Kategorie der Neutralität

Struktur als Genetik der Architektur

Alexander Metche / Technische Universität Berlin
Eine rein städtebauliche Lösung kann es auf kulturelle und gesellschaftliche Probleme nicht geben. Diese lassen sich nicht unmittelbar durch architektonische Formen lösen. Diese Probleme sind keine linearen Entwicklungen und beanspruchen einen für Städteplaner und Architekten nie endenden Lernprozess.
 
Neutralität
 
Der Raum als Behälter besitzt ohne eine funktionelle Unterteilung eine ganz besondere und spezifische Qualität: Die ganzheitliche Erfahrung aller Grundelemente. Grundelemente wie Kern, Hülle, Tragstruktur, Schächte und Gebäudeinstallationen. Ein Raum, der auf das Nötigste reduziert ist. Ein neutraler Raum, der die generische Komposition aller Funktionen zulässt.
 
Der ursprüngliche architektonisch generische Raum muss demnach – trotz aller temporären Einrichtungen – erfahrbar bleiben. Die Grundelemente müssen zusammenhängend sowie signifikant ausgebildet und in eine nachvollziehbare Beziehung gebracht werden. Die Mehrheit aller neutralen Gebäude setzt sich von dieser spezifischen Qualität durch eine Unterteilung ab und wird lediglich zu unbestimmten Räumen. Räume, fern von Eigentümlichkeit.
 
Struktur
 
Die Struktur mag auf den ersten Blick formalistisch wirken, doch derjenige, der die Form begreift, entschlüsselt alles als äußerst logisch in Bezug auf Statik, mögliche Raumhöhen und spezifische, generische Raumqualitäten. Ausgelochte, ineinander verschränkte Wände bilden diese klare und prägnante Form. Statisch bildet die Struktur eine Aussteifung durch biegesteife Rahmenbildungen und wird dadurch ein selbstaussteifendes Tragwerk.
 
Ein statischer Kern ist nicht notwendig. Der „Kern“ dient lediglich als Erschließung und für vertikale Leitungsführungen. Da der Kern nicht statisch veranlagt ist, ist es möglich, diesen binnen Jahren für neu benötigte Raumkonfigurationen zu versetzten.
 
In einer abgetrennten Raumkonfiguration soll die Struktur – trotz ihrer Verschiedenartigkeit – in ihrer möglichen Konstellation nicht individuell (als Ausschnitt), sondern als System verstanden werden, das insgesamt ein Ganzheitliches bildet.
 
Der Kreis als Denkfigur, ein geometrisches Element und die vollkommenste Form, ohne Anfang und Ende. Das Fragment eines Kreises kann immer zu Ende gedacht werden und ermöglicht dem Betrachter – bei Abgrenzung der Struktur durch Deckenböden oder Wände – die deutliche Vorstellung eines wesentlich größeren Raumes. Es entsteht eine klare, ganzheitliche Erfahrung der Struktur. Ein gedachter Raum, wenn man so will, der außerhalb einer klar definierten Grenze existent wird.
 
Die innere Kreisstruktur wird als statisches Auflager für undefinierte Höhenanordnungen genutzt, damit eine individuelle Raumsituation geschaffen werden kann. Die Struktur ist in ihrer Eigentümlichkeit horizontal sowie vertikal expansionsfähig. Sie zeigt die benötigte Räumlichkeit des jetzigen Zeitgeistes und aller vergangenen. Sie passt sich dem Lebensraum durch ihre Variation an. Ein klassischer Organismus.

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Facts

Hochschule:
Technische Universität Berlin

Lehrstuhl:
CODE - Construction | Design, Prof. Pasel

Präsentation:
04.04.2019

Abschluss:
Master

Rubrik:
Hybride Nutzung

Software:
ArchiCAD, Cinema4D, Unreal Engine 4, Rhino3D, Karamba3D, Photoshop CC

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