Zeit und Raum

Eine Forschungsstation in den Berchtesgardener Alpen

Dominik Keul / Technische Universität Braunschweig
Aus dem Zwiespalt des immer währenden Forschungsdrangs unserer Gesellschaft, also dem rational Wissenschaftlichen und der emotionalen, spirituellen Dimension; dem anwachsenden Bewusstsein für unsere ursprüngliche Natur und den Einfluss, den wir auf diese ausüben, entsteht ein Spannungsverhältnis. Dieses Verhältnis steht im ständigen Kontrast zueinander, ist aber dennoch untrennbar miteinander verbunden. Innerhalb des Entwurfes drückt sich das entstandene Spannungsverhältnis durch Kontraste aus. Dazu gehört das Thema der Vertikalität und Horizontalität, der Massivität und der Leichtigkeit sowie der Lang- und Kurzlebigkeit.

Dieses Spannungsverhältnis bot die Idee für den Entwurf einer Forschungsstation auf der Gotzenalm in den Berchtesgadener Alpen. Aus dem Forschungsdrang entsteht ein Observatorium für Himmelsbeobachtungen. Zu der wissenschaftlichen Ebene addiert sich ein Planetariumsbereich, der für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Es entsteht ein Ort, an dem man den Himmel beobachtet, das Erforschte auswertet und aufarbeitet und mit den Besuchern diskutiert.

Das Gebäude folgt dem natürlich entstandenen Wegenetz der Alm und setzt dieses fort. Durch den schwebenden Bewegungsraum kann sich sowohl der Wanderer als auch die Natur ungehindert unter dem Gebäude bewegen, ohne dass das Gebäude Einfluss darauf nimmt.

Der Entwurf besteht aus zwei Bauteilen. Diese stehen, zum einen durch die architektonische Form, zum anderen auch durch die Nutzung und deren Dauer, im ständigen Gegensatz und Austausch zueinander.Die Kerne sind das tragende, dauerhafte Element und definieren ihre architektonische Wirkung durch Massivität und Geschlossenheit. Unterirdisch sind die Kerne miteinander verbunden, um neben der programmatischen Verbindung auch eine architektonische Verwurzelung an dem Ort zu erreichen.Im architektonischen Kontrast dazu steht der die vier Kerne umrahmende Bewegungsraum, der einen leichten, offenen, temporären architektonischen Ausdruck hat.

Aus den zwei Gegensätzen der Kernräume und des Bewegungsraumes entstehen unterschiedliche Halbwertszeiten. Im Winter werden die vier Kerne, die vor allem durch die unterirdische Verbindung unabhängig von den äußeren Bedingungen sind, durch Forscher genutzt. Im Sommer, wenn Wanderer die Alm besuchen, wird der Bewegungsraum durch öffentliche Nutzungen aktiviert. Aus der Forschungsstation wird ein Ort des Austausches zwischen Forschern und Besuchern. Das Gebäude thematisiert also das Zusammenspiel von Mensch und Natur und Menschen untereinander.

Doch bezieht man den Wandel nicht nur auf ein Jahr, sondern auf Jahrtausende, verändert sich das Gebäude auf andere Weise. Das vom Menschen Geschaffene gliedert sich in den natürlichen Zyklus des Kosmos ein. Wenn der flexible Bewegungsraum entfällt und lediglich die Kernräume bestehen bleiben, dann kann sich das Gebäude in die natürliche Gestalt des Ortes eingliedern, indem es ähnlich wie tief verwurzelte Felsen in der Gebirgslandschaft steht.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Braunschweig

Lehrstuhl:
Institut für Entwerfen und Raumkomposition | Prof. Volker Staab & Dr. Martin Peschken

Präsentation:
20.09.2018



Abschluss:
Master

Rubrik:
Technische Bauten

Software:
Allplan, Cinema4D, Photoshop, Illustrator, InDesign

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