28.08.2012

Re-set: Architektur braucht neue Flügel

Tanzende Vorhänge im niederländischen Pavillon: Ein fast 20 Meter lange Kette aus Vorhängen schwingt sich durch den Rietveld-Bau. In hellem Pink, schwarz, weiß oder silber mit schwarzen Streifen falten die Stoffbahnen den Raum ein, verhüllen und entkleiden ihn. Insgesamt zwölf verschiedene Sequenzen bespielen den Raum, alle 1,5 Minuten bewegen sich die Vorhänge und werden über die technisch angesteuerten Deckenschienen in neue Positionen gebracht. „Man könnte von einem Dialog mit dem Raum sprechen, ich würde es eher als eine Art mechanisches Ballett bezeichnen“, erzählt uns die Designerin Petra Blaisse, die wir zwischen ihren Vorhängen trafen. Sie knüpft mit „Re-set“ an den letzten niederländsichen Beitrag „Vacant NL“ an. Schon 2010 thematisierten Ole Bouman und Rietveld Landscape den Leerstand in Holland – als Statement. Zur 13. Architekturbiennale sollte nun eine Lösung zu dem Thema vorgeschlagen werden.



Der Rietveld-Pavillon in den Giardini wird dabei als Symbol exemplarisch bespielt, auch er steht außerhalb der Kunst- oder Architekturbiennale leer. „Wir arbeiten mit einem Medium, das sehr flexibel, leicht und einfach ist – und nicht zu vergessen: es ist relativ günstig“, erklärt Petra Blaisse. „Mit Vorhängen schafft man einen Raum oder Raumeffekte. Die Installation zeigt nur ein Objekt: einen Vorhang, oder vielmehr ein Kleidungsstück, der durch den leeren Rietveld-Pavillon schwebt und den Raum in verschiedensten Formen neu organisiert: mal ist er ein Auditorium, mal vielleicht ein Haarsalon.

Da der Vorhang zwei Seiten hat, entstehen unterschiedlichste Atmosphären. Die verschiedenen Stoffe reflektieren, sind opak oder farbig, mal gestreift oder transparent. Zusätzlich wurden die Dachfenster aus Milchglas ausgetauscht, so dass so viel Tageslicht wie möglich in das Gebäude gelangen kann – verstärkt wird dieser Effekt durch auf dem Dach installierte Spiegel. Je nach Tageszeit wird der sonst so leere Rietveld-Pavillon nun drei Monate lang ständig sein Inneres verändern – ein leichtes Spiel mit Raum und Zeit.

Text und Fotos: Jeanette Kunsmann