04.09.2012

Valerio Olgiati: Gedankenwelten

Fast etwas versteckt steht im dunklen Raum hinter dem lauten bunt flirrenden Beitrag von Urban Think Tank ein weiteres Highlight im Arsenale: Der großformatige Dia-Tisch von Valerio Olgiati. Die beeindruckende Rauminstallation ist Hybrid ein zwischen Möbel und Architektur – hier wird es automatisch stiller, dreht man seine Runden um den Tisch. Auf der schneeweiß lackierten glatten Oberfläche sind 323 Bilder in Plexiglasplatten rasterförmig angeordnet, die verschiedene internationale Architekten ausgesucht haben. „Pictographs – Statements of contemporary architects“ nennt Olgiati seinen Beitrag, zu dem er über 40 seiner Kollegen eingeladen hat. Eine interessante Bandbreite – erstaunlicherweise hat diese Sammlung keine Doppelungen.

Die große Ausstellungshalle im Arsenale wird dabei nur von zwei monumentalen Körpern bestimmt, die mit verschiedenen Maßstäben spielen: einem mächtigen Tisch und der darüber schwebenden horizontalen Deckenplatten, durch die sich die alten Säulen bohren. Olgiati schafft also mit wenigen Mitteln einen konzentrierten Raum, der – anders als der Tisch im serbischen Pavillon, als Ausstellungsebene dient und wie auf einem analogen Tablett eine Sammlung ausgesuchter Fotos präsentiert – „visuelle Worte“ nennt der Schweizer Architekt die behutsam in schwarzen Glasrahmen auf dem Tisch ausgelegten Bilder. Es ist ein intimer „Blick in die visuelle Gedankenwelt des Architekten“, so Olgiati. Die Auswahl dieser erweist sich als wahrer Common Ground in Chipperfields Common Ground: Peter Zumthor, J. Mayer H., Kazuoy Sejima, Anne Holtrop, David Adjaye, Christian Kerez, Miroslav Šik, Toyo Ito, Alvara Siza, Herman Czech, Peter Eisenman, Alberto Campo Baeza und viele andere. Jeder der 41 eingeladenen Architekten sollte für ein Set von maximal zehn Bildern aussuchen, die die Wurzeln des eigenen architektonischen Schaffens widerspiegeln – Winy Maas antwortet mit einem leeren Rahmen.

Eine ähnliche „Ikonografische Autobiografie“ hat Valerio Olgiati übrigens lange vor der Biennale bereits für sich selbst angelegt. Seine Bildersammlung kann man auf seiner Webseite bewundern.

(jk)