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Profil

Zukunftsweisende Hüttenarchitektur am Matterhorn


Als Basislager für den Aufstieg entlang des Hörnligrats auf das Matterhorn in den Schweizer Alpen dienen seit über 100 Jahren die Hörnlihütte sowie das nahe gelegene Hotel Belvédère. 2015, zum 150-jährigen Jubiläum der Erstbesteigung, wurden die Unterkünfte an die heutigen Anforderungen an Sicherheit, Hygiene, Umweltverträglichkeit und Funktionalität angepasst. Da der Standort geologisch äußerst anspruchsvolle Felsformationen aufweist, war es besonders wichtig, die Wärmeabgabe aus dem Gebäude in den Baugrund auf ein Minimum zu reduzieren. Dies gelang mit Schöck Sconnex auf besonders innovative Weise. Insgesamt schufen die Architekten eine zukunftsweisende Hüttenarchitektur mit Vorbildcharakter.
 
Der Direktauftrag für die Modernisierung ging an Hans Zurniwen und sein in Zermatt beheimatetes Architekturbüro arnold perren zurniwen. Der Entwurf sah vor, die historische Hütte abzureißen, hingegen das über 100-jährigen Hotel Belvédère behutsam zu renovieren und um einen modernen Holzbau zu erweitern. So ist die neue Hörnlihütte ein Zusammenspiel aus Vergangenheit und moderner Technik und ihr neu errichteter Teil steht exemplarisch für eine wegweisende Hüttenarchitektur. Entlang der weitläufigen Terrasse im Erdgeschoss des Hotel Belvédère befinden sich der Empfangsbereich und die Küche, in den Obergeschossen sind die Gästezimmer und die Nasszellen untergebracht. Der viergeschossige neue Holzanbau wurde mit einer Prefa-Aluminium-Fassade verkleidet. Er beherbergt die Haustechnik im aus Beton gefertigten Untergeschoss, den Speisesaal mit 130 Sitzplätzen und 180-Grad-Panorama im Erdgeschoss sowie die Schlafräume in den beiden oberen Stockwerken. Im offen gestalteten Erdgeschoss des Anbaus zeigt sich die Konstruktion aus unbehandelter Fichte. Auch wenn das Material Wärme ausstrahlt und damit ein Wohlfühlambiente schafft, war die Wahl eher pragmatischer Natur: Die Robustheit, Einfachheit und Leichtigkeit des Holzbaus trug der Tatsache Rechnung, dass das gesamte Material Stück für Stück mit dem Hubschrauber hochgeflogen werden musste. So rastern kräftige Fichtenstützen die Außenwände des Speisesaals, Unterzüge und aussteifende Wandelemente gliedern ihn.
 
Bauphysikalisch und statisch hohe Anforderungen im Hochgebirge
Das aus Ortbeton gegossene und sichtbar belassene Sockelgeschoss des Ergänzungsbaus steht auf geologisch anspruchsvollen Felsformationen. Dabei musste besonders darauf geachtet werden, dass die wertvolle Heizwärme aus dem Gebäudeinnern nicht ungehindert in den kalten Baugrund abfließt. Es galt entstehende Wärmebrücken auf ein Minimum zu reduzieren. Schöck Sconnex bot hier die optimale Lösung, denn das Produkt schließt die letzte große Wärmebrücke an Gebäuden auf innovative Weise und dämmt Stahlbetonwände und -stützen direkt und dauerhaft. Das gesamte Untergeschoss des Neubaus wurde als Betonwanne mit innenliegenden statischen und aussteifenden Betonteilen geplant. Die Wandanschlüsse im Übergang von warmen zu kalten Gebäudeteilen wurden mit Schöck Sconnex ausgeführt. Diese Verbindungen zwischen den Betonbauteilen erfüllen die höchst anspruchsvollen statischen Anforderungen im Hochgebirge und die geforderte optimale thermische Trennung zwischen den Bauteilen. Gleichzeitig sorgt Schöck Sconnex für ein gesundes Raumklima im Inneren und reduziert das Risiko von Bauschäden signifikant, was in diesem sensiblen Terrain von enormer Wichtigkeit ist. Für den Schöck Sconnex Typ W besteht aktuell noch keine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung für Deutschland (DIBt). Eine Anwendung von Sconnex Typ W ist nur nach Abklärung mit dem Tragwerksplaner oder einer Zustimmung im Einzelfall über das zuständige Landesbauamt möglich.
Mit der sanierten und umgebauten Hörnlihütte haben die Architekten ein rundum gelungenes Gebäudeensemble geschaffen, das neue Maßstäbe in allen Bereichen der Hüttenarchitektur setzt und als Vorbild für weitere Bauten dienen könnte.
 
Infokasten
Die Geschichte der Hörnlihütte
Mitten in den Walliser Alpen zwischen Zermatt und Breuil-Cervinia ragt mit 4.478 Meter (ü. M.) das Matterhorn als einer der höchsten Berge der Alpen empor. Aufgrund seiner markanten Form und seiner Geschichte ist er einer der bekanntesten Berge der Welt. Die Erstbesteigung des Matterhorns gelang Edward Whymper am 14. Juli 1865. Dabei erwies sich der Hörnligrat als einfachste und meistgenutzte Route für den Aufstieg, weshalb 1880 die erste Hütte als Basislager am heutigen Standort errichtet wurde. 1909 folgte das noble Hotel Belvédère. 1964 ließ der Schweizer Alpen Club die Hütte abreißen und neu bauen. In den folgenden Jahrzehnten wurden die Gebäude mehrfach umgebaut, renoviert und vergrößert, um den wachsenden Bedürfnissen gerecht zu werden. Ab 1982 boten sie Platz für 170 Bergsteiger.

 
Bautafel:
Bauherr: Stiftung Hörnlihütte (Burgergemeinde Zermatt)
Architekt: architektur + design, arnold perren zurniwen, Zermatt, CH
Bauingenieur: Labag AG, Zermatt, CH
Holzbauingenieur: Indermühle Bauingenieure, Thun, CH
Bauunternehmen: Sulag AG, Zermatt, CH
Standort: Matterhorn, Ausläufer des Hörnligrats
Fertigstellung: 2015
Geschossfläche: 1.421 m2 (Anbau: 785 m2, Bestand: 636 m2)
Schöck Produkte: Schöck Sconnex Typ W 

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