27.08.2012

Flugzeugträger: Der israelische Pavillon

„Israel ist der größte amerikanische Flugzeugträger in der Welt, der nicht versenkt werden kann... Und er liegt in einer für die nationale amerikanische Sicherheit bedeutsamen Lage."

Dieses Zitat von Alexander Haig, den mancher vielleicht noch dunkel als wichtigen US-Staatssekretär der frühen 80er Jahre kennt, ist der Dreh- und Angelpunkt der israelischen Biennale-Beitrags. Der Staat Israel, eigentlich verstrickt in den notorischen Nahost-Konflikt, wird hier aus einer Innenschau heraus nicht etwa in der Auseinandersetzung mit den Palästinensern definiert, sondern als eine Art willfährige Militär-Basis der USA ausgemacht – daher die „Flugzeugträger“-Metapher. So viel politische Unkorrektheit hätte man hier nicht erwartet.

Demnach war, so die Ausstellungskuratoren Erez Ella, Milana Gitzin Adiram und Dan Handel, Israel bis 1973 ein von sozialistischen Idealen bestimmtes Gemeinwesen. Doch seitdem konstatieren sie eine „radikale Veränderung der israelischen Architektur und den amerikanischen Einfluss, der diese möglich machte“. Denn in jenem entscheidenden Jahr wurden „kapitalistische und liberalistische Prinzipien“ in Israel „eingebettet“. Seitdem herrsche dort eine „hyperkonsumistische Raserei“.

Warum nun gerade 1973? Es war das Jahr des Jom-Kippur-Krieges, der die erste weltweite Ölkrise auslöste. Seitdem ging es Schlag auf Schlag mit der Amerikanisierung in Israel: Bald darauf kam die erste Shopping-Mall, der erste Privatsender, das erste Mc-Donald's-Fast-Food-Restaurant...

Die Ausstellung im israelischen Pavillon illustriert dies in einer zwischen Sarkasmus und Detailliebe changierenden Art. Die Exponate, auf hüfthohen Stelen arrangiert und effektvoll beleuchtet, stehen jeweils für eines der genannten gesellschaftlichen und politischen Ereignisse. Automodelle, Militärhemden, Ölfässer – solche Dinge. Der Gipfel des Ganzen: Die Exponate sind keine Unikate, sie wurden vielmehr von dem Produktdesigner Tal Erez seriell hergestellt und sind im Erdgeschoss des israelischen Pavillons in der Manier eines typisch amerikanischen Museumsshops zum Verkauf ausgestellt.

Der Gag mit den Merchandising-Produkten ist gelungen. Sperriger sind die architektonischen Belege für die Amerikanisierung. Sie werden in Video-Instrallationen dargestellt, die sich nicht auf den ersten Blick erklären. Hier ist viel Vorwissen über die Nahost-Situation erforderlich, etwa wenn gezeigt wird, wie ein Neubau abgerissen wird. Ist es eine durch Bomben und Raketen beschädigte Substanz, oder werden illegale Siedlungen geschleift? Man weiß es nicht. Was man nach dem Besuch dieser Ausstellung aber in jedem Fall weiß: Dass nicht alle Israelis der Schutzmacht USA Respekt und Zuneigung entgegenbringen.