Revitalisierung der Zitadelle in Erbil

Inwieweit kann Architektur eine vielschichtige Gesellschaft zusammenführen?

Chia Cory / Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
Eine Analyse der historischen, örtlichen und kulturellen Gegebenheiten zeigt, dass Architektur eine vielschichtige Gesellschaft näher zusammenführen kann. In Erbil gibt es einige Orte die von unter- schiedlichsten Bevölkerungsgruppen besucht werden. Und dort setzt mein Entwurf an.

Ziel war es, mehrere Orte zu schaffen, an denen Menschen unterschiedlichster Konfessionen und Herkunft eine Plattform des Austausches haben, so wie zum Beispiel die Therme der Ursprung des Hammam einer war. Somit bot der Hammam den Menschen einen offenen und außergewöhnlichen Treffpunkt zur Kommunikation. Ich überlegte mir einige Neuerungen für die Zitadelle, um für solche neue Treffpunkte der Kommunikation Platz zu schaffen. So wurde auch ein Souk entworfen. Einen Markt gibt es in der heutigen Zitadelle nicht. Das war für mich Grund genug, einen solchen Bereich zu entwickeln, um einen weiteren Raum zur Kommunikation zu bieten. Jede funktionierende Stadt im islamischen Raum benötigt einen Marktplatz, so etwa mit Tuch- oder Obsthändlern, die Dinge für den täglichen Bedarf anbieten. Man trifft sich an Ständen und tauscht sich über interessante Themen aus. Zusätzlich entwickelte ich zum neuen Anbau des Hammam und dem Souk, eine „neue“ Madrasa.

Gemäß der Typologie ist diese im Moment eine Koranschule und nicht für Mitglieder anderer Konfessionen zugänglich. Meine Idee ist es, eine weltoffene „Schule der Lehre“ zu entwerfen, die für jeden zugänglich sein soll. Menschen, die nicht dem Islam angehören, sollen die gleichen Möglichkeiten haben, auf einer humanistischen Schule zu studieren. Ein großer Treffpunkt für alle ist dabei der Innenhof der „neuen“ Madrasa. In diesem können Gelehrte mit unterschiedlicher Haltung kommunizieren, essen oder zusammenleben. Nebeneinanderliegende Unterkünfte sollen das Bild einer „gemeinsamen Schule“ zusätzlich unterstreichen. Der Zugang zur Moschee wird ein Brunnenhaus, das als Verteilerraum zwischen Moschee und Hammam dient. Schließlich wurde das Forum als Treffpunkt für Veranstaltungen, Ausstellungen und zur Informationsbeschaffung zur kurdischen Geschichte entworfen. Somit sollten sämtliche geplanten Eingriffe den historischen Bestand lediglich unterstützen und n  icht in das Wesentliche eingreifen. Ziel des „schonenden Eingriffs“ war es, die erhaltene Substanz behutsam zu bereinigen, zu öffnen und zu verdichten. Räumliche und chronologische Zusammenhänge sollten wieder lesbar werden. Als neutralen Ort „Raum der Kommunikation“ für die vielschichtige Gesellschaft Erbils wurde der Hammam ausgewählt. Einen geeigneten Standort bietet dieser durch seine entrale Lage an der Hauptachse und durch die von anderen kulturellen Einrichtungen geprägte Umgebung. Nach Analyse der Bestandssituation konnte auf Grundlage historischer Zeugnisse, die die zielführende Entscheidung untermauern, wie beispielsweise die behutsame Umleitung der Hauptachse und die Verdichtung des Mittelpunktes der Zitadelle, ein neuer Ort der Begegnung geschaffen werden.

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Facts

Hochschule:
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Lehrstuhl:
Prof. Nadja Letzel, Prof. Ingrid Burgstaller

Präsentation:
31.08.2017

Abschluss:
Master

Rubrik:
Hybride Nutzung

Software:
Archicad, Photoshop, Indesign, Rhino


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