[Re]inventing nature

Campus für Saatzucht und Saatgutforschung

Alexandros Tsalkitzidis / Universität Stuttgart
Im Stadtviertel Poblenou, nordöstlich der Innenstadt Barcelonas gelegen, ist, wie vielerorts im 19. Jahrhundert, die landwirtschaftliche Aktivität der Industrie gewichen. An eine der identitätsstärksten Positionen dieser Nachbarschaft kommt nun eine typologische Neuinterpretation der menschengemachten Naturlandschaft. Der visionäre Entwurf "[Re]inventing nature" treibt die Auseinandersetzung zwischen der gebauten Umwelt und kultivierten Landschaft metaphorisch auf die Spitze.

Die entworfene Gesamtstruktur organisiert den urbanen Raum angelehnt an die fragmentierten Gefüge peripherer Agrarlandschaften. Sogenannte Raumparzellen, welche die typisch zweidimensionalen Agrarparzellen ablösen, ergeben aggregiert ein dreidimensionales Gerüst aus Volumina, Freiräumen und dem Tragwerk. So finden sich die programmatischen Inhalte der Erziehung, des Konsums sowie der Forschung auf verschiedenen Ebenen neben der Saatzucht wieder. Durch spontane Fortbewegung über das durchlässige, aktive Gesamtareal können Besucher einen Ausflug rund um das Thema Saatgut unternehmen, um ein neues Bewusstsein dafür zu erlangen. Jedoch sehen sie die primäre Funktion des Campus nicht, können diese nur erahnen. Denn die produktiven Aktivitäten, hier gleichbedeutend mit der menschengemachten Landschaft, werden visuell sowie technisch isoliert und somit komplett dem menschlichen Eingriff untergeordnet: der Mensch besitzt die maximale Kontrolle über die Natur, die kulturelle Ursprungsidee der Landwirtschaft. In hoch artifiziellen Biosphären-Kapseln können spezielle Klimaszenarien simuliert werden, um die Zucht verschiedenster Saatgüter in-Vitro zu ermöglichen.

Die Produktionsaktivitäten dienen den zwei Forschungszwecken neue Saatgüter zu entwickeln und bestehende Nutzpflanzen durch Rekultivierung zu erhalten. Letzteres gewinnt besonders durch die drückende Klimakrise und die aktuellen Umstände in der stark konzentrierten Saatgutbranche an Bedeutung, da zahlreiche historisch und wissenschaftlich wertvolle Arten auszusterben drohen.
"[Re]inventing nature" kann als entwicklungsfähige, sich transformierende Typologie gesehen werden, die sich durch Expansion und Modifikation an den räumlichen Kontext anpasst. Freistehende Grundstücke und Brachflächen, entlang der im Rahmen des Stadtentwicklungsplans entwickelten Grünachse Carrer de Cristóbal de Moura, können temporär oder dauerhaft besetzt werden, um ein Kollektiv aus Stadt und Landschaft zu bilden. Das Bestandsgebäude des ansässigen Saatgutunternehmens dient als Herzstück der Struktur und beherbergt die zentrale Technik ebenso wie die Logistik und vor Ort Fertigung der benötigten Bauteile.

Insgesamt stellt das räumlich offene Gefüge eine neuartige Landmarke im Stadtviertel Poblenou dar, die dessen Identität stärkt sowie die Historie des Grundstückes zukunftssicher bewahrt. Durch die Möglichkeit der Evolution birgt die entworfene Typologie das enorme Potenzial, ganz Poblenou gestalterisch sowie programmatisch nachhaltig zu prägen.
Text von Alexandros Tsalkitzidis.


Hier bewerten:

1 2 3 4 5

638 mal angesehen

Facts

Hochschule:
Universität Stuttgart

Lehrstuhl:
Institut für Baukonstruktion / Prof. Jens Ludloff

Präsentation:
01.12.2021



Abschluss:
Master

Software:
Rhinoceros 6, Adobe Photoshop, Lumion

Weitersagen


Ergebnis erfahren

Wir informieren dich über den Ausgang des Wettbewerbs per E-Mail.