Reuse. Reactivate. Rodina

Transformation und Revitalisierung des ehemaligen Verlagskomplexes "Rodina" in Sofia, Bulgarien

Mihaela Antonova / Technische Universität Berlin
Bulgarien ist als eins der ärmsten Länder der EU bekannt - das Durchschnittseinkommen pro Haushalt reicht gerade aus, um grundlegende Ausgaben zu decken. So können sich viele junge Leute nicht leisten, auszuziehen und wohnen jahrelang bei ihren Familien. Das führt zu einer Überfüllung des Wohnungsbestands und einer niedrigeren Lebensqualität. Trotz der Tatsache, dass ein Fünftel der Landesbevölkerung in der Hauptstadt Sofia wohnt, mangelt es dort an Wohnalternativen für Studenten, Berufseinsteiger und junge Familien. Ein möglicher Lösungsansatz dafür ist die Umnutzung des Bestands, der zahlreich vorhanden ist, und die Arbeit mit Hybriden. Dieses Potential bleibt Politikern und Stadtplanern jedoch unerschlossen. Es wird weiterhin monofunktional und typologisch gleich gebaut. 

Das Entwurfsgebiet liegt an einer der Hauptstraßen in Sofia und ist durch die autogerechte Infrastruktur und das verlassene Skelett des um 1985 geplanten Verlagskomplexes „Rodina“ geprägt. Ein Riese aus Stahlbeton, der mitten in einer Baugrube sitzt und sich über dem Kontext erhebt. 

Das Konzept wurde vom mittelalterlichen Kloster inspiriert, wo Wohnen, Arbeit und Produktion in Synergie existierten und trotz der baulichen Abschottung nach außen, innen ein reger Austausch stattfand. Das Prinzip spiegelt sich in die Erweiterung des Bestands wider. Der neue Körper ummantelt wie eine Klostermauer den alten Sockel entlang der Baugrube. So wird eine Ruhe an der Straßenfront erzeugt und der Lärm reduziert. Der Neubau erhöht die bauliche Dichte auf dem Grundstück und bietet mehr Raum für Programme, die günstiges Wohnen querfinanzieren können. Es entsteht ein Hybrid aus vielfältigem Wohnen, produktivem Sockel und öffentlichen Nutzungen - ein Prototyp für Sofia, ein Katalysator für die Umgebung.

Der neue Sockel schließt nach außen mit einer Polycarbonatschicht ab: die wenigen Aussparungen markieren Eingänge, Anlieferungsstellen und öffnen Blicke zum Grünen. Einmal in das Ensemble eingetreten, öffnet sich ein anderes Bild. Ein Gefüge aus Brücken, Laubengängen und Treppen verbindet die Geschosse; bodentiefe Fenster bieten Einblicke in das Arbeits- und Produktionsleben. Die Produktion wird gezielt nicht von den anderen Nutzungen getrennt – die innere Organisation des Entwurfs lebt von dem Zusammenspiel der diversen Programme. Die Gänge und Laubengänge schaffen einen reibungslosen Logistikfluss aber auch die Möglichkeit zum Erweitern der Studios auf einem öffentlichen Rundgang. Im Sockel werden noch soziale, kulturelle und Freizeitangebote angeordnet, so dass die Öffentlichkeit bis zur letzten Ecke eingeladen wird, das Gebäude zu erkunden. 

Die Wohnungsmatrix in den Türmen beruht auf einem möglichst flexiblen Ausbau und ermöglicht geschossweise eine bunte Mischung der Typen. Besonders den kleinsten Einheiten kommen ein Gemeinschaftsgeschoss und 2 Dachterrassen zu Gute, die zusätzlich zum Sockel als zentrale Anlaufstelle für alle Bewohner des Hauses dienen und die Türme verbinden.

Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2020

Facts

Hochschule:
Technische Universität Berlin

Lehrstuhl:
Labor für Integrative Architektur / Prof. Finn Geipel

Präsentation:
19.05.2020

Abschluss:
Master

Rubrik:
Hybride Nutzung

Software:
baunetz.de, BauNetz Newsletter, Freunde/Bekannte, Facebook, Instagram

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