Tales from Trash to Treasure

Eine architektur- und medientheoretische Untersuchung des iPhones als Neue Architekturmaschine des 21. Jahrhunderts

Florian Bengert / Karlsruhe Institut für Technologie
Wir leben in einer Zeit der unbändigen Technikeuphorie gepaart mit immer größeren und schnelleren Innovationsschüben. Insbesondere die letzte digitale Dekade hat heimlich, still und leise alles und jeden erschüttert, auch die Architektur. Allen voran das Smartphone, das auf radikalste Weise reorganisiert hat, wie wir kommunizieren, arbeiten, wohnen und mehr. Da der Anspruch der Architektur die Gestaltung jetziger sowie zukünftiger Lebensräume sein sollte, müssen insbesondere wir als Architekten uns diesem technologisch induzierten Systemwechsel annehmen.
 
Neue Utopien sind gefragt, die sich den ökologischen und sozialen Herausforderungen stellen. Wir als Architekten müssen wieder in die Fußstapfen derer treten, die seit Anbeginn der Menschheit die Gegenwart kritisch hinterfragt und die Zukunft optimistisch erträumt haben – und das nicht gegen, sondern mit den Architekturmaschinen unserer Zeit. Denn derartige mediale und digitale Technologien erfordern ein neues Verständnis von Architektur, weil ihre wichtigsten Variablen nicht länger Baumaterialien und Stile sind, sondern der Mensch und dessen digitale Interaktion.
 
„Tales from Trash to Treasure“ basiert daher auf der Untersuchung des iPhones als neue Architekturmaschine des 21. Jahrhunderts. Dabei war das Ziel, ein architektur- und medientheoretisches Verständnis von Maschinenzeitaltern, Architekturmaschinen und Environments zu erlangen und so die digitale Dekade (mittels Banham, Flusser,Negroponte) zu kontextualisieren.
 
Unter dem Schirm von Alexanders „Pattern Language“ entstand eine neu aktualisierte Muster-Sprache, in der seine Patterns benutzt wurden, um die Environments der Neuen Architekturmaschine zu dechiffrieren und als gleichwertig architektonische Sachverhalte festzuhalten. Als Kurzschluss verschiedener Muster des Atlanten wurde anschließend ein Gebäude entwickelt, um als „stehendes Jetzt der Möglichkeitsräume“ mit dem Smartphone verbundene soziokulturelle Phänomene entwurflich festzuhalten, zu kommentieren und räumliche Rückschlüsse zu ziehen.
 
Der Gegenstand, von dem der Entwurf dabei ausgeht, ist das Gesetz von Gebrauch und Verschleiß. Denn während die meisten Kleingeräte weggeworfen werden sobald sie veraltet oder eben kaputt sind, hat sich die Wegwerfmentalität auf das Smartphone nicht übertragen. Millionen alte Handys verstauben so in Schubladen, den Rohstoffzellen unserer Häuser. Städte werden sich gezwungen sehen architektonische Maßnahmen zu ergreifen, um diese anthropogenen Lagerstätten zu erschließen, da bislang kaum Anreiz für die Bevölkerung bestand, die Altgeräte zu recyceln.
Technik wird der zirkulierende Rohstoff der Zukunft eines neuen Edelmetall-Zeitalters sein. Der Entwurf könnte als Mühle des 21. Jahrhunderts bezeichnet werden, ein innerstädtischer Ort, der die Altgerät-Abgabe über ein Anreizsystem mittels Wertstoffbörse oder diversen Backup-Stationen inszeniert und gleichermaßen mit dem Neukauf im Store-Bereich, ausgebildet als dromologische Landschaft im Schutze eines künstlichen Funklochs aus kupfernem Blech, überlagert.

Campus Masters Wettbewerb


Mai / Juni 2018

Facts

Hochschule:
Karlsruhe Institut für Technologie

Lehrstuhl:
Raum und Entwerfen, Prof. Marc Frohn

Präsentation:
18.10.2017

Abschluss:
Master

Rubrik:
Experimentelle Entwürfe

Software:
Vectorworks, Photoshop

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