Arrivare a Venezia

Von der räumlichen und sinnlichen Erschließung eines möglichen Venedigs

Jana Ring / RWTH Aachen
Das italienische „arrivare a“ meint ebenso das Ankommen an einem Ort wie das Auskommen bei einem Gedanken, das mentale und/oder sinnliche Durchdringen eines Kontextes, und gibt damit Hinweis auf das grundlegende Anliegen der Arbeit: Eine breit angelegte Recherche versucht ein tiefergehendes Verständnis für die räumliche und sinnliche Erschließung Venedigs zu entwickeln. Dabei entsteht eine Referenzen- und Gedankensammlung, die Stadtbaugeschichte und -ikonographie, Landschaft und Morphologie, Struktur, Stadtpolitik und Statistik befragt und vor deren Hintergrund allgemeine Überlegungen zur Ankunft, zur Geschwindigkeit, zum Ablauf und zur Kultur des Reisens im Entwurf Raum und Form finden.
 
Zugleich begleitet die Arbeit ein gewisser Trotz gegen die nie verstummenden Klagen um den drohenden Untergang der Stadt, die erst Dank des ihnen zu Grunde liegenden Konservatismus zur selbsterfüllenden Prophezeihung zu werden scheinen. Mit der Annahme, dass die viel thematisierte Problematik des Massentourismus weniger als quantitative Schwierigkeit, denn als organisatorische Herausforderung zu begreifen ist, will das hier gezeichnete Bild von Venedig im Rahmen des so unmöglich erscheinenden Möglichen argumentieren.
 
Diese Überlegung konkretisiert sich im Entwurf der Ankunft. Grundsätzlich stellt die Recherche - in struktureller wie in ideeller Hinsicht - die vollzogenen Zentralisierung der Stadterschließung in Frage. Damit stehen auch der Bedeutungsanspruch und der wiederkehrende Versuch einer Umgestaltung des bestehenden Stadttores an der Piazzale Roma zur Diskussion. Stattdessen finden drei neue Inseln im großen Stadtplan von Venedig ihren Platz - Vermittler die sich zwischen dem Besucher und der Stadt in den wichtigsten Richtungen der Anreise positionieren; kleine Häfen, welche die Verteilung und den Umstieg der Ankommenden auf kleinere Linienboote organisieren; Vorposten der Stadt im Landschaftsraum der Lagune, die ihre Form im Dialog mit der versunkenen Landschaft generieren und im verlorenen Bedeutungs-Zusammenhang des Archipels argumentieren; Typologien, die sich weiter in spezifischen Raumfolgen entsprechend der bedachten Art und Weise der Ankunft differenzieren; Architekturen, die  sich sprachlich innerhalb des vorgefundenen, unerschöpflichen Vokabulars artikulieren; Wegstationen, die sich auch als Orte des Verweilens präsentieren und den Strom der Reisenden räumlich und zeitlich zu brechen vermögen; Prismen, die sich nicht zuletzt darin versuchen, die Eigentümlichkeiten der Reisenden und der bereisten Stadt zu reflektieren und miteinander in Beziehung zu stellen.

Campus Masters Wettbewerb


November / Dezember 2018

Facts

Hochschule:
RWTH Aachen

Abschluss:
Master

Rubrik:
Städtebau

Software:
Archi CAD, Photoshop

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