Ancien Gare Maritime, Arles 1 Platz 2

Felicitas Schoebel / Bauhaus-Universität Weimar
Das Ziel ist es, ein innerstädtisches Wohnquartier mit besonderer Lebensqualiät für unterschiedliche Nutzergruppen zu schaffen. Unter Berücksichtigung der historischen Spuren des Ancien Gare Maritime und der angrenzenden vorhandenen Strukturen soll an den Kern Trinquetailles, einem Stadtteil gegenüber der Altstadtseite Arles, angeknüpft und die Stadtansicht vervollständigt werden.

Städtebau

Das Projektgebiet befindet sich auf einem ehemaligen Industriehafengelände auf der gegenüberliegenden Rhôneseite der Altstadt Arles. Die städtebauliche Antwort auf die exponierte Lage des Projektgebietes und die angrenzenden polaren Strukturen erfolgt über eine zweireihige Positionierung zweier unterschiedlicher Wohnformen: zur Rhône hin in Form von verdichteten Blöcken und zum Grünraum hin in gebündelten Zeilenbauten. An der das Projektgebiet längs durchquerenden Straße, der Verlängerung der Avenue de la Gare Maritime, treffen beide Strukturen aufeinander und sind versetzt zueinander angeordnet, sodass Blickbeziehungen aus der zweiten Reihe zur Rhône entstehen. Die gebündelten Zeilenbauten werden auf einem gemeinsamen Sockel zusammengefasst und teilen sich diesen als privaten Außenraum.
Jedes der beiden Zeilenbauten ist entweder zum Grünraum oder zur Rhône hin ausgerichtet. Die Zeilenbauten bestehen aus Geschosswohnungen, die sowohl mit einer einspännigen als auch zweispännigen Erschließung funktionieren. Die in erster Reihe zur Rhône liegenden Blöcke, definieren sich durch einen Sockel mit dreireihig angeordneten Doppelhäusern, die sich Richtung Rhône abtreppen. Der Sockel dient als Hochwasserschutz und bildet eine klare Kante zur Avenue de la Gare Maritime, zu den seitlichen Wohnstraßen und zur Uferpromenade. Die Uferpromenade wird zum öffentlichen Erholungsraum und zur Flaniermeile. Durch die Setzung einer dichten Struktur zum Wasser wird ein Vis-a-Vis zur gegenüberliegenden Uferseite geschaffen und eine Stadtansicht gebildet. Die Identität des Ortes wird bestärkt durch den Erhalt des alten Lagerhauses und dessen Umnutzung zur Markthalle. Ein hinzugefügtes öffentliches Gebäude (für Veranstaltungen mit Bibliotheksnutzung und Café) bildet zusammen mit dem alten Lagerhaus einen zentralen öffentlichen Platz.

Wohnungsbau

Das städtische Wohnen vereint die Vorteile der Infrastruktur mit den Vorzügen des eigenen Hauses. Dreireihig auf einem gemeinsamen Sockel angeordnete, acht Doppelhäuser erzielen eine dichte Wohnstruktur, die im städtischen Raum als Block ablesbar ist. Als Monolith in Sichtbeton wird dies in der Materialität aufgegriffen.

Häuser auf Sockel


Die einzelnen Häuser, die für Familien mit 1-2 Kindern und kinderlosem Zwei-Personenhaushalt ausgerichtet sind, sind in zwei Typen unterteilt. Die seitlich sitzenden Häuser profitieren von einer dreiseitigen Belichtung, während die in der mittleren Reihe angeordneten Häuser über eine zweiseitige Ausrichtung verfügen.

Der Sockel dient nicht nur als Hochwasserschutz sondern integriert die privaten Hauseingänge, Hausneben- und Wirtschaftsräume, Parkplätze, Abstellflächen für Fahrräder, einen Gemeinschaftsraum, Räume zur Wartung, Heizungsraum und eine Ladenfläche zur Straße.

Zwei getrennte, gegenläufig geführte Treppen in den Häusern verbinden die Stockwerke und bilden so die Verschränkung der beiden Wohnungen. Durch diese rationelle Erschließung, das Überkreuzen in der Mitte der Längsachse, werden zwei Seiten pro Geschoss erschlossen und ein Wechsel der Ausrichtung wird ermöglicht. Beide Parteien können so an Aussicht, Himmelsrichtung, oben und unten gleichermaßen partizipieren. Die gegenläufige Anordnung der Treppen als Ausgangspunkt der Typologie der Häuser ermöglicht die Teilhabe aller Bewohner an allen Standortvorteilen und macht die verschiedenen Dimensionen des Gebäudevolumens erfahrbar. Das Gebäude präsentiert sich nach außen als einheitlicher, skulpturaler Körper und eröffnet im Inneren eine große räumliche Varietät.

Der Baukörper der beiden Wohnungen wird von einer homogenen Hülle definiert. Die Häuser werden nicht zerstückelt und perforiert, sondern behalten ihre Prägnanz und Massivität. Einzig die raumhohen Fenster setzen Akzente in der Fassade.

Bei der Anordnung der Öffnungen in der Fassade wird zwischen Ausblick und Belichtung differenziert. Alle Kommunikationsräume erhalten ein raumhohes, innenbündiges Aussichtsfenster. Der Ausblick wird eingerahmt, indem die Laibung mit einer Holzverkleidung ummantelt wird. Die kleinen, außenbündigen Fensteröffnungen dienen der Belichtung der Schlaf- und Nebenräume und unterbrechen die monolithische Oberfläche nicht.

Ziel meines Entwurfes ist es, das Areal Ancien Gare Maritime an den Bestand und die vorhandenen Strukturen anzuknüpfen und ein attraktives Wohnviertel mit Zugang zur Rhône zu schaffen. Dabei soll keine Monostruktur entstehen, sondern eine Durchmischung und Diversität. Die Zugänglichkeit zum Wasser ist allen Nutzergruppen erlaubt und vielfältige attraktive öffentliche Aufenthaltsräume sind angelegt. Alle Bewohner dieses Quartiers profitieren von der Lage am Wasser bzw. zum Grünraum.

Campus Masters Wettbewerb


3, 2008

Facts

Hochschule:
Bauhaus-Universität Weimar

Lehrstuhl:
Professor: Prof. Mag. Arch. Walter Stamm-Teske, Lehrstuhl Entwerfen und Wohnungsbau

Präsentation:
27.03.2008

Rubrik:
Wohnbauten

Software:
Alle 2D-Zeichnungen sind mit AutoCAD 2007 erstellt. Für das Kontruieren von 3-D Perspektiven wurde auch AutoCAD 2007 verwendet. Die Zeichnungen und Perpektiven sind mit Photoshop überarbeitet

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