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Profil

Mehr Sicherheit bei der Abdichtung von Bauwerken

Für viele Jahre galt die DIN 18195 als das maßgebliche Regelwerk für Bauwerksabdichtungen in Deutschland. Mit der Einführung der neuen Normenreihe 18531 bis 18535 gibt es seit 2017 eine klare Abgrenzung der Regelungsbereiche. Mit der Abkehr von einer bis dato überwiegend lastfallorientierten Normung wurde ein konsequenter Wechsel hin zu bauteilbezogenen Anwendungsbereichen vollzogen.
 
Die bauteilbezogenen Einzelnormen sind untereinander klar abgegrenzt und werden jeweils durch einen eigenständigen DIN-Arbeitsausschuss bearbeitet. Dadurch ist eine schnellere Anpassung an die technische und stoffliche Weiterentwicklung und damit eine sicherere Grundlage zum Planen möglich. Das eingeführte Klassifizierungssystem ist ein Hilfsmittel zur anwendungsbezogenen Planung. Tabellarisch werden die Randbedingungen des konkreten Anwendungsfalles z. B. Beanspruchungs-, Anwendungs- und Einwirkungsklassen zugeordnet, auf deren Basis die Wahl einer passenden Abdichtungsbauart erfolgt. Planer haben die Sicherheit, dass nur Stoffe in den Normen aufgenommen sind, die sich langjährig in der Praxis bewährt haben.
 
Zuverlässigkeit bei der Wahl der Abdichtungsbauart
In erster Linie geht es darum, dass eine Abdichtungsbauart ausgewählt wird, welche ihre Funktion unter festgelegten Randparametern innerhalb der vorgesehenen Nutzungsdauer möglichst zuverlässig erfüllt. Abdichtungen weisen allerdings sowohl untereinander als auch unter verschiedenen Anwendungssituationen und Randbedingungen unterschiedliche Grade der Zuverlässigkeit auf. Daher ist ein sachkundiger Fachplaner gefragt, welcher die Eignung einer Abdichtungsmaßnahme für den vorgesehenen Anwendungsfall beurteilen und diese auf der Grundlage einer fundierten und begründeten Entscheidung auswählen kann. Innerhalb der Normenreihe finden Planern normative und informative Regelungen zur Bewertung der Zuverlässigkeit. Stoffe, welche nicht durch die Normenreihe geregelt werden, müssen vor der Aufnahme in die Regelwerke ein einheitliches Verfahren durchlaufen und sich für einen langen Zeitraum bewähren. Gleichzeitig werden bereits bewährte und geregelte Stoffe hinterfragt und, wenn sie z. B. technologisch überholt sind, aus den Regelwerken ausgeschlossen. Damit nehmen die Themen Sicherheit und Zuverlässigkeit eine ganz wesentliche Rolle in den Regelwerken ein.
 
Berücksichtigung von Wirtschaftlichkeitskriterien
Die Zuverlässigkeit einer Abdichtung hängt unter anderem von der geplanten Nutzungsdauer ab, innerhalb derer sie ihr Schutzziel zu erfüllen hat, nämlich den Eintritt von Wasser oder Feuchte in das Bauteil und die dahinter befindlichen Räume zu verhindern. Die geplante Nutzungsdauer wiederum wird beeinflusst durch Wirtschaftlichkeits- und Dauerhaftigkeitskriterien. Auf der anderen Seite ist die tatsächliche Nutzungsdauer einer Abdichtung abhängig von ihren Eigenschaften sowie von ihrem jeweiligen Anwendungsfall. Die Entscheidung über die geplante Nutzungsdauer ist daher vom Planer in Abstimmung mit dem Bauherrn für jeden Planungsfall festzulegen. Dabei sollten die Aufklärung der Bauherren über die Bedeutung der Zuverlässigkeit, der Dauerhaftigkeit und des Lebenszyklus einer Abdichtungsbauart einen hohen Stellenwert bei der Beratung einnehmen und als Wirtschaftlichkeitskriterium herangezogen werden.
 
Klassifizierungssystem und Zuverlässigkeitskonzept
Das Klassifizierungssystem bewährt sich immer dann, wenn eine Planungssituation systematisch erfasst werden soll. Wenn die Einwirkungen auf das Bauteil, die Anforderungen an die Abdichtung und die vorgesehene Nutzung bekannt sind, kann durch die Zuordnung der Planungsparameter in Klassen eine den Ansprüchen des Bauherrn gerechte Abdichtungsbauart ausgewählt werden, mit der diese Ansprüche mit einer möglichst hohen Zuverlässigkeit erfüllt werden. Das Zuverlässigkeitskonzept bewährt sich dann, wenn die Randparameter zur Planungssituation bekannt sind und Abdichtungsbauarten bewertet werden sollen, um sie untereinander abzuwägen und die passende Abdichtung auszuwählen. So kann dem Bauherrn eine Bewertungsgrundlage vorbereitet werden, auf dessen Basis er seine Entscheidung trifft.
 
Bedeutung der aktuellen DIN-Normenreihe
Bis zur Einführung der aktuell gültigen DIN-Normenreihe 18531 bis 18535 waren Flüssigkunststoffe verwendbar, wenn deren Anwendung in den jeweiligen Teilen der DIN 18195 geregelt war. Und dies war bis dato nicht der Fall. Viele Jahre lang konnten Flüssigkunststoffe auf der Grundlage von bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweisen erfolgreich eingesetzt werden und haben sich in der Praxis mit zahlreichen Referenzobjekten bewährt. Im Rahmen der Erarbeitung der aktuell gültigen Normenreihe wurden daher erstmalig Flüssigkunststoffe nach einem einheitlichen Verfahren in den Regelwerken aufgenommen und sind gleichwertig zu anderen normativ geregelten Abdichtungsmaterialien anzusehen. Durch das einheitliche Verfahren zur Aufnahme sogenannter neuer Stoffe soll sichergestellt werden, dass diese sich bewährt haben und ausreichend zuverlässig sind. Somit erlangen die bauaufsichtlichen Verwendbarkeitsnachweise die Qualität einer anerkannten Regel der Technik und es ist keine gesonderte Zustimmung mehr erforderlich.