Neues Wohnen

Wohnbebauung Marzahn-Hellersdorf

Henk Wendtland / Technische Universität Braunschweig
Eine ohnehin schon, durch mangelnden bezahlbaren Wohnraum, angespannte Wohnsituation in Deutschland wurde weiterhin verschärft, indem die Corona-Krise aufgezeigt hat, wie deutlich die bestehende Architektur der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinkt.
Ein wesentlicher Grund für den Mangel an bezahlbaren Wohnungen sind die explodierenden Bodenpreise in deutschen Innenstädten. Über Jahrzehnte wurden Grundstücke und landeseigene Genossenschaften dem freien Markt zur Verfügung gestellt, mit der Illusion, dass der Markt das Angebot nach der Nachfrage regelt. Unser Wohnraum wurde somit gleichgestellt mit der Butter im Kühlregal. Seit der Wende 1989 hat das Land Berlin ca. 50% seiner Grundstücke an den Meistbietenden verkauft. Das entspricht einer Größe des Bezirks Kreuzberg-Friedrichshains. (21mio.qm). Noch absurder wird es, wenn man sich den durchschnittlichen Bodenpreis der verkauften Flächen von 1989-2018 anschaut. Für lediglich 200€/qm wurde im Schnitt der Boden verkauft. So wurden rund 5,2 Milliarden Euro eingenommen. Zum Vergleich: Schulden, die das Land Berlin Stand 2018 hat = 57 Mrd.€.
Somit ist es ohne staatliche Förderung quasi unmöglich bezahlbaren Wohnraum in Zentrums Nähe zu errichten, da der Bodenpreis bis zu 70% des gesamten Bauvorhabens ausmachen kann.
Um eine stabile Rendite bei diesem angespannten Wohnungsmarktes weiterhin gewährleisten zu können, hat sich in der breiten Gesellschaft der Neohistorismus durchgesetzt. Diese Architektur hat sich zur Aufgabe gemacht historische Vorbilder zu kopieren, da diese einen Mehrwert assoziieren. Das Problem hierbei ist nur, dass die mit Uhu geklebten klassizistischen Plastikfassaden, keinerlei Antworten auf unsere heutige gesellschaftliche Entwicklung aufzeigen. Laut dem statistischen Bundesamt werden in 20 Jahren pro Haushalt im Schnitt 1,9 Menschen leben. Das bedeutet, dass ca. 19 Mio. Menschen alleineleben werden.
Gleichzeitig nimmt unser Flächenbedarf pro Kopf zu, was zum einen am Konsumverhalten liegt, aber auch an Rentnern, für die es mit ihren alten Mietverträgen in keiner Weise wirtschaftlich ist aus ihrer Wohnung auszuziehen.
So verbraucht im Schnitt ein Rentner pro Kopf ca. 59 qm Wohnfläche.(Stand 2018)
Text von Henk Wendtland.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Braunschweig

Lehrstuhl:
IEB Prof. Dan Schürch

Präsentation:
26.03.2021

Abschluss:
Master

Software:
Vectorworks, SketchUp

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