28.08.2012

Avatare in Österreich

Radikales Konzept: Österreich zeigt keine Architektur, sondern Körper. Kommissär Arno Ritter und Architekt Wolfgang Tschapeller bespielen den Pavillon mit realen menschlichen Figuren, ihren Avataren und einer spiegelnden Haut.

Ein Mann läuft kopfüber, darunter liegt eine Schläfergruppe, auf der anderen Seite ein hüpfendes Mädchen und ein Mann, der seinen Kopf abnimmt und neu formt. In einem 16-minütigen Loop kann man auf beiden Längsseiten des Pavillons verschiedene Charaktere beobachten, auf der einen Seite auf einer Leinwand, gegenüber in einer Art spiegelnden Haut. Diese verleiht der Projektion eine Unschärfe und integriert den Besucher als Bestandteil der Projektion.

Es sollte keine klassische Architekturausstellung mit Fotos, Plänen und Modellen werden. Arno Ritter wollte einen „unverwechselbaren Beitrag an der Schnittstelle von Architektur, Kunst und Grafikdesign“ in den österreichischen Pavillon bringen und irritieren: „Ich wollte einen Pavillon machen, den die Leute entweder fluchtartig verlassen, weil sie damit nichts anfangen können, oder aber darin bleiben, wie sie selbst ein Bestandteil dieser neuen Architektur der Zukunft werden wollen.”

Mit dem poetisch klingenden Beitrag „Hands have no tears to flow. Report from/without architecture“ soll das Verhältnis von Körper und Raum untersucht und in Beziehung gesetzt werden. „Die Installation verschiebt die Wahrnehmung von Gebäuden und konzentriert sich auf jene, die darin wohnen“, erklärt Ritter. „Es sind keine Gebäude zu sehen, sondern Figuren, genauer digitale Figuren oder digital animierte Körperoberflächen – also eine soziale Physik.“

Ausgangspunkt war für das Team der Kurzfilm „Powers of Ten“ (1968) von Charles und Ray Eames, in dem die Dimensionen des Universums auf einer logarithmischen Skala von Makro- bis Mikrokosmos untersucht werden, in dessen Zentrum der menschliche Körper steht. Arno Ritter und Wolfgang Tschapeller versuchen die aktuellen technologischen und wissenschaftlichen Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Körper weiterzudenken. Wie sich die Architektur und der Umgang mit unseren Körpern in Zukunft verändern wird, schwebt als Frage zwischen den Figuren. Muss man die Architektur körperhafter, wie einen „lebenden“ Organismus denken? Oder wird der Körper zunehmend architektonisch wie technisch behandelt und damit die Raumproduktion eine andere Bedeutung bekommen? Der österreichische Beitrag kratzt an den Grenzen der Architektur.