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https://www.baunetz.de/herstellernews/55_Frames_-_Urbanes_Wohnprojekt_in_Koeln_5402168.html

Profil

Ideale Rahmenbedingungen

Lange Zeit bestimmten triste Zweckbauten aus den 60er und 70er das Bild zwischen Tel-Aviv-Straße, Perlengraben und Blaubach. Ein Areal mitten in der Kölner Innenstadt, das die Kölner City mit der Südstadt verbindet. Oliver Soinis S.I.E. Immobilienentwicklung GmbH hat das Gelände des ehemaligen Zollkriminalamts 2011 von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben und im Anschluss einen Architektenwettbewerb ausgelobt. Das Gesamtkonzept von Boris Enning Architekt BDA Stadtplaner aus Köln, überzeugte die Jury. Es entstand eine hohe stadträumliche Qualität inmitten der Kölner City, ein hochwertiger Wohnraum mit der Abgeschlossenheit eines kleinen Stadtquartiers. Die spannungsvoll gegliederte Fassade repräsentiert eindrucksvoll das architektonische Konzept. Akzentuiert durch gerahmte Balkone, sogenannte „Frames“ aus Sichtbeton – die durch Wandscheiben mit Hilfe des Schöck Isokorb Typ WXT gehalten werden.
Das Frankfurter Architekturbüro Albert Speer + Partner entwickelte 2009 einen städtebaulichen Masterplan für die linksrheinische Innenstadt und Köln-Deutz. Die Idee zur Bebauung der keilförmigen Grundstücksfläche zwischen Perlengraben, Tel-Aviv-Straße und Blaubach entstammt genau diesem Konzept. Nach Abbruch des ehemaligen Zollkriminalamts, das über 50 Jahre ungenutzt brachlag, konnte 2015 mit der Bebauung begonnen werden. Aber, wie in Köln üblich, erst nachdem das Grabungsteam des römisch germanischen Museums das Areal untersuchte. Denn der Platz war bereits vor 130 Jahren von städtischer Lebendigkeit geprägt: Hier befand sich das Hauptdepot der Kölner Pferdebahn, von dem nun bei den Grabungen eins der Stallgebäude zum Vorschein kam. Aber auch Grabungsstücke aus Zeiten der Römer wurden entdeckt. 2000 Jahre später werten die beiden Gebäude mit dem klangvollen Namen 55 Frames das Quartier mit urbaner und inspirierender Architektur auf. Der innovative und nachhaltige Charakter des Projekts zeigte sich auch schon vor Baubeginn, denn Recyclingmaterial des Abrissgebäudes wurde unter anderem zur Verbesserung der Bodentragfähigkeit genutzt.


Individuelles Raumangebot
Das Architekturbüro Boris Enning, hat auf dem 4.162 Quadratmeter großen Eckgrundstück zwei kompakte, aber trotzdem durchlässige Wohnriegel mit ruhigen Innenhöfen geplant. „Die Baukörper sind mit zahlreichen Wegen verbunden, die eine halböffentliche Fläche entstehen lassen. Auf die Verkehrs- und Lärmsituation haben wir mit einer Erschließung über helle Laubengänge als Lichtflure und dem geschützten grünen Innenhof reagiert,“ erklärt Boris Enning. Der Architekt realisierte 81 verschiedene Eigentumswohnungen vom 49 Quadratmeter großen Apartment bis zur 160 Quadratmeter großen Loftwohnung mit Sauna. Der Neubau verfügt über eine Tiefgarage mit 73 Stellplätzen sowie über eine Unterkellerung mit Abstell-, Neben und Technikräumen auf einer Nettogrundfläche von 12.922 Quadratmeter. Insgesamt wurden sechs Vollgeschosse plus Staffelgeschoss errichtet. Neben der außergewöhnlichen Architektur und dem individuellen Raumangebot gehört auch das Konzept eines intelligent geplanten Umfelds mit zeitgemäßer Mobilität wie eBike Ladestationen, ein Carsharing-Projekt, Housekeeping und modernem Energiehaushalt dazu. Boris Enning erhielt für die „hohe stadträumliche Qualität des Baukörpers, der inmitten der City hochwertigen Wohnraum schafft und sich dem umgebenden Raum als neues Bindeglied mit hoher Aufenthaltsqualität anbietet“, von der Jury einstimmig den ersten Platz.


Rohbau und Statik
Als Generalunternehmer wurde die Peter Gross Bau GmbH, St. Ingbert, mit der Errichtung des 50.915 Kubikmeter großen Schlüsselfertigbaus beauftragt. Die Rohbauarbeiten sind aus statischen Gründen weitgehend in Stahlbeton ausgeführt. Wo es möglich war, kam Mauerwerk zum Einsatz. „Für uns war die Gesamtstabilität des Gebäudes ein großes Thema“, erklärt Astrid Knipp vom bau|werk Ingenieurbüro, Köln, das für die gesamte Statik verantwortlich ist. „Bei dieser Größenordnung benötigt man eine ausreichende Anzahl an Wänden, um das Gebäude auszusteifen. Aus gestalterischen Gründen und aus architektonischer Sicht sind natürlich so wenig Wände wie möglich gewünscht. Die Aussteifung haben wir dann hauptsächlich über die Wände in den Treppenhäusern und Aufzugsschächten erreicht, die über alle Geschosse durchlaufen. Um den Lasten gerecht zu werden, haben wir die Fassaden statisch als wandartige Träger mit großen Löchern berechnet. Obwohl wir das Gebäude im unteren Bereich komplett mit Stahlbeton konzipiert haben, war die Berechnung nicht ganz trivial“, ergänzt Astrid Knipp.


