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Formklinker verleihen Fassade besondere Plastizität

Die Kölner Südstadt genießt den Ruf, eine der am stärksten von der lokalen Mentalität geprägten Gegenden der Rheinmetropole zu sein. Hier angesiedelt ist das größte Gymnasium der Innenstadt, das seinen Namen dem Naturforscher Alexander von Humboldt zu verdanken hat. Neben einer naturwissenschaftlichen und sprachlichen Ausrichtung ist die Schule vor allem für ihre Musikpädagogik bekannt. Da das Humboldt-Gymnasium nach einer schulentwicklungsplanerischen Prognose mittelfristig zu klein geworden ist, musste es in einer zeitgemäßen Ergänzung ausgebaut werden. Dieser Aufgabe wurde der Entwurf vom ausführenden Büro Numrich Albrecht Klumpp aus Berlin gerecht. In Anlehnung an das bestehende Gebäude wählten die Architekten eine Klinkerfassade, die mit der Hagemeister-Sortierung „Island BA+FU“ ausgeführt wurde, die sich farblich durch ihre sanften Grautöne vom roten Backstein des Bestandsgebäudes abhebt. Spezielle Formklinker geben der Fassade einen individuellen Ausdruck.
 
Das Grundstück der Schule zeichnet sich durch eine städtisch integrierte Lage innerhalb eines Wohngebietes aus. Die Herausforderung bei dem Projekt bestand darin, das denkmalgeschützte Hauptgebäude sinnvoll um etwa 3.000 m² zu erweitern bei gleichzeitiger Berücksichtigung von städtebaulicher Integration, Architekturqualität und Wirtschaftlichkeit.
 
Integrales Konzept
 
Das bestehende Gebäude-Ensemble wurde vom Architekten Karl Band in den 1950er Jahren entworfen. Der neue, polygonal ausgebildete Erweiterungsbau schließt an dieses an und respektiert das Baudenkmal in seinen Proportionen und Sichtbeziehungen. So gibt der Anbau von allen Seiten den Blick frei auf die denkmalgeschützte Ziegel-Lochfassade des Bestandbaus. Dieser schließt zusammen mit dem vorhandenen Klassentraktbau einen Schulvorhof ein und umfasst 28 Klassenräume, 6 Fachräume, eine Lehrküche mit Speiseraum sowie die Schulbibliothek und den Kammermusiksaal. Letzterer liegt mit seinen 160 Sitzplätzen im Erdgeschoss hinter Filtermauerwerk und ist dem öffentlichen Raum zugewandt. Der Saal dient neben der internen schulischen Nutzung auch für öffentliche Konzerte und Auftritte der Schule. Das Foyer vor dem Musiksaal lässt sich als Empfangsbereich nutzen. In den oberen Geschossen befinden sich die Unterrichts- und Fachräume.
 
Funktionen ablesbar
 
Die Materialität des denkmalgeschützten Teils verleitete die Architekten zu der Entscheidung, auch für den Neubau Klinker zu wählen. Verarbeitet wurde ein grauer Hagemeister-Stein der Sortierung „Island BA+FU“, der sich durch sanfte Nuancen in verschiedenen Grautönen und Akzente durch charaktervollen Kohlebrand auszeichnet. Die Oberfläche der Klinker-Sortierung weist unregelmäßige und teils wellige Kanten auf und erinnert an die verwendeten Ziegel des Bestandsgebäudes. Die wechselseitige Verarbeitung der Klinker, bei der auch die Fußseiten – die Spuren aus dem Produktionsprozess erkennen lassen – sichtseitig zum Einsatz kamen, rhythmisiert das Fassadenbild zusätzlich. Verarbeitet wurde der Ziegel im Dünnformat, in verschiedenen Mauerwerksverbänden, was die Funktionen hinter der Fassade von außen sichtbar für die Passanten an der Gebäudehülle ablesbar macht. Die glatten Fassadenbereiche sind im wilden Verband gemauert. Bei den Fenstern kam eine Art Band mit speziellen Formklinkern im Stromlinienverband zum Einsatz. Diese besondere Ausführung steht eigenständig zur vorhandenen Lochfassade des bestehenden Teils. Auch die polygonalen Gebäudeecken wurden im jeweiligen Verband mit Formklinker ausgearbeitet.
 
Lichtdurchlässiges Mauerwerk
 
Im Bereich der Treppenhäuser kam Filtermauerwerk zum Einsatz. Dies sorgt für eine atmosphärische Belichtung und gibt der Gebäudehülle das gewisse Extra. Die Fassade des Kammermusiksaals ist im doppelt gesetzten und geöffneten Stromlinienverband verarbeitet worden. Vertikale Gewindestangen im Mauerwerk sorgen für zusätzliche Aussteifung. Auch hier fällt gedämpftes, gleichmäßiges Licht in den Saal. Bei künstlicher Beleuchtung im Innern wird die Bedeutung dieses besonderen Ortes des Humboldt-Gymnasiums nach außen sichtbar. Große Glasflächen beim Verbindungsbau lassen zusätzliches Licht einfallen und beide Schulbaukörper spiegeln sich facettenreich in der Verglasung. Das Architekturbüro hat beim Erweiterungsbau mit viel Liebe zum Detail Feinheiten der Fassade ausformuliert und gibt damit der Gebäudehülle eine individuelle Note am traditionsreichen Schulstandort.
 
Das Projekt stand auf der Shortlist für den Fritz-Höger-Preis 2020.


Projektdaten
Architektur: Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbH, BerlinProjektteam: Arthur Numrich, Ulrike Vogel, Julian Wagner, Michael Filser Bauleitung: BN Architekten GmbH, Bonn
Bauherr: Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
Klinker: Island BA+FU
Format: DF (240 x 115 x 52 mm)
Verklinkerte Fassadenfläche: ca. 1.200 m²