03.09.2012

Sounds Of Silence: Der polnische Pavillon

Der polnische Pavillon ist einer der Ausstellungsräume dieser Biennale, die den Besucher sofort beim Eintritt gefangen nehmen. Es ist gar nicht die Klanginstallation, die als erstes auffällt, sondern der Raum.

Der polnische Pavillon ist Teil der langen Reihe des von De Chirico beeinflussten so genannten „venezianischen Pavillons“ von 1932 auf der Insel Sant'Elena, einem Bau des Razionalismo aus der Mussolini-Ära. Man betritt den Pavillon durch ein machtvolles Rundbogenportal mit dem in Stein gemeißelten Schriftzug „Polonia“. Doch innen findet man sich in einer anderen Welt wieder. Obwohl die Wände grau sind, ist der Farbton warm. Obwohl es keine klassischen Fenster gibt, ist es innen hell. Die Wände sind glatt, frisch verputzt und gerade. Gerade? Die linke Wand steht schräg. Hilfe! Auch der Boden schwankt.

Was auf den ersten Blick wie eine denkmalgerechte Restaurierung erscheint, ist in Wirklichkeit ein gemeines Fake. Die Wände sind hohl, der Fußboden eine schiefe Ebene. Dafür sind in den Oberlichtern fette Abluftkanäle montiert, ja inszeniert. Und jetzt hört man es auch: Ein lautes Klopfen, Brummen, Heulen und Säuseln. Permanent, unausweichlich.

Der Pavillon thematisiert das „Hören von Architektur“. Dazu wird die Geräuschkulisse, die in den Eingeweiden eines solchen Großbaus entsteht, von Mikrofonen aufgenommen und – elektrisch verstärkt – im Ausstellungsraum wieder abgespielt: das Ächzen der Lüftungsanlage, das Schlagen der veralteten Heizungsrohre, das Zirpen der Zikaden auf der ausgedörrten Wiese vor dem Pavillon.

„Wir leben, arbeiten und spielen in gigantischen Klangkomplexen. Deren Verteilung ist das, was wir Architektur nennen.“ Starke Worte des Kurators. Auch wenn man der Theorie dieser „Klangskulptur“ von Katarzyna Krakowiak nicht folgen mag, offenbart sich der polnische Pavillon einfach als starkes Erlebnis. So hat es auch die Jury der Goldenen Löwen gesehen: „Diese Installation ermutigt den Besucher, ebenso zu hören wie zu schauen. Und sie ruft den ‚Sound des Common Ground‘ auf.“ (-tze)