Ein Refugium im Steinbruch

Ein Rückzugsort als Neuinterpretation der Typologie Kloster

Christian Hertlein / Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm
Wir entwickeln uns immer mehr zu Nonstop-Aktivisten im Bemühen Zeit zu sparen und Pausen zu minimieren. Der wachsende Leistungsdruck im privaten sowie beruflichen Umfeld und die ständige Suche nach Zugehörigkeit lassen dabei keine Entschleunigung zu, nach der das Bedürfnis doch eigentlich so groß ist. Viele Menschen finden diese Ruhe im Kloster auf Zeit.
Dennoch gehen, aufgrund fehlender religiöser Motivation die Zahlen aktiver Klöster rapide zurück. Der Ausarbeitung der Arbeit ging eine ausführliche architektonische Analyse alter Klöster voran und interpretiert deren besondere Atmosphäre und räumlichen Zusammenhänge im weltlichen Kontext in einem stillgelegten Steinbruch nahe Bamberg neu.

Die Kubatur des Entwurfes und dessen Teilung in vier zueinander versetzte Volumina begründet sich in der Logik des Steinbruchs und ergibt sich aus der dortigen Wegeführung. Vom obersten Plateau blickt man in den Kessel und nimmt den Bau als kompakt geschlossene Anlage wahr, die wie ein Solitär aus dem Steinbruch herauswächst. Folgt man dem gewundenen Pfad nach unten, dreht sich das Refugium mit der Änderung der Blickperspektive des Ankommenden und öffnet sich ihm zunehmend.

Der größte der vier Baukörper beherbergt erdgeschossig den Küchen- und Speisetrakt sowie Gruppenräume die Platz zur gemeinsamen Diskussion bieten. Über in Wände eingelassene Treppen erreicht man, vorbei an zweigeschossigen Aufenthaltsbereichen die Eingänge der Maisonette-Wohnungen mit Ausblick in den Steinbruch.

Rechterhand des Hauptgebäudes befindet sich der Andachtsraum mit seinem kleinen innenliegenden Garten. Dort soll, vor allem über gezielte Lichtführung, bei bedächtiger Atmosphäre, Raum zur Kontemplation geboten werden.

Linkerhand wird das Areal durch einen schmalen, hohen Turm mit kleiner Kapelle begrenzt und findet im Norden seine vierte Ecke durch die Werkstatt, in der aus gemahlenem Kalkstein Papier hergestellt werden soll.

Um den Eindruck zu erzeugen, das Refugium sei aus dem Steinbruch erwachsen, wurde für das Fassadenmaterial aller Baukörper Kalkstein gewählt, der in loser Fügung vorgemauert wird. Im Innenraum wechselt das Material zu Sichtbeton bei allen Wänden. Die eingebauten Möbel, die eingelassenen Wände und die Wohnzellen werden mit einer Lattung aus geölter Fichte verkleidet, was eine Verbindung zur dichten Bewaldung um den Steinbruch herum aufbaut.


Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2018

Facts

Hochschule:
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Lehrstuhl:
Prof. Michael Stößlein, Prof. Hubert Kress

Präsentation:
12.02.2018



Abschluss:
Master

Rubrik:
Kulturbauten

Software:
Vectorworks 2017, Renderworks, Photoshop CS6

Weitersagen


Ergebnis erfahren

Wir informieren dich über den Ausgang des Wettbewerbs per Email oder Facebook