Botanical City

Eine botanische Vision für Berlin

Lilith Unverzagt / Universität der Künste, Berlin

0 Vorwort
Die Neubetrachtung der Interaktion miteinander und mit der Umgebung ist Voraussetzung für den Umgang mit katastrophalen klimatischen Veränderungen.
Wir brauchen Räume, die ein gesellschaftliches Umdenken fordern und bewirken, die nicht klar kategorisierbar sind und sich zwischen Innen und Außen, zwischen Natur und Stadt bewegen - Räume die Dichotomien aufheben, die weder das Eine noch das Andere sind, sondern beides.
Botanical City ist ein Ansatz, der den Kontrast zwischen bepflanztem und bebautem Raum auflöst. Es ist ein Gewächshaus, ein Gemeinschaftszentrum, ein Platz, ein Garten, eine Reise; der Versuch eines neuen Gebäudetyps, einer Collage, die aus bekannten Typen hervorgeht, das Erbe der Moderne berücksichtigt und auf der Vision einer achtsamen und ökologischen Zukunft aufbaut.

1 Botanik
Der Entwurf integriert Pflanzen in das Gebäude und macht die Naturräume über die Ebenen erfahrbar, wobei unterschiedliche Pflanzen hervorgehoben werden - gewöhnliche, alltägliche, aber auch gefährdete Arten. Es entsteht ein auf engem Raum zusammengefasstes Abbild urbaner Ökologien. Die Umgebung dient atmosphärisch und botanisch als Vorlage für die Naturräume im Gebäude und verknüpft es mit der Stadt und ihrer Geschichte.

2 Ort
Der Ort ist ein Parkdeck des Lidl Konzerns und liegt in Berlin-Schöneberg. Die vorhandene Betonstruktur besteht aus dem Raum unterhalb und dem Parkdeck, das 6 m höher ans Straßenniveau anknüpft.
Die Struktur wird weitgehend belassen, ebenso der Supermarkt, jedoch um zwei Ebenen erweitert und durch ein Atrium vertikal verbunden.
Die resultierenden vier Ebenen haben unterschiedliche Charaktere: Ebene 0 wird zur Halle, Ebene 1 zum Platz auf Straßenniveau, Ebene 2 und 3 zu blühenden Gärten.

3 Raum & Zeit
Die Naturräume werden über die Bewegung durch den Raum über eine Rampe erfahrbar. Dabei verbinden sich die wahrgenommenen Sequenzen zu einem räumlichen Kontinuum.
Während die Rampe auf metaphorischer Ebene an die Idee einer Reise durch die Stadt anknüpft, vereint der vertikale botanische Garten programmatisch wissenschaftliche (Herbarium, Labor, Gewächshaus) und gemeinschaftliche (Werkstätten, Ateliers) Funktionen, die nach Bedarf als offene Räume oder geschlossene "Infill-Strukturen" in die Konstruktion eingefügt werden.
Form und Farbe des Gebäudes werden sich im Laufe der Zeit je nach Jahreszeit und Nutzung verändern. Der Prozess ist in das Gebäude eingeschrieben - es wächst mit dem Plan und der Plan wächst mit ihm.

4 Konstruktion
Das Gebäude ist in Holzskelett-Fertigteilbauweise geplant und nimmt das Stützraster des Parkdecks auf (6x6m). Glasdach und -fassade bilden eine transparente Hülle. Der resultierende Treibhauseffekt ist im Winter erwünscht und wird im Sommer durch das Öffnen des Daches über dem Atrium vermieden. Warme Luft entweicht, während kalte Luft durch die bepflanzten Bereiche im Rankgerüst hereinströmt. Diese dienen als natürliche Luftfilter und verschatten im Sommer die Fassade.
Text von Lilith Unverzagt. 


Campus Masters Wettbewerb


Juli / August 2022

Facts

Hochschule:
Universität der Künste, Berlin

Lehrstuhl:
Matthias Noell, Christoph Gengnagel, Jeanne-Francoise Fischer

Präsentation:
08.06.2021

Abschluss:
Master

Software:
Archicad

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