Unearthing Platz 2

Vietnamesische Kriegsgedenkstätte und Museum bei den Tunneln von Cu Chi

Minh Nghi Lisa Vuong / Bauhaus-Universität Weimar
Die vietnamesische Gedenkstätte Cu Chi dokumentiert die unterirdischen Tunnelsysteme, die als Unterschlupf u. Basis für militärische Operationen der Vietcong genutzt wurden. Das Areal ist gestaltet, dass Profit über jeglicher Ethik erhaben ist. Man findet keinen respektvollen Umgang mit dem Kriegsschauplatz vor. Die Geschichte des Krieges wird einseitig erzählt. Die Trauer der Hinterbliebenen und die Kriegstraumata der Beteiligten werden im staatlichen Narrativ kaum thematisiert, stattdessen entstand ein Märtyrertum. Es gleicht einem Themenpark. Eine vollständige Aufarbeitung der Geschehnisse ist nicht möglich. Der Süden wird bei der Geschichtsaufarbeitung bis dato nicht miteingebunden. Eine Annäherung kann über Generationen nicht stattfinden, was für das Wachstum des Landes wichtig ist.
Der Entwurf versteht sich als Gegenentwurf zum heutigen Umgang mit der Staatserzählung Vietnams.
Ein Museum entsteht, wo man die Geschehnisse des Vietnamkrieges aus allen Blickwinkeln betrachten kann. Die Wunden sollen mit Hilfe eines architektonischen Erfahrungsraumes Beachtung finden. Durch Vergebung u. Reflexion können beide Parteien sich annähern u. die nächste Generation zu einer gemeinsamen Identität zusammenwachsen.
Das Museum erinnert an vietnam. Röhrenhäuser. Der Ausstellungskörper ist als langgestreckter Körper konzipiert. Die chronologische u. neutrale Darstellung der Geschichte wird durch die sichtbare Konstruktion unterstrichen. Der Besucher kann über gestaltete Nischen pausieren u. reflektieren.
Der Bambuswald verbindet über erhöhte Stege das oberirdische Museum mit dem unterirdischen Erfahrungsraum. Spuren des Krieges werden gezeigt. Eine Rampe führt in den Erfahrungsraum. Mit zunehmender Tiefe verengt sich die Rampe. Sie symbolisiert die Ungewissheit, mit der sich die Vietnamesen unter der Erde täglich auseinandersetzen mussten.
Im Erfahrungsraum eröffnet sich der Blick in die Mitte des Gebäudes als Orientierungspunkt. Um diese ist an 3 Seiten eine 4-schichtige Spange mit Aktionsräumen unterschiedl. Breite angeordnet. Auf der 4. Seite ist ein Relief der verschütteten Tunnel. Unterschiedliche Höhen entstehen durch die Durchdringung der Räume im Gebäude. Abhängig von eigenen Erfahrungen nimmt jeder die Räume anders wahr. Architektur u. Atmosphäre bieten den Raum, um sich mit der eigenen Gefühlswelt auseinanderzusetzen. In der Abgeschiedenheit ist Platz, um in sich hineinzuhören u. die verborgenen Wunden hochkommen u. heilen zu lassen. Es gibt keinen Rundweg. Man erfährt jedes Mal ein anderes emotionales Erlebnis. Mit zunehmender Tiefe öffnet sich die Spange. Im letzten Stock löst sich alles auf u. wirkt wie ein Befreiungsschlag aus der Enge. Das Geschoss gibt Zeit u. Raum zum Durchatmen. Die Säulen sind mit den Namen der Opfer eingraviert. Der Ausgang führt über Treppe auf eine Lichtung hin.
Angekommen wird man anders als zu Beginn von einer Leere inmitten des Waldes begrüßt. Ein Vakuum zum Nachdenken, Heilen; Potenzial für einen Neuanfang.
Text von Lisa Minh Nghi.

Campus Masters Wettbewerb


März / April 2022

Facts

Hochschule:
Bauhaus-Universität Weimar

Lehrstuhl:
Prof. Bernd Rudolf, Prof. Johannes Kuehn

Präsentation:
11.03.2021

Abschluss:
Master

Rubrik:
Kulturbauten

Software:
Vectorworks, Rhino, Vray, Photoshop

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