WASSER|WERK

Werkraum Wien

Joline Imwolde / Technische Universität Wien
Dem Handwerk ein Zuhause geben. In diesem Sinne wird eine vergessene Ziegelarchitektur im 15. Wiener Bezirk zu einem neuen Zentrum für Handwerk erweckt. Ziel sollte es sein die Fassade und Struktur des Bestandes weitestgehend zu erhalten. Aus historischer Recherche geht hervor das die Halle ein Teil einer Gerberei war, umgeben von einem durch Handwerk geprägten Bezirk. Im 18. Jahrhundert formte ein Wasserlauf die urbane Struktur. Noch heute lässt sich der ‚Mühlarm‘ im Straßenverlauf ablesen. Auch der ehemalige Teich, welcher als Wasserreservoir der Gerberei diente, ist durch den feuchten Boden und die Geländeabsenkung vor dem Gebäude deutlich spürbar. Als denkmalpflegerische Geste wird diese prägende Wassersituation im Entwurf zurückgeholt und dient als Bezugspunkt, Klimaregler, Brücke und Geschichtenerzähler. Die große Geste geht noch einen Schritt weiter und lässt das Wasser in und durch das Gebäude fließen, wo es Atmosphäre erschafft und als bedeutendes Elemen  t des Handwerkes genutzt werden kann. Die vielfältige Rolle des Wassers im Handwerk reicht vom Gleit- und Dichtmittel, über heizen und kühlen bis hin zum Transportmittel.
 
Durch den Park hindurch werden die Besucher zum lebendigen Biotop gelockt und über die Bäckerei im Erdgeschoss in das Zentrum des Handwerkes eingeladen. Ein bis zum Dachstuhl offenes Foyer lässt den Blick über das gesamte Angebot des Ortes wandern und schafft Raum für Interaktion. Direkt gegenüber vom Eingang befindet sich der Workshop, wo Künstlerinnen und Handwerkerinnen aus den unterschiedlichen Werkstätten ihr wissen teilen und weitergeben können. Die Werkplätze verteilen sich über das Erdgeschoss und das 1. Obergeschoss und sind allen zugänglich. Im Dachgeschoss befindet sich das archivierte Wissens des Handwerks in Form von einer Material- und Bücher-Bibliothek. Büroräume für die Leitung des Zentrums überblicken durch eine Empore das große Ganze. Eine separat zugängliche Wohnung mit Atelier soll Anlaufpunkt für internationale Gäste werden und über Wien hinaus Wissen und Handwerk teilen. Das bestehende Treppenhaus wird als Verbindungsraum, durch temporäre  Ausstellungsstücke zur Präsentationsfläche und bietet weiteren Raum für Kommunikation.
 
Die Materialität wird durch den Bestand vorgeben, welcher sich durch seine massive Ziegelwände und die innenliegenden Gusseisenstützen auszeichnet. Ergänzt wird die Materialpalette durch Sichtbeton und das Wasser als Hauptelement. Durch Modellstudien wurde der Einsatz von Wasser in und um das Gebäude zu definierten Situationen geformt. Ein Schwellenraum zwischen belebtem Foyer und konzentrierter Arbeitsatmosphäre wird durch einen Wasserlauf im Erdgeschoss definiert, welcher ohne Barriere mit einer Brücke verbunden wird. Das rückwärtige Wasserbecken in Kombination mit den schmalen Fensterbändern bildet ein Lichtspiel an der Decke des Gebäudes und strahlt eine indirekte Beleuchtung in den Arbeitsraum.
Text von Joline Imwolde.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Wien

Lehrstuhl:
Raumgestaltung und Entwerfen / Prof. Dr. Franz Karner

Präsentation:
02.07.2020

Abschluss:
Bachelor

Rubrik:
Technische Bauten

Software:
Revit, Photoshop

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