Lebhaftes und buntes Fassadenbild
„Die Tel-Aviv-Straße ist bereits gesäumt von Bürogebäuden und strukturierten Fassaden. Deswegen war es unsere Absicht, deutlich herausstellen, dass es sich hier nicht um ein weiteres Verwaltungsgebäude handelt, sondern um individuelles Wohnen. Diese Individualität sollte auch in der Fassade zum Ausdruck kommen. Wir wollten die Fassade zum einen mit den Frames, zum anderen aber auch mit den unregelmäßig versetzten Fensteröffnungen möglichst lebhaft gestalten. Daher haben wir uns für diese bunt aufgelockerte Fassade entschieden. So konnten wir natürlich auch sehr unterschiedliche Wohnungstypen anordnen. Denn jede Wohnung hat an der richtigen Stelle ihre Fenster und dadurch, dass die Wohnungen übereinanderliegend nicht gleich sind, ergibt sich dieses bunte Fassadenbild“, erläutert Boris Enning. Ein weiteres, besonderes Merkmal der Fassade sind die vor Ort aus Beton hergestellten Balkone mit grün eingefärbter Glasbrüstung, die wie Rahmen auf die Fassade gesetzt sind. Die vierseitigen Rahmen sind bis zu 2,50 Meter tief. Sie bilden für die darüberliegende Etage den Boden und für die darunterliegende Etage die Decke eines Balkons. Teilweise sind die Rahmen zwei oder dreifach gestapelt.


Konstruktion der Frames
„Aufgrund des großen Gewichts und der Auskragung von bis zu 2,50 Meter der Frames konnten wir hier nicht mit dem Isokorb für auskragende Deckenplatten arbeiten, den wir normalerweise für die Balkonbefestigung nutzen. Wir haben daher die seitlichen Wände für die statische Befestigung der Frames genutzt.“ erläutert Astrid Knipp vom bau|werk Ingenieurbüro die Problematik. Hierzu wurde eine Wandscheibe jeweils mit einem Isokorb Typ WXT und der innenliegenden Wand verbunden, die andere Wandscheibe ist mit einem in die Stütze abgebogenen Typ WXT in der Außenwand verankert, da hier keine innenliegende Wand für die Rückverankerung vorhanden war. Die oberen und unteren Deckenplatten sind lediglich mit dem Schöck Isokorb Ergänzungstyp HP-XT befestigt und liegen bzw. hängen somit auf bzw. an den Wandscheiben. Der Schöck Isokorb Ergänzungstyp HP-XT überträgt Kräfte sowohl parallel als auch senkrecht zur Dämmebene. Christoph Meul, Leiter Produktingenieure, von Schöck ergänzt: „Die Stärke der Wandscheibe war mit 20 Zentimetern relativ gering, daher haben wir mit der geringsten Dicke des WXT gearbeitet. Trotz der kleineren Dimensionierung konnten wir die wirkenden Lasten wie gefordert ableiten.“
Der Schöck Isokorb Typ WXT ist ein tragendes Wärmedämmelement mit 120 Millimeter Dämmkörperdicke für auskragende Wandscheiben. Das Element überträgt negative Momente und positive Querkräfte. Zusätzlich werden horizontale Querkräfte übertragen. Er besteht aus drei Teilen. Um die Gesamthöhe von 2,80 Meter zu erreichen wurde zusätzlich ein Dämmzwischenteil eingesetzt. So kann der Isokorb auf jede gewünschte Höhe angepasst werden.


Smart Living
Das Projekt 55 Frames erfüllt die urbanen Wohnansprüche der modernen Gesellschaft auf verschiedenen Ebenen und mit unterschiedlichen Formaten: Vom luftigen Penthouse über eine Vielzahl sehr individuell geschnittener, teils auch zweigeschossiger Wohnungen, bis hin zu den Townhouse- und Gartenwohnungen im Erdgeschoss. An allen Stellen des Gebäudes spürt man, dass sich der Architekt intensiv mit den Bedürfnissen der Bewohner auseinandergesetzt hat. Der Begriff „Smart Living“ geht weit über die Planung bedarfsgerechter Funktionsräume und effektiv eingesetzter Haustechnik hinaus. Boris Enning realisierte mit 55 Frames eine hohe stadträumliche Qualität, die inmitten der Kölner City hochwertigen Wohnraum mit der Abgeschlossenheit eines kleinen Quartiers schuf. Die namensgebenden Frames, die wie herausgezogene Schubladen unregelmäßig an der weißen Außenfassade hervorstehen, strukturieren das Gebäude und öffnen den Wohnraum nach außen, bieten dem Bewohner aber durch den umliegenden Rahmen Schutz und Geborgenheit. Die Befestigung der Betonrahmen schien bei diesem Projekt anfangs wegen des hohen Gewichts schwer realisierbar, doch mit Hilfe des Schöck Isokorb Typ WXT konnte die erforderliche Tragfähigkeit der auskragenden Wandscheiben und somit der „Frames“ problemlos erreicht werden.