Supergrid

Wohnen auf dem Discounter

Anastasija Masalskaja, Dimitra Megas / Technische Universität Berlin
Wie wollen wir heute und morgen in der Stadt leben? Das Thema der Masterthesis befasst sich mit einer der elementaren Architekturaufgaben - dem städtischen Wohnen. Die Bevölkerung in Berlin wächst stetig und damit auch die Nachfrage nach Wohnraum. An der S-Bahnstation des Berliner Hauptbahnhofs möchte die große Supermarktkette Aldi ein Wohngebäude entwickeln mit einem Aldi-Supermarkt im Erdgeschoss.
 
Wir sahen das als eine Gelegenheit, die Nutzungen eines Supermarktes, einer gemeinsamen Küche und des sozialen Wohnens miteinander zu verbinden. Wir haben unsere Idee auf den Text von Pier Vittorio Aureli und Martino Tatara (DOGMA) basiert, -‚Produktion / Reproduktion: Wohnen außerhalb der Familie’(2015). Darin erklären sie, wie im heutigen Alltag unsere Aktivitäten, die unserer ,Reproduktion’ dienen, sowie Schlafen, Essen, Baden, zu unserer besseren ,Produktion’ am Arbeitsblatz führen. Darauf basiert, erfolgte die Planung von Wohnungen seit den 20er Jahren, mit einer starken Funktionstrennung zwischen Küche, Kinder-, Schlafzimmer etc. Das bildete eine Grundlage zur Entstehung der s. g. Kernfamilie. Heutzutage im Rahmen der aktuellen Wirtschaft entstehen neue Formen des Zusammenlebens. Sie werden von z. B. Freiberuflern, alleinziehenden Eltern, ankommenden Studenten bzw. Arbeitskraft herausgebildet.
 
Darüberhinaus möchten wir aktuelle Wohntypologien im Hinblick auf kollektiver Solidarität, Zusammengehörigkeit und kollektivem Eigentum neu durchdenken und in der räumlichen Reorganisation des Wohnens eine Lösung des Problems der Reproduktionsarbeit finden. Bezugnehmend auf die Idee der Vergesellschaftung der Reproduktionsarbeit haben wir uns gefragt, wie kann man zusammenleben, wenn die häusliche Arbeit von allen geteilt wird? In diesem Sinn wird das Kochen als typische häusliche Arbeit betrachtet. Dieser Aktivität in Form einer gemeinsamen Küche wird ein Raum neben dem Supermarkt im Erdgeschoss gewidmet.
 
Der Gebäudekomplex besteht aus zwei Dominanten – einem horizontalen Sockel und einem vertikalen Wohnhochhaus. In den ersten Geschossen des Wohnhochhauses befinden sich kleine Wohnungen, die teilweise keine Küchen haben. Die benötigte Wohnausstattung soll aus Servicewänden bestehen. Sie beinhalten verschiedene kompakte Räume wie z. B. Badezimmer, Abstellräume, Schlafalkoven und ggf. Küchen. Der restliche große Flächenanteil ist frei von den Bewohnern zu gestalten. Es gibt keine Funktionstrennung, nur Grade der Gemeinschaftlichkeit. Alle Wohnungstypologien folgen dieser Grundidee. In den vier Geschossen darüber sind größere Wohnungen mit 88 m² angeordnet. Sie verfügen über zweigeschossige gemeinschaftliche Räume, die adaptionsfähig sind. Die größten Wohnungen liegen in den oberen vier Etagen.
 
Der Stahlbetonskelettbau wird nicht komplett mit Räumen gefüllt. Die leeren Räumlichkeiten des Tragwerkgerüstes stehen zum Testen, Erfinden neuer Nutzungen oder zur Adaption durch Wohnungen zur Verfügung. Das sind die Möglichkeitsräume.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Berlin

Lehrstuhl:
Entwerfen und Baukonstruktion, Prof. Pasel

Präsentation:
03.04.2019

Abschluss:
Master

Rubrik:
Wohnbauten

Software:
AutoCad, ArchiCad, RHino, Photoshop, Illustrator

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