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Januar / Februar 2020

Universität Kassel

Kulturhybrid Mitte

multifunktionale Erweiterung der Berliner Eisfabrik

von Andreas Göbert, Harun Faizi

Hochschule:

Universität Kassel

Abschluss:

Master

Präsentation:

26.03.2019

Lehrstuhl:

FG Tragwerksentwurf / Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Manfred Grohmann

Rubrik:

Kulturbauten

Software:

Rhino / Grasshopper / Karamba / Adobe CC

Der moderne Städtebau ist heute stark geprägt von den Interessen der Investoren, stets bemüht möglichst hohen Profit aus neuen Bauvorhaben zu generieren und damit Räume in Geld zu verwandeln. Damit ist unsere gebaute Umwelt häufig von den Zielen des Profits beeinflusst, anstelle auf die Bedürfnisse der Bewohner zu reagieren. In Zeiten von stetig steigenden Grundstückspreisen bleiben so leider auch Orte der Begegnung und Raum für Kultur auf der Strecke. Gleichzeitig sind attraktive Grundstücke in Großstädten mit hohem Bedarf nach diesen Orten äußerst rar. Dabei liefern gerade leerstehende Industriebrachen, die die Identität des historischen Stadtbilds prägen und somit bereits Kultur verkörpern, ungenutzte Potenziale und können anstelle eines Abrisses durch Erhalt, Erweiterung und Umnutzung für faszinierende Kulissen sorgen.
Einer dieser Orte ist die unter Denkmalschutz stehende Eisfabrik im Berliner Stadtteil Mitte, die zu den ältesten Eisfabriken Deutschlands zählt. Dieses Relikt vergangener Tage befindet sich auf einem Gelände im industriegeprägten Bereich des Spreeufers. Über den Umgang mit dem Baufeld wurde stark diskutiert. Trotz Denkmalschutz plant ein Investor den Abriss der alten Eisfabrik und den Neubau von Wohnungen. Anwohner wehren sich lautstark gegen den Abriss und für den Verbleib des historischen Gebäudes.

Diesen Gedanken greifen wir auf und antworten auf die aktuelle Nachfrage nach Orten mit Kulturangeboten durch einen Erweiterungsbau für eine multifunktionale Kulturstätte auf der Freifläche. Sie soll die alte Identität durch einen respektvollen Umgang mit dem Bestand bewahren und gleichzeitig ein neues Gesicht für den Stadtteil formen. Das vielseitige Raumprogramm bleibt dabei möglichst wandelbar und wird auf die jeweilige Nutzung abgestimmt. Gleichzeitig entstehen gemeinschaftlich flexibel nutzbare Bereiche, die den Nutzern einen Kommunikations- und Interaktionsraum bieten und vielfältig bespielbar sind.
Die Nutzungseinheiten werden unter einer fortlaufenden Überdachung integriert. Dabei wird sich intensiv mit dem Tragwerk der neuen Struktur auseinandergesetzt. Diese verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Eine schnittstellenfreie Bearbeitung von Architektur und Tragwerk, die durch einen integrativen Entwurfsprozess und statischer Optimierung sowohl Tragwerk als auch Architektur bereichert. Die Konstruktion wird dabei als gestaltbildendes Element eingesetzt, das sich gleichzeitig hinsichtlich des Entwurfs anpasst und so eine Balance zwischen Tragwerks- und architektonischen Gestaltungszielen schafft. Der Entwurf beschäftigt sich intensiv mit der Frage des Stützenrasters, das sowohl Stützenfreiheit der einzelnen Nutzungseinheiten gewährleistet, als auch eine hohe Flexibilität in der Bespielung der öffentlichen Bereiche mit verschiedenen Nutzungsszenarien ermöglicht. So kommuniziert der Entwurf auch visuell den Lastabtrag und sorgt, abgesehen von einem optimierten Tragsystem, für einen ausdrucksstarken architektonischen Entwurf.