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16:30

halb4

Pariser Platz

Der 1. Botschaftsspaziergang
Von Paris bis Bern in einer knappen Stunde


Der Auftakt hat es in sich: Von Frankreich und dem leeren Bauplatz der Vereinigten Staaten über Ungarn, England, Russland bis zur Schweiz: die Liste der Staaten, die am Pariser Platz oder in seiner Nähe residieren ist lang und beeindruckend. Wir beginnen direkt im Zentrum des Geschehens am Pariser Platz.

Die heutige französische Botschaft mit ihrer weißen Putzfassade und den seltsam anngeschnittenen Fenstern steht auf dem selben Baugrundstück wie ihr Vorgänger. Mit der bis ins Detail auf das Brandenburger Tor verweisenden Fassade entzieht sich das Gebäude allerdings so weit wie möglich den historisierenden Vorgaben der Berliner Baubehörden. Zwar sind nicht unbedingt alle Fluchten konzeptionell nachvollziehbar, jedoch hebt sich der Bau angenehm von den anderen platzgestaltenden Gebäudekanten ab. Frankreich gibt sich individuell und hat damit Erfolg.

Über die in der entgegen gesetzten Ecke des Platzes liegende Botschaft der Vereinigten Staaten wird wohl noch genug spekuliert werden. Vielleicht lassen Sie einfach in Anbetracht der Baustelle Ihr Vorstellungsvermögen wirken.
Am Platzausgang in Richtung Stadtmitte finden Sie die ungarische Botschaft: Trotz großer planerischer Überlegungen ist das Haus kaum von seinen Umgebungsbauten zu unterscheiden. Diese Botschaft könnte zumindest nach ihrer äußeren Erscheinung eine konventionelle Büronutzung enthalten.

Ein kurzer Blick in die Wilhelmstraße lässt Sie dem grandiosen Auftritt der englischen Botschaft beiwohnen. Die postmodernen in das Gebäude eingeschnittenen Volumen in rot und lila sind nicht zu übersehen.
Auf eine ganz andere Art, jedoch nicht weniger beeindruckend, zeigt sich die russische Botschaft aus der Stalinzeit eine Querstraße weiter entlang der Flaniermeile Unter den Linden. Sobald Sie einen einzigen Blick auf diese Anlage werfen können, werden immanenter Machtanspruch und dessen architektonischer Ausdruck sichtbar. Von den axial angeordneten Gebäudevolumen über die Wachsoldatenhäuschen bis zu den vergoldeten Zaunelementen, in allem lässt sich das Selbstverständnis der Sowjetunion zu Beginn des Kalten Krieges klar erkennen. Letztlich hat sich daran in der architektonischen Außenwirkung bis heute kaum etwas geändert.

Ein kleiner Abstecher gen Süden führt Sie zu der bayrischen Landesvertretung in der Behrenstraße. Auch hier ist im eigentlichen Sinne der Charakter eines Landes - natürlich eines Bundeslandes - auf eindrückliche Art und Weise getroffen worden. Im historischen Kontext mit Löwen und Wappen, mit Geschichte und Tradition präsentieren sich die Bayern im Berliner Stadtraum selbstbewusst und überlieferten Werten verpflichtet.

Wenn Sie sich nun Richtung Norden wenden, beeindrucken an der Dorotheenstraße Allegorien der rumänischen Botschaft: Nie sahen Sie solch herzige Putten in den Harnisch der römischen Legionäre gezwungen! Erstaunlich, wie weich Sandstein sich geben kann.

Überqueren Sie nun die Spree mit Hilfe der Brücke an der Friedrichstraße. In der Nähe des Deutschen Theaters sind Sie schon fast an der nächsten Botschaft vorbei gelaufen. Unspektakulär, blass gelb, schlicht und auf eine spröde Art sogar ein wenig schön steht hier die ursprünglich von Ludwig Hoffmann erbaute heutige Botschaft der Ukraine in der Albrechtstraße.

Litauen dagegen ist leichter zu finden. Die Charité weist mit ihren Backsteinbauten den Weg. Stilisierte Tierköpfe an der Fassade des Hauses scheinen unmittelbar die Frage nach der richtigen Zuordnung zu stellen. Wenn Sie Löwe und Adler erkannt haben, geht es weiter.
Die Landesvertretung Sachsen-Anhalts ist eigentlich ein kurzer Diskurs zur architektonischen Fragestellung, ob ein einziger Erker eine ganze Straßenfassade strukturieren und aufwerten kann. Er kann.

Als Fanfarenstoß am Schluss eignet sich die Schweizer Botschaft direkt am Kanzleramt mehr als alle anderen Botschaftsbauten der Stadt. Nirgendwo sonst prallen Neu und Alt unvermittelter und rüder aufeinander als hier und nirgendwo sonst können Sie Passanten schöner schimpfen hören.

Botschaften dieses Spazierganges


Ukraine

Albrechtstraße 26, 10117 Berlin

Republik Litauen

Charitéstr. 9, 10117 Berlin

Sachsen-Anhalt

Luisenstr. 18, 10117 Berlin

Schweizerische Eidgenossenschaft

Otto-von-Bismarck-Allee 4, 10557 Berlin

Rumänien

Dorotheenstraße 62-66, 10117 Berlin

Französische Republik

Pariser Platz 5, 10117 Berlin

Republik Ungarn

Unter den Linden 74-76, 10117 Berlin

Russische Föderation

Unter den Linden 63-65 / Behrenstr. 66-67, 10117 Berlin

Vereinigte Staaten von Amerika

Pariser Platz 2, 10117 Berlin

Vereinigtes Königreich Großbritannien und Nordirland

Wilhelmstr. 70-71, 10117 Berlin

Freistaat Bayern

Behrenstr. 21-22, 10117 Berlin