30.08.2012

Baumstämme gegen den Tsunami

Übrig vom Tsunami blieben Straßen, Müll und – Fundamente. Die Häuser wurden fortgespült. Nach dem Erdbeben vom 11. März 2011 kehren die Bewohner langsam zurück in ihre verwüsteten Orte. „Home for all“ heißt das Projekt, das den Betroffenen hilft, sich ihre Heimat neu zu bauen. Es geht auf eine Initiative von fünf bekannten japanischen Architekten zurück und wird von Toyo Ito und einem Team von jungen Architekten umgesetzt. Im Zentrum stehen Befragungen und Workshops mit den obdachlos Gewordenen, die alles verloren haben. Wie wollen sie in Zukunft leben? Welche Antworten haben Architekten auf die Katastrophe? Welche die Kinder einer Grundschule? Der japanische Pavillon erzählt von „Home for all“.

In der Ausstellung: Vor Großfotos des verwüsteten Landes sind im Wortsinne „Modelle alternativen Wohnens“ zu sehen – Architekturminiaturen teils pragmatischer, teils utopischer Art. Manche wirken wie Spielzeug, andere wie traditionelle asiatische Häuser. Ihnen gemein ist die Art ihrer Gründung: Sie sind aufgebaut, aufgesetzt oder eingestellt auf oder in ein Gerüst aus in den Boden gerammten Holzstämmen. Holzstämme sind rund und bieten einen geringen Strömungswiderstand, sie können einem Tsunami besser standhalten als feste Häuser.

Der Baumstamm durchzieht als Motiv die optische Inszenierung der Ausstellung. Raumhohe Stämme sind wie Stützen im Pavillon aufgestellt und durchstoßen scheinbar den Boden nach unten. Die Modelle stehen auf Kanthölzern, die grob aus den Stämmen gesägt wurden.

Die Jury hat den Goldenen Löwen ausdrücklich auch für diese Präsentation und die „Erzählung“ des Pavillons vergeben. Diese sei einem breiten Publikum gut zugänglich, schrieb sie in der Begründung. Nun, vielen Besuchern geht es anders. Die naiv anmutenden Modelle vermitteln sich nicht als Wünsche von Obdachlosen, die Ergebnisse von partizipatorischen Prozessen sind. Das macht ratlos und sorgt dafür, dass Viele gleich am Eingang kehrtmachen: Architektur, die nicht nach Architektur aussieht, hat eben wenig Chancen beim Biennale-Publikum. Dieser Beitrag hat ein Vermittlungsproblem.

Bleibt die große „Menschlichkeit“ der Ausstellung, mit der sie die Jury ausdrücklich beeindruckt hat. Menschlichkeit ist eine soziale Kategorie, keine architektonische. Die diesjährige Jury hat auch bei ihren anderen Entscheidungen das Soziale zu ihrem Maßstab gemacht. Wer wollte das ernsthaft kritisieren? -tze