit, urbaner Beat und Ruhe, die wohl jeder Gast in einem Hotel erwartet. Wie haben Sie den Spagat geschafft?
 
Cord Glantz: Mit Codes und versteckten Botschaften für jeden Gast, der danach sucht. Hinter jedem Detail steckt eine Geschichte, die entdeckt werden möchte. Beginnen wir doch gleich mit dem Teppichboden: Den Hoteletagen haben wir die Farben der sieben Hauptchakren des tantrischen Hinduismus zugeordnet. Die Farben finden sich bei den Teppichböden der einzelnen Etagen wieder. Je höher die Etage, je weiter der Grad der Erkenntnis. Eine Symbolik, die sich auf wunderbare Art und Weise auf der Sonnenterrasse schließt, wo entspannende Sitzkreise und Sonnensessel bereitstehen. Ein Blick über die Dächer der Stuttgarter City mit seinen modernen Bauten und von Weinbergen gesäumten Halbhöhenlagen ist einzigartig.
 
Storytelling als Mehrwert für die Innenarchitektur.Was ist darunter zu verstehen?
 
Cord Glantz: Storytelling bietet zunächst einmal einen Mehrwert für das Hotel an sich. Aus unserer Sicht ist authentisches Storytelling Voraussetzung für ein wirtschaftlich funktionierendes Hotel. Der Gast will im Hotel etwas erleben und nicht immer und überall die gleichen seelenlosen Bettenburgen vorfinden. Storytelling ist durchgängig und erzählt eine stimmige Geschichte, die anhand verschiedener Indikatoren entwickelt wird. Dazu zählen etwa Standort und Zielgruppe. Und damit sind wir bei der Innenarchitektur. An erster Stelle steht für uns die Entwicklung eines Konzepts, das Bauherr und der spätere Hotelbetreiber mittragen. Erst dann kommt die Innenarchitektur, die sich dann am Storytelling orientiert. Sie können es sich denken, dass wir mit der Automobilstadt Stuttgart ein wunderbares Thema haben. Das beginnt beim Check-in an einem Desk, der schnittig wie ein Silberpfeil daherkommt und darüber hinaus auch an den Mercedesstern erinnert. Manche der Polstermöbel wurden von einer Autosattlerei produziert und erinnern an Sitze legendärer Auto-Klassiker. Die Türen im Jaz haben ein kleines Spaltmaß, das wir von der Automobilindustrie abgeschaut haben. Das sieht edel aus.
 
Welche Rolle spielen dabei Materialien – explizit der Teppichboden?
 
Patrick Wiest: Authentisches Storytelling ist nach unserer Überzeugung eng verwoben mit authentischem und vor allem hochwertigem Materialeinsatz. So finden sie im Hotel viel Leder und Holz, am Bartresen arbeiten wir mit Kupfer, das im Laufe seines Lebens Geschichten erzählen kann. Patina gehört hier zum Konzept. Anders sieht es natürlich bei den Teppichen aus. Patina und Flecken wären hier Gift, ein Teppichboden ist eine wichtige Visitenkarte des Hotels. Er muss gepflegt sein, wohlriechend und auch ständig tipp-top aussehen. Wir haben beim Jaz dafür ein bisschen in die Trickkiste gegriffen.  Der von uns großflächig eingesetzte GIRLOON-Teppichboden hat ein Muster, das auch mal einen kleinen Fleck verzeihen kann. Außerdem ist der Austausch einer Fliese kein Problem.
 
In welchen Hotelbereichen haben Sie sich für Teppichboden entschieden, warum?
 
Patrick Wiest: Großflächig haben wir Teppichboden in den Hotelfluren eingesetzt. Dafür haben wir uns in Zusammenarbeit mit dem Investor und dem Hotelbetreiber entschieden, weil er gerade hier eine sehr wichtige Trumpfkarte ausspielt: Ein wichtiger Produktvorteil von Teppichboden ist die Akustik. Es gibt keinen besseren Schallschlucker! Nichts ist doch störender für einen Gast, der schläft, als wenn ein Abreisender mit seinem Trolley durch die Flure poltert. Darüber hinaus sorgt ein textiler Belag für eine wohnliche Atmosphäre. Ein weiterer Vorteil ist die Produktvielfalt. In enger Zusammenarbeit mit der GIRLOON-Projektabteilung wurde für jeden der sieben Flure ein eigener Farbton entwickelt. Aus bis zu sechs Farben entstand ein lebhaftes aber nicht zu aufdringliches Muster, das Ruhe und große Wertigkeit ausstrahlt. Die unterschiedlichen Farben der Etagen versinnbildlicht auch die multikulturelle Vielfalt des Standorts Stuttgart, wo Menschen aus 170 Nationen zusammenleben. Das ist Storytelling. 
 
Was waren Ihre gestalterischen und was Ihre funktionalen Vorgaben für den Teppichboden?
 
Patrick Wiest: Wichtig war uns eine herausragende Qualität. Ein Teppichboden im Hotel muss etwas aushalten! Das ist das Allerwichtigste in funktionaler Hinsicht. Unsere gestalterische Vorgabe war ein Teppich, der das multikulturelle Thema weiterbringt, der ein Stück Orientalik ins Haus bringt und darüber hinaus Wertigkeit nicht nur bietet, sondern auch sichtbar macht. Ein Design nach unserer Vorstellung haben wir beiGIRLOON gefunden. Klasse war die Unterstützung bei der Entwicklung der passenden Farbtöne.
 
Und was hat Sie letztendlich an GIRLOON überzeugt?
 
Patrick Wiest: Die Wahl fiel auf diesen GIRLOON Teppichboden, weil wir damit das perfekt passende Design gefunden haben. Darüber hinaus war es wichtig, das wir ein leistungsfähiges Unternehmen zum Partner haben, das Lieferziele einhält und auch in der Lage ist, große Mengen termingerecht zu liefern. Gleichzeitig setzt Geplan Design auf Industriepartner, die trotz ihrer Unternehmensgröße individuelle Anpassungen möglich machen. Uns schwebte eine Farbigkeit vor, die ein hohes Maß an Individualisierung erforderte. Das überaus serviceorientierte Objektteam hat uns dabei perfekt unterstützt.
 
Abschließend: Wie kommt man dazu, mit der Entwicklung eines neuen Hoteltypus beauftragt zu werden?
 
Cord Glantz: Manchmal geht das ganz einfach. Wir wurden von der Deutschen Hospitality zu einem internationalen Ideenwettbewerb eingeladen. Mit unserer Präsentation konnten wir unsere Auftraggeber überzeugen. Wir trafen mit unserer Idee und mit unseren Visionen den Nerv der Zeit und wurden deswegen beauftragt.
 
Herr Glantz, Herr Wiest wir bedanken uns für das überaus inspirierende Gespräch